Der Minusmannmarkt

von Frank Tegenthoff
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Der Nimbus unserer so fortschreitenden und deshalb auch schnelllebigen Zeit schlägt mannigfaltige Kerben ins Rückgrat der Tiefgebeugten und Verscheuchten.Es spricht maßlos radikal- eine völkische Entfremdung.So elitär und nichtgönnerhaft in den Äther der Medien.Ob jetzt Scharlanterie oder einfach nur illusionär daneben -nicht totzukriegen ist dieses verbissene,in sich verkrampfte Nationalgewissen. Die Mauer von Berlin fiel zwar,aber der Terror als ein Akt der Befreiung schachert in einem bösen politischen Machtspiel.Ein Aberwitz an vermeintlicher Stärke und gewaltsamen Fatalismus. Das heizt den Kalten Krieg wieder auf.Von altgedienten Schultern fällt womöglich eine Genugtuung.Der Friede wurde schließlich subventioniert und damit unter Preis verkauft.Der Minusmannmarkt schröpft vom Bürgerlichen und vom Mund williger Potentaten,die es sich dann vom kleinen Mann versteuern lassen. Es steckt bereits tief im Wendehals fest. Ein faux ami also - der mit Worthülsen jongliert.Und die wachsene Unzufriedenheit wird in die andere Ecke gekehrt.Was da an Reformdüften aus dem Osten kam,eher durch den Maschendraht zu uns schlüpfte, enttarnte sich ganz ungeniert. Man schreit geradezu nach einem starken Mann. Aber kein noch so großer Gönner der Menschheit könnte an sich die Armut von der Gosse kehren. Dieser müsste sonst vielzuviel versprechen.Das kann er garnicht. Zu opportun ist das Mundwerk. Bisher wurden nur die Reichen reicher. Und Europa zur Festung umdekoriert. Ein restauriertes Gulag oder doch viel weniger als das? Es könnte auch mehr vom Gulasch sein.

Als Politsatire hatte ich Mitte der Neunziger diesen Text geschrieben. Die Wiedervereinigung war noch nicht ganz Geschichte. Und 9/11 noch ganz weit weg.

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