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Zunichte

Bild von Alf Glocker
Bibliothek

Siehst du wie du – eingesponnen -
in den seidenen Fäden hängst,
abseits von dem Licht der Sonnen,
wie du, mattgesetzt, schon längst
beschäftigt bist am eigenen Grab?
Brichst du über dir den Stab,
der schon längst gebrochen ist -
noch einmal? Verlassen bist
von allen guten Geistern du!
Sieh dich um – und dann sieh zu,
daß du nicht mehr zusiehst, wenn
sie alle um dich gründlich spinnen!
Rufe aus: „Was ist das denn?“
Sei nicht konform wie sie, von Sinnen!

Merkst du wie sie dich aussaugen,
wie sie sorgsam dich verzehren,
wie sie dich mit Argusaugen
ausspionieren, sich beschweren,
wenn du mal was andres sagst -
wenn du zu behaupten wagst:
„Hier stimmt doch so vieles nicht!“
Nein, man führt dich hinters Licht!
Dort sollt du dich „gut“ betragen
und nach keinen Gründen fragen,
die um dich wie Waffen starren.
Du sollt dich nur still bescheiden,
als der Esel vor dem Karren -
lass die Rechte dir beschneiden!

Rühr' dich nicht mehr im Kokon,
du bist die Nahrung für die Wilden,
das Maskottchen der Nation,
wo Verbrecher in den Schilden
etwas furchtbar Schlechtes führen.
Davon wirst du bald was spüren.
Zapple nicht wie eine Fliege!
Der Tod steht lächelnd an der Wiege,
denn die Zeiten ändern sich!
Zug um Zug und Schlich für Schlich,
wirst du menschlich ausgemerzt.
Guck da lieber dran vorbei -
sei ein Schelm der damit scherzt!
Keiner hört auf deinen Schrei ...

Denn der Dämon kommt geschlichen,
dunkel, grausam, übermächtig -
und er kürzt mit schnellen Strichen
deine Träume, grob und schlächtig,
doch du darfst ihm gratulieren,
er will dich ja nur verführen!
Betäubt vom Gift der falschen Scham,
die dir das Bewusstsein nahm,
sinkst du geistig auf die Knie,
und du schwörst: „Ich werde nie
meine eigenen Interessen pflegen,
höchstens dann wenn sie mir schaden!“
Das geschieht zu aller Segen -
und der Nebel kommt in Schwaden!

Plötzlich wirst du nichts mehr wissen,
du wirst leer sein und vergessen,
du wirst deinen Mörder küssen
und derselbe wird dich fressen!
Dafür hat er dich gefangen -
erst mit Fäden, dann mit Zangen!
Und so wirst du sterben müssen -
voll für deine Dummheit büßen,
daß du selbst in die Netze gingst
(dich in Lug und Trug verfingst),
die so offensichtlich waren
wie alle Fallen der Geschichte
und auch tödlich mit den Jahren -
gesteh's dir ein: du bist zunichte!

Interne Verweise

Kommentare

20. Jul 2016

Noch ist nichts zunichte -
Du machst doch Gedichte!

LG Axel

20. Jul 2016

Imponierend wie du deine Anliegen in Worte fasst.

Viele Grüße
Willi

21. Jul 2016

Ist dies auch sehr schwarz gemalt -
man hört den Rufer aus dem Wald ...

22. Jul 2016

ich bedanke mich!

LG Alf