Am Portal verschwimmend' Sprachen

von Michael Perkampus
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Ich zog die eigentlich schwere Haut an, den Mantel der Jahre, die ich noch kannte. Ich kann Lippen abwarten, ich kann langsamen Duft verstehen; kann auch von einem Fieber überrascht werden, das in einem Gegenüber Furchen zieht.
Du (und ich sage: »Du ...«) weißt nichts von meiner wahren Gestalt, bleibst auf der Spitze der Couch sitzen, lehnst Dich nicht zurück, bleibst dem Abgrund nahe. Kommt der Tag, dann will ich sagen, was ich noch an Worten weiß. Du (und ich sage: »Du ...«) hältst jetzt die Augen gesenkt, weil Dich ein Fleck hypnotisiert, der Deinen Schatten imitiert. Dein Lippen-Netz ist spröde, Dein Unglück eine Wüste. Ich bewege mich, wie es Albträume tun, bevor sie tiefen Schlaf aufschrecken; ich kann außerhalb in Räumen sein. Du (und ich sage: »Du ...«) zitterst; aber warum zitterst Du? Ich vollbringe Dich: ein Werk, das Deine Lippen wässert. Am Portal verschwimmen Sprachen; wir sprechen über nichts.

100 Texte an 100 Orten in Kempten.

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