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EIN PAAR TAGE FREI

Bild von ffolcus
Bibliothek

oder: Das Büro ist nicht alles

Herr Klein und Herr Melander, diese beiden,
sie schafften wochenlang schon durch beim Architekt;
zwar konnten sie Herrn Kampe recht gut leiden,
doch langsam war die Luft raus beim Projekt.

„Ich bräucht‘ mal Urlaub, wenigstens so zwei, drei Tage,“
sprach Herr Melander morgens zum Kollegen Klein,
ob ich den Chef mal später freundlich danach frage?
Das sollte zwischendurch doch möglich sein!“

Herr Klein dazu nur meinte leicht verdrossen:
„Du weißt, er hat gesagt, das geht noch nicht,
solang‘ der Auftrag hier nicht abgeschlossen,
sei durchzuackern erste Bürgerpflicht.“

Da überlegte kurz der findige Melander
und „Heureka!“ wie Aristoteles er rief,
„Kollegen halten immer zueinander,
ich denk, ich weiß was, und ich hoff‘, es geht nicht schief!“

Es stieg Melander polternd auf den Schreibtisch,
und beugte seinen Kopf ganz tief nach vorn
und gab ein Bild ab – wirklich unbeschreiblich! –
und rumpelte dabei noch extra ganz enorm.

Der Chef, Herr Kampe, kam, weil er das hörte,
vom Nebenraum herüber zugeeilt,
um nachzusehen, was da lautstark störte,
und sah, wo der Melander gerade weilt‘.

„Du lieber Himmel, was soll DAS bedeuten?
Melander, sind sie ehrlich noch bei Trost?
Ach, bitte, helfen Sie mir, dieses da zu deuten,
ich bin auch nicht verstimmt und nicht erbost.“

Melander sprach: „Verzeihen Sie, Herr Kampe,
ein wenig düster war schon immer dieser Raum;
bin im Büro hier ab sofort die neue Lampe
und strahle hell für die Kollegen - welch ein Traum!“

„Ach, wie Strapazen hier doch schädlich wirken können!“
das meinte Kampe milde, „Dass dies wieder klappt,
da sollten Sie ‘ne Woche frei sich gönnen,
und dann geht’s weiter wieder - frisch, so wie gehabt!“

Melander ließ sich dies nicht zweimal sagen,
er stieg vom Schreibtisch, zog den Mantel an und ging.
Und auch Herr Klein begann, was Neues nun zu wagen,
war schnell zum Schrank geeilt, dort, wo sein Mantel hing.

Der Chef erstaunt rief: „Aber was, Klein, soll nun dieses??“
Als der in Richtung Tür zu gehen wagt‘,
„Melander soll in Urlaub gehen, hieß es,
zu Ihnen habe ich doch nichts gesagt!“

Doch Klein, der gab zurück ganz ohne Bangen:
„Pardon, ich glaub‘, Sie nehm‘ mich nicht für voll -
Sie könn‘ doch ernsthaft nicht von mir verlangen,
dass ich im Dunkeln jetzt bei Ihnen schaffen soll ... !“

vc