Black Hole

von Elmar Vogel
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Weshalb könnt ihr sie nicht tragen?
Alle Unvereinbarkeit
werft auf mich in dunklen Tagen.
Macht euch frei von allem Streit.

Wer kann alles auf sich nehmen,
ohne etwas preiszugeben:
Allen Irrtum, alles Schämen,
wer erweckt's zu neuem Leben?

Weshalb setzt ihr eine Grenze,
die der Kosmos doch nicht kennt?
Seht der Sterne Kreiseltänze,
um ein Zentrum, das verbrennt.

Sein Gesetz ist die Verzehrung,
steter Wandel sein Gebot.
Selbst die finsterste Entbehrung
wirft ein Licht auf Sturz und Tod.

Abertausend Sonnenmassen
speien in den Raum hinein.
Doch das Auge kanns nicht fassen,
unsichtbar sein Wiederschein.

Engster Raum und dunkle Masse
setzt den tiefsten Todespunkt.
Dennoch schafft es eine Trasse,
die hinausweist aus dem Schlund.

Er, der alles lassen kann,
der wird einst auch alles nehmen;
und wer alles tragen kann,
der wird alte Räume dehnen.

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Kommentare

25. Mär 2020

Lieber Alf, freut mich, dass es dich anspricht. Vielen Dank !
Herzlichst
Elmar

25. Mär 2020

Philosophisches ist immer großer Gewinn,
wenn die Philosophie nicht auf Gewinn ausgerichtet -
und gescheit ist.
LG Uwe

25. Mär 2020

Lieber Olaf, lieber Uwe,
vielen Dank für die anerkennenden Worte.
Es geht mir in meinen lyrischen Versuchen meist darum, auf etwas Hintergründiges aufmerksam zu machen, das ich für mich persönlich als wesentlich erachte und für das ich dann und wann eine Metapher finde, die meine inneren Einsichten exemplarisch beschreibt. Den Impuls gibt meist eine Beobachtung oder ein Vorgang der Natur. Bei diesem Text waren es Überlegungen zur Beschaffenheit Schwarzer Löcher, die mir gewisse, religiöse bzw. philosophische Einsichten bestätigt: So glaubte man eine ganze Zeit lang, dass Schwarze Löchern einfach alles schlucken und dass sie das Ende aller Dinge seien. Tatsächlich stossen Schwarze Löcher aber gewaltige Jets an Röntgenstrahlung in das Universum. Sie schlucken einfach alles, sowohl kalte, erloschene als auch strahlende Himmelskörper (Sonnen) – nicht einmal Licht kann ihnen entkommen. Nun ist aber Licht nicht gleich Licht. Das Lichtspektrum das das menschliche Auge sehen kann, ist ja nur ein Bruchteil des gesamten Lichtphänomens. Das was Schwarze Löcher emittieren ist genau genommen auch Licht, nur eben ist es für das menschliche Auge nicht sichtbar. Diese Beobachtung finde ich philosophisch interessant, da es eine gewisse Gesetzmäßigkeit beschreibt, die sich auf geistige Ebenen übertragen lässt. Bei meinen Überlegungen dazu fand ich dann die Parallele zur Toleranz interessant. Konkret: Kann Toleranz grenzelos sein oder muss sie Grenzen haben? Ausgehend von neutestamentlichen Gedanken glaube ich, an eine Grenzenlosigkeit der Toleranz und habe diesen Gedanken im Text mitschwingen lassen.
LG Elmar