ALS JOSEPH VON EICHENDORFF SICH EINMAL MIT EINEM ESEL UNTERHIELT

von Volker C. Jacoby
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Ging einst fürbass mit Fräulein Resel,
da stand im Gras vor mir ein Esel.
Ein herrlich Tierlein, grau und schlau,
allein und ohne Eselfrau.

Mit milder Miene auf ihn ein
sprach ich: "O liebes Eselein,
was stehst du so, mein Herz bewegend,
in Landschaft, Wiese, Feld und Gegend?"

Ich kraulte ihm, so nota bene,
am Hals die dichte Eselmähne,
da sprach das Tier: „Weg vom Gehälse!
Bin Esellein nicht, ich bin Else!“

Vor Schreck die Hand zurück ich rückte,
was auch die Relse nicht entzückte
(die Resel meine ich natürlich):
„Ach, Else, war ich ungebührlich?“

Das Eselfräulein revidierte:
„Nicht, dass ich mich, mein Herr, genierte,
doch finde ich’s zu sagen wichtig,
mein Uli ist recht eifersüchtig!

Er hat Komplexe, denn ein Pferd
hat ihn vor kurzer Zeit belehrt:
die Mutter sein sei Pferdestute,
und Uli Muli nur, der Gute...“

Ein Maultier kam, hub an zu maulen:
"Duuu solls nich meine Else kraulen!
Miiir Grautier grault's vor Müllers Deppen:
siiie krault man, ich darf Säcke schleppen.“

Ich fragte: "Wollt ihr mit uns kommen,
bei uns dem faulen Lenz zu frommen?"
Da wieherten vor Freude beide.
Zu viert verließen wir die Heide.

vcj

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Kommentare

07. Jun 2015

So faul der Lenz doch gar nicht war?
(Die "Deutschstunde", na gut, na ja...)

LG Axel

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