Herbst

von Rainer Maria Rilke
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Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
Als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
Sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
Aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
Unendlich sanft in seinen Händen hält.

Veröffentlicht / Quelle: 
Das Buch der Bilder 1. Buch Teil 2, S. 51 - Axel Junker Verlag, 1906
Bild zum Gedicht »Herbst« von Rainer Maria Rilke

Video:

Eine Verfilmung von Rainer Maria Rilkes Gedicht "Herbst" durch Das Lyrische Wir

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Kommentare

Christof Bauersch
23. Nov 2017

Es gibt solche Dinge im Leben und Gehen jedes Einzelnen, denen auch ich mich nicht verschließen kann, da sie mich genau so machtvoll betreffen wie Alle. Das Gehen und Fallen. Zuletzt wird das Aufstehen, das wieder aufraffen nur noch ertragbar, im Einverständnis mit dem letzten Erdenbegleiter, dem Sterben. Glücklich sind die Menschen, die diesen Begleiter freundlich und mit Vertrauen begrüßen können.