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Wie die australische Hauptstadt ins Buschland kam

Bild von Willi Grigor
Bibliothek

Es war ein Gefecht zweier Städte -
wer siegt wird reich über Nacht.
Die eine ist hübsch, eine nette,
die andere ernst und bedacht.

Der Kampf war ein Fight von Bedeutung:
Das Land gibt der Sieg'rin die Macht
und damit, welch schöne Begleitung,
als Hauptstadt mehr schillernde Pracht.

Auch Städte sind Menschen - sie streiten,
weil jede die bessere ist.
Die Missgunst, der Neid sie begleiten,
beraten von Tücke und List.

Dem Land wollte dies nicht gefallen
und meinte: "Jetzt ist es genug!"
Im Nachhinein, alles in allem:
Die Lösung am Ende war klug.

Den Kampf zwischen Melbourne und Sydney
gewann ein Stück "Nichts", tief im Land.
Man gab ihm den Namen Canberra -
die Hauptstadt im Buschland entstand.

Nach langen, unendlichen Jahren
stand fertig das Busch-Parlament.
Am Anfang die Einwohner waren
nicht mehr als von Dörfern man kennt.

Auch Melbourne und Sydney sind Sieger:
Die beiden sich teilen die Pracht.
Das schlichte Canberra ist klüger,
trägt würdig die Bürde der Macht.

Siehe auch:
literatpro.de/gedicht/210317/canberra-hauptstadt-im-buschland
literatpro.de/prosa/211116/au-2010-03-canberra-hauptstadt-im-buschland
***
- Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Canberra noch immer eine ländlich geprägte Gegend.
- Melbourne war damals die mit Abstand größte Stadt und beanspruchte den Status als Hauptstadt.
- Queensland bevorzugten hingegen Sydney, das älter ist als Melbourne und damals die einzige weitere Großstadt Australiens war.
- Die Rivalität zwischen Melbourne und Sydney war so groß, dass keine Stadt es akzeptiert hätte, wenn die andere zur Hauptstadt erklärt worden wäre.
- Kompromiss: Melbourne sollte temporärer Regierungssitz sein, bis irgendwo zwischen den beiden Großstädten eine neue Hauptstadt gebaut war.
- Die australischen Verfassung legte fest, dass die Hauptstadt nördlich des Murray River im Bundesstaat New South Wales liegen musste, jedoch mindestens 100 Meilen von Sydney entfernt.
- 1908, nach langwierigen Verhandlungen entschied sich das Parlament schließlich für die Gegend um Canberra.
- Bei der Volkszählung 1911 wurden in dem 2358 km² großen Gebiet 1714 Menschen, 8400 Rinder und 225.000 Schafe ermittelt.
- 1912 erklärte die Wettbewerbskommission den US-amerikanischen Architekten Walter Burley Griffin zum Sieger.
- 1913 rammte man den ersten Vermessungspfosten in den Boden, um damit den Baubeginn zu markieren. Zahlreiche Stadtnamen waren vorgeschlagen worden. Nach vielen vorgeschlagenen Stadtnamen taufte man die zu bauende Stadt auf den bereits etablierten Namen Canberra.
- Der Baufortschritt war weitaus langsamer als erwartet. 1920 legte der Planungsdirektor seine Arbeit am Canberra-Projekt nieder. Die Bauarbeiter lebten in mehreren Zeltlagern und in einigen Hütten aus Ziegelsteinen. Es gab ja noch keine "Stadt Canberra", sie bauten sie.
- 1914 wurde die Eisenbahnstrecke zwischen Queanbeyan und Canberra eröffnet und diente zunächst nur dem Güterverkehr.
- Erst 1924 wurde der Personenverkehr aufgenommen.
- Während der 1920er Jahre entstanden die wichtigsten Regierungsgebäude, darunter The Lodge, die Residenz des Premierministers und das Parlamentsgebäude. Die ersten Landparzellen für Wohn- und Geschäftszwecke wurden am 12. Dezember 1924 in einer öffentlichen Auktion versteigert.
- 1925 fuhr erstmals ein öffentlicher Bus.
- 1927 erhielt Canberra das erste Kino sowie eine eigene Polizei. Ebenfalls 1927 wurde das Stadtzentrum offiziell gegründet.
- Das wichtigste Ereignis des Jahres 1927 war jedoch am 9. Mai die Eröffnung des „provisorischen“ Parlamentsgebäudes (heute Old Parliament House). Von diesem Tag an war Canberra die Hauptstadt Australiens. Die Abgeordneten und die hierhin versetzten Staatsangestellten waren nicht sonderlich begeistert, da sie den Komfort in Melbourne aufgeben und in ein ihrer Meinung nach abgelegenes, kaltes und staubiges Städtchen umziehen mussten. Hinzu kam noch das unbeliebte Alkoholverbot. Zu den ersten Gesetzen, die im neuen Parlament beraten wurden, gehörte denn auch die Aufhebung dieses Verbots; eine Maßnahme, die 1928 in Kraft trat.
- Die Weltwirtschaftskrise brachte das Wachstum Canberras zu einem jähen Stillstand.Gleichwohl ging die Entwicklung der Stadt weiter, wenn auch eher qualitativ als quantitativ.
- 1931 nahm die erste Radiostation ihren Sendebetrieb auf.
- 1936 begannen die Bauarbeiten am Australian War Memorial, der Gedenkstätte für im Krieg gefallene Australier, die schließlich am 11. November 1941 offiziell eröffnet wurde.
- 1936 begann der Zuzug diplomatischer Vertretungen nach Canberra.
- Bis zum Zweiten Weltkrieg blieb Canberra ein bescheidenes Städtchen, das eher ländlich als urban geprägt war. Nur das Parlamentsgebäude und die im Bau befindliche Gedenkstätte deuteten darauf hin, dass es sich hier eigentlich um die Hauptstadt Australiens handelte.
- Mit dem Eintritt Australiens in den Zweiten Weltkrieg wuchs das Bedürfnis nach einem Flughafen. 1940 wurde auf einer Ebene zwischen Canberra und Queanbeyan eine Luftwaffenbasis der Royal Australian Air Force eröffnet.
- Der Canberra International Airport wurde neben der Luftwaffenbasis errichtet und 1962 eröffnet. Er bedient aber nur inneraustralische Flüge.
- Um die nun rasant ansteigende Bevölkerung aufnehmen zu können, war der Bau neuer Stadtbezirke erforderlich. Den Anfang machte 1964 Woden Valley; es folgten Belconnen (ab 1967), Weston Creek (ab 1969) und Tuggeranong (ab 1973). In den 1960er und 1970er Jahren vervierfachte sich die Bevölkerung.
- Im Rahmen der Zweihundertjahrfeier Australiens im Jahr 1988 konnte nach einer zehnjährigen Planungs- und Bauphase das Parliament House, das neue Parlamentsgebäude, eröffnet werden. Es ersetzte das 61 Jahre alte „provisorische“ Old Parliament House.
Wikipedia (?)

Interne Verweise