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MAIBEGINNGEDICHT

Bild von ffolcus
Bibliothek

Es gibt seit geziemlichen Zeiten
zum End’ des Aprils hin die Sitte,
dass Scharen von jüngeren Bürgern
sich selber zu Hexen ernennen
um drauf in der Mainacht, der ersten,
dem Schabernack Urständ zu bieten,
denselben auch windigst zu treiben
zum argen Verdrusse Betroffner.

Die uns wohlbekannten Papiere
von weißlich bis gräulicher Färbung,
gezielt gezeuget von Baumholz
zum Zweck zelluloser Zerwalzung,
gereiht und gewickelt als Blätter
in unnumeriertem Gefolge,
ursprünglich gewidmet der Nutzung
sanitärbezogner Hygiene,
um nämlich die saubere Form
zurückzuschenken dem Körper
durch Reibung der runden Region
vertikal verlängerten Rückens,
der uns allerwertesten Wölbung,
gekrönt durch die Wendung des Wassers.

Entfremdend dem Zweck ihres Daseins,
entroll’n die papierenen Rollen
unhold-haderlumpige Hexen
in namenlos-nächtlicher Neigung
verunzieren zahlreiche Zäune,
die Brüstungen brauner Balkone,
Garagen und Gärten und Gassen
und Gehwege, Gitter, Geländer
und Mauern und Melder des Feuers
in freilich recht vielfachen Formen.

Wer will sie erschätzen, ermessen,
die maßlos vergeudeten Meter
allseits abgerollter Gereihung
papierener nachtbleicher Blätter!

Da „Hexen“ sich jene ja nennen,
die wahrlich hier wahllos gewütet,
in umweltentwürdgender Weise,
verwende man möglichst den Maßstab,
den „Meter der Hexen“ man nenne,
den hier auch in diesem Gedichte
in Anlehnung dessen man ahne,
was schon unsere uralten Griechen
in sechsfach gefüßeten Jamben
uns wohlgefügt hinterließen:

„HEXámeter“ nannte man damals,
was nun uns verbindet zum Jetzt!

vcj

Interne Verweise

Kommentare

06. Jun 2015

Dass Hexen schänden Klopapier!
(Macht so was ehr nicht ein Magier?)

LG Axel