Oma's Geburtstagsschritte in Dekaden

Bild von Ernst Wetzel
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Seit Wochen geht um in familiärer Runde,
Oma E... wird nun 70, das ist die Kunde.
Die Familie - Kinder, Enkel, Schwiegersohn,
wurde immer größer - das ist doch ein Lohn,
für das Sorgen einst für die eigenen Kinder.
und heute für die Enkel nicht minder.

Ist es doch gerade diese Enkelgeneration,
die Dir verschafft weitere Motivation,
wenn sie Dich als Ruhepol (fürs Spielen) sucht,
bzw. bei Dir ihr Lieblingsessen “bucht”.

Wenn sie der Meinung ist, Oma gehöre nicht ins Krankenhaus,
weil bald ist das liebevoll gekochte Essen zu Hause aus.
Wenn sie will, dass Oma schnell wieder kann laufen,
ansonsten überlegt, Dir eine Küche fürs Krankenhaus zu kaufen.

Ist doch schön, wenn “die Jugend” Oma vermisst,
beim Wiedereintreffen zu Hause dann die Flagge hisst.
Wenn Oma das Gefühl hat, sie existiert nicht nur am Rande,
wenn die empfangenden Augen verraten: “meine Rasselbande”.

Wir wünschen Dir aus unserer Runde,
dass Du mal innehalten kannst - (wenigstens) ‘ne Stunde.
Die Rasselbande nicht die Decke lässt wackeln,
weil die (mit uns) da oben mal wieder über die Stränge zappeln.
Dass Du bist gesundheitlich noch lange im Stande,
gemeinsam zu erleben unsere familiären Bande.
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Liebe E…,
das Leben ist eigentlich eine den Menschen mit offenen Armen empfangene geschenkte Zeit.
Anfangs gedacht als lernendes Hineinfinden und später als dessen Gestalten – in Selbstständigkeit.
Als älterer Mensch magst Du nun empfinden, wenn 80 Jahre sind Vergangenheit,
dass man seinen Lebensweg durchschritt mit viel zu großer Schnelligkeit.

War anfangs das eigene und des Bruders Überleben eine zu bewältigende Last,
nahm Dich später die Entwicklung der eigenen Familie so gefangen.
Ein Haus wurde gebaut, der Haushalt war zu führen und Berufstätigkeit verlangte seine Hast.
Man ist halt in dieser Zeit als Getriebener durchs Leben gegangen.

Erst als die Kinder Schule und Berufsausbildung abgeschlossen
und so nach und nach einmündeten in den Hafen der Ehe,
keimte Hoffnung auf, nun wird das Leben mal in Ruhe genossen.
Das schien aber nicht erfüllend zu sein, wenn so wenig geschehe ... .

Denn eigentlich fehlt doch die Oma-Zeit als auch Deines Lebens Stück.
Du warst gedanklich und unausgesprochen erneut wieder „in der Hoffnung“
auf sprießenden Kinderwunsch und mitgetragenes Enkelglück.
Geduldig wartend wurde die Zeit noch mal spannend – mit Gottes Segnung ...

So wurden Dir mit A…, B…, L…, G… und K… fünf Enkel zuteil,
deren Entwicklung Dir als Oma lässt nie Ruhe walten,
denn man macht sich ja immer Sorgen um der Kinder Heil,
dass es gelingt, ihr Leben möge sich besser gestalten ...

So bleibt Dein Leben immer noch eine spannende Reise
und das hoffentlich lange hinaus über das 80. Jahr,
in integrierter behüteter häuslicher Heimat auf eine Weise,
umgeben von größer gewordener Familienschar.

Damit diese Reise uns noch lange mag begleiten,
stehen Dir helfende Hände gerne bereit.
Dein Familiensinn lässt auch unser Leben leiten
und verpflichtet uns zu großer Dankbarkeit.
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90,
ein Alter, wo man sich ganz sicher zurück besinnt,
wo man sich fragt, warum die Zeit so schnell verrinnt.
Die Dekade auf die magische 100-Zahl nun beginnt,
man nachdenkt, was dieses Jahrzehnt einem wohl so bringt.

