An (m)einen Engel

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Wieder beginnt ein neues Lebensjahr. Doch dieses ist besonders, auf eine traurige Weise. Es ist das erste Lebensjahr, das ohne dich beginnt.
Ohne dein: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, süße Maus, ich hab dich lieb.“
Ohne dich, meine Seelenverwandte, die immer instinktiv gespürt hat, wenn es mir nicht gut ging und umgekehrt genauso.
Ohne dich, meine beste Freundin.
Unsere Freundschaft war etwas ganz Besonderes und als solches werde ich sie immer in Erinnerung behalten. Auch wenn uns hunderte Kilometer trennten, war mein Herz doch stets bei dir und deines bei mir. Ich konnte mit dir lachen, weinen und die verrücktesten Gedanken teilen, ohne Sorge haben zu müssen, dass du mich für völlig durchgeknallt hältst.
Du standest mir in schweren Zeiten bei, als wäre das eine Selbstverständlichkeit und für dich war es das vielleicht auch. Weißt du eigentlich, dass ich ohne dich wahrscheinlich nicht mehr am Leben wäre? Ich habe es dir nicht gesagt, um dich nicht zu beunruhigen, aber es gab einen Punkt in meinem Leben, da wollte ich nicht mehr. In dem Moment, als meine schwarzen Gedanken übermächtig wurden, schriebst du mir. Natürlich schriebst du mir in diesem Moment; alles andere wäre auch untypisch gewesen für unsere Freundschaft.
Du holtest mich mit deinen liebevollen Worten aus diesem Loch und zeigtest mir, dass es noch Menschen gibt, die mich lieben, brauchen und für mich da sind. Du zeigtest mir ein Licht am Ende des Tunnels, das ausnahmsweise einmal kein herannahender Zug war. DU warst dieses Licht.

An den Tag im Sommer vergangenen Jahres erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen. Ich wachte schon morgens mit dem Gefühl auf, völlig neben mir zu stehen. Im Laufe des Tages kamen starke Kopfschmerzen und Unruhe dazu, doch ich schob das alles aufs Wetter, trank viel … es wurde nicht besser. Im Gegenteil. Gegen Abend wurde ich immer unruhiger und hatte den Drang danach, sofort alles stehen und liegen zu lassen, mich in den Zug zu setzen und zu dir zu fahren. Aus diversen Gründen ging das leider nicht, also harrte ich in diesem Gefühl aus.
Der nächste Abend brachte Klarheit. Ich erfuhr, dass du von uns gegangen bist. Und zwar genau in dem Augenblick, als meine Unruhe ihren Höhepunkt erreichte und ich zu dir wollte.
Ich kann dir nicht sagen, wie ich die folgenden Tage, Wochen, Monate bis jetzt überstanden habe.
Ich kann dir nur sagen, dass du mir noch immer unglaublich fehlst, mein Engel. Aber ich weiß, dass du über mir wachst und auf mich aufpasst.
Und dass du stolz auf mich bist.
Wir sehen uns wieder, meine Liebe. Und dann werde ich in deine Arme rennen und dich fest drücken, und glaub mal nicht, dass ich dich dann jemals wieder loslassen werde.
Bis dahin schlägt mein Herz weiter, atme ich weiter, lache ich vielleicht irgendwann sogar wieder von ganzem Herzen. Und ich hebe mein Glas auf dich. Sekt, der tränenbedingt ein wenig salzig schmeckt – aber doch nach der Gewissheit, dass es dir gut geht auf deiner Wolke, auf der du es dir gemütlich gemacht hast und auf mich herab lächelst.
Ich liebe dich. Aus tiefstem Herzen. Weil du mein Seelenzwilling warst, bist und auf ewig bleiben wirst.

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Kommentare

03. Feb 2021

Wünsch dir diesen lieben und wichtigen Menschen nicht auf eine der vielen Wolken.
Dieses wunderbare Wesen könnte neben dir stehen.
Danke für deine wunderbare Geschichte, voller Gefühle und voller Dichte !
HG Olaf

04. Feb 2021

Das wäre sogar noch schöner, ja. Sie ist bei mir ... auch wenn ich sie nicht sehen kann.
Trotzdem fehlt sie mir. Es ist nicht das gleiche.

LG Tabea