„Vergänglichkeit“ – Dezember-Gedanken der „Künstlergruppe 14 Zoll“

von Axel C. Englert
Mitglied, Moderator

Vergänglichkeit

Auf meinen Spiegel schrieb die Zeit
Mit Zauberstift: „Vergänglichkeit“
Ich las es nicht, wollt es nicht sehen
Die Jugend ließ mich nicht verstehen

Doch seh ich jetzt mit jedem Blick
Es geht vorwärts nur und nicht zurück
Vergänglichkeit ist unser Ziel
Das Leben ändert nie sein Spiel

Und ist vergangen auch die Zeit
Hält sie doch einen Trost bereit
Auf meinem Spiegel kann ich lesen
„Erinnere dich, was mal gewesen“

© Sigrid Hartmann

Vergänglichkeit (Goethe hat Zeit)

„Warum bin ich vergänglich, o Zeus?“
So fragte die Schönheit. (Diesen Deus ...)
[Der spricht sich hier nicht mit E-U –
Sonst schnappt mein Reim kein bisschen zu!]

„Macht ich doch“, sagte der Gott –
„Nur das VERGÄNGLICHE schön.“ („Und flott!“)
[Das hat der Herr Goethe unterschlagen:
Drum musste ich es nach noch tragen ...]

(© Axel C. Englert)

1.
VERGÄNGLICHKEIT

Vergänglichkeit ist stets präsent
und immerzu sehr aktuell.
Mein Spiegelbild ist Zeuge mir –
ich altere, und das recht schnell.

Was sind schon zehn, sind zwanzig Jahr'?
Für eine Eiche nicht sehr viel.
Jedoch für mich. Ich bin ein Mensch
und werde faltig – doch mit Stil!

Mein Antlitz ist kein leeres Blatt,
ich altere in Würde – gern.
Doch färben muss ich längst mein Haar,
denn Grau zu tragen, liegt mir fern ...

Da ich kein Mann bin, sondern Frau,
entstellen Dellen jedes Bein.
Zumindest oberschenkelwärts –
ich find das sowas von gemein!

Von Besenreisern abgesehn
(fürwahr, sie sind wohl keine Zier) –
geh ich halt kompressionsbestrumpft,
und so gefallen die Haxen mir.

Die Erdanziehungskraft ist fies.
Sie ist auch etwas, das mich stört.
Zieht sie doch alles frech hinab.
Ich finde sowas unerhört!

Sprach ich von Würde? Sie verzeihn.
So einfach ist das eben nicht!
Inkonsequenz liegt mir nicht fern.
Ich mein, sie steht mir zu Gesicht.

(© Corinna Herntier)

2.
WINTERZEIT

Der Winter zeugt von Endlichkeit,
von Übergang und Schlaf – bereit,
dem Frühlingsruf zum Neubeginn
das Feld zu räumen. Bis dahin
hüllt er Vergangenes sanft ein
und lässt Natur verborgen sein.
Jetzt träumen unter Schnee und Eis –
noch fern von Vorfrühlings Geheiß –
die Zeugen der Vergänglichkeit
und ihre Erben ... Winterzeit.

(© Corinna Herntier)

Vergänglichkeit

Die Schwestern spielen vor dem Haus und auf den Gartenwegen,
man hört sie toben, hin und her, und juchzen und laut reden.
Sie necken sich, rufen sich zu und ist’s auch Mitternacht,
im Mondenschein geht’s lustig her, vielstimmig wird gelacht.

Wie elegant Delphine sind, sie schwimmen weite Bahnen,
was ihre Lebenslust bestimmt, man kann es staunend ahnen.
Das Auge folgt der Blasenspur, man hört sie förmlich singen.
Es glitzert eine Perlenschnur, wenn sie zur Sonne springen.

Ein Kammerton weht übers Meer, gleichmäßig, dumpf und leise,
er kommt bestimmt von weiter her, auf seine stete Weise.
Es ist der Grundton in dem Bild, das mich dem Schlaf entriss:
zwei Menschen in dem Notgefühl, dass „Atmen“ „Leben“ ist.

Sie schlichen sich in meinen Traum, so bilderreich perfekt,
und haben meine Phantasien zu früher Stund geweckt.
In dieser einen Nacht bin ich erlebnisweit gereist,
ich las ein Buch, schrieb dies Gedicht und weiß, was „Überleben“ heißt.

© noé/2018

Vergänglichkeit

Vergänglichkeit
entsteht durch Zeit –
das ist zugrunde ihr gelegt:
sobald sich etwas hier bewegt
ist es auch schon dem Tod geweiht!

Vergänglichkeit
bedeutet stets bereit,
den Augenblick zu nutzen,
die Sinne gerne blank zu putzen –
sei also, kleiner Mensch, gescheit!

Vergänglichkeit
ist immer Widerstreit
der Mächte, die dich führen –
das wirst du deutlich spüren!
Vor dir liegt leider keine Ewigkeit!

Vergänglichkeit
macht Beine breit,
um Leben einzulassen –
das darf man nicht verpassen,
denn der Tod ist uns ja prophezeit.

© Alf Glocker

Vergänglichkeit

Der Wert der Vergänglichkeit
liegt in der Notwendigkeit,
darin, nichts zu verschieben,
auch Dinge, die wir nicht lieben.
Die Zeit liegt in Gottes Hand,
überall, in jedem Land.

So müssen wir verstehen
irgendwann zu vergehen,
dass unser irdisches Licht
eines Tages gar erlischt
und wir nicht voraussehen,
wann die Zeit kommt, zu gehen.

© Angélique Duvier
November 2018

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Kommentare

15. Dez 2018

Liebe Sigrid, lieber Axel, liebe Corinna, liebe noé, lieber Alf, liebe Angelique – jedes der Gedichte hat die besondere Sprache einer, eines jeden von Euch und spricht zu mir auf eigene Weise, mein Dank gilt Euch allen mit lieben Wünschen für eine fröhliche Weihnachtszeit und besonders für ein gutes Jahr 2019, mögen wir uns noch oft begegnen in diesem Portal; jetzt habe ich die Zahl zum ersten Mal geschrieben …

Marie

15. Dez 2018

Liebe Marie, auch dir 'ne frohe Weihnachtszeit, ein gutes neues Jahr -
Und velen Dank für Deinen freundlichen und schönen Kommentar!

LG Axel

15. Dez 2018

Jeder schrieb auf seine Weise,
Es war 'ne einmalige Reise :)
Künstlergruppe 14 Zoll,
Danke, es war wundervoll.

Liebe Grüße,
Ella

15. Dez 2018

Eigentlich klick ICH mich NICHT -
Ich meinte auch nicht MEIN Gedicht ...

LG Axel

15. Dez 2018

Schön, dass unser Schreiben so gut ankommt und Be-Achtung findet!
Von meiner Seite allen wohlwollenden Lesern ein dickes Danke, Wünsche für eine lichthelle Weihnachtszeit und ein friedensvolles neues Jahr ...

15. Dez 2018

Im Spiegel – die Vergänglichkeit:
Erinnern wie Notwendigkeit
Vorauszusehen innehaltend weitergehen
Durch Winterzeit und Mitternacht
Von einen auf den andern Tag
Wie blank wie variierend glänzend
Erscheint changierendes Gedenken
Solch feingesinnter Geister hier…
(Darum bin ich auch gerne hier)

LG Yvonne

15. Dez 2018

Oh vielen herzlichen Dank für die wundervollen Kommentare!
Herzliche Grüße und einen schönen dritten Advent,

Angélique