Du spürst ja schon jetzt, der Körper will nicht mehr so sehr,
Folgen vergangener Operationen zwicken Dich immer mehr.
Die mach(t)en Dir schon die letzten Jahre das Leben schwer.
Einschränkungen und örtliche Gebundenheit gingen damit einher.

Die Bekochung Deiner Familie waren erinnerungswerte Taten,
was Kochen betrifft, konntest Du mit leckeren Menü’s aufwarten.
so vermisst die Familie u.a. den begehrten adventlichen Sauerbraten.
Was blieb ist die Würzung von jährlichen weihnachtlichen Fischsalaten.

So ist man zufrieden, wenn die (Enkel-)Kinder in D… zu Besuch da waren,
oder transportiert zu werden hin zu draußen stattfindendem familiärem Gebaren.
Wenn dort Geburtstage und Hochzeiten zu feiern sind in größeren Scharen,
ist sich die Familie bezüglich Deines begrenzten Durchhaltens im Klaren.

Dabei bist Du doch und hälst Dich geistig immer noch fit,
zeigst Interesse, welches Familienmitglied geht wo und welchen Schritt
und diesen verfolgen kannst bzw. ihn sich vorstellend gehen dann mit,
bewertest, ob es das richtige Pferd gesattelt und wohin so geht der Ritt.
bewertest mit Altersweisheit, ob es damit den richtigen Weg wohl betritt.

Du befindest Dich also weiter auf einer spannenden Reise,
wobei ich besonders auf die Entwicklung Deiner Enkel verweise,
die ja an verschiedenen Orten befahren bestimmte Gleise.
und vergrößern werden die Personenzahl im Familienkreise … .

Haben sie doch ihren Partner schon gefunden,
oder sind (schon/auch bald) ehelich gebunden,
sie werden das Großfamilienbild dann abrunden,
vielleicht Du kannst mit weiteren Urenkeln pfunden.

Wenn sie dann noch gehen in Dein 9. Lebensjahrzehnt
in Berufstätigkeiten, die als relativ sicher sind erwähnt,
dann sind Hoffnung(en) zum Glück weit ausgedehnt,
ein Zustand erreicht, den man sich für die Familie ersehnt.

Diesen Zustand zu erleben soll das 9. Lebensjahrzehnt Dir bringen,
mit diesem Glück persönliche Beschwerden einfacher zu überspringen.
Das setzt weiter voraus, wenn Wünsche* von Dir zu uns dringen,
wir Dir zusagen, deren Lösung in und mit der Familie wird gelingen.

Dazu heißt es, kleinschrittiger seinen zukünftigen Weg zu gehen,
jeden neuen Tag als zu erspähendes Ereignis zu verstehen,
ihn dann angenommen und bewältigt, dies als Geschenk zu sehen.
I. d. S. sollen noch gaaaanz viele ereignisreiche Tage geschehen.

* Fahrten zum Doktor, Optiker, Hörgeräteakustiker, Gartenmarkt, oder einfach zum Strümpfe an- und ausziehen

Dieser Längsschnitt dreier Gedichtkarten, aus denen diese Texte aus Datenschutzgründen herausgenommen wurden, macht ein wenig die Entwicklung des Lebens unserer Oma deutlich.
Natürlich sind die Texte eingebunden in einen Reigen von Fotos der Familienmitglieder.
Die Kartenenetwurfe haben eine Umrahmung mit der runden Geburtstagsjahrenzahl 70,80,90 in den Ecken und als "Wasserzeichen" auf der Gesamtfläche hinterlegt
Sie sind erstellt mit Corell Draw, gedruckt auf doppelseitigem Fotopapier im DIN A4-Format, einmal gefaltet zu DIN A5-Karten, stehend auf dem Festtagstisch.

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