Wintergedanken

von Alf Glocker
Mitglied

Oh ja, der Winter steht bevor,
es ist der Winter meines Lebens.
Die Teuf‘lein singen schon im Chor:
dein Los erscheint und heißt „vergebens“.

Aus allen Ecken strömt es hell,
das Licht der Sterne ist mir treu,
es war mein steter Frischequell,
doch nun beginnt wohl alles neu.

Denn so verworren wie es wirkt,
dies Sein in einem Sumpfgewand,
so sehr ist es getan, es birgt
Ergebnisse, doch nicht Verstand.

Ich war vernarrt und ganz besessen,
genasführt und verdammt geleimt
und meinen Fehlern aufgesessen,
was sich auf Erden halt nicht „reimt“.

Wo es nichts ausmacht zu verlieren,
ja, dumm zu sein, doch nicht wie ich,
will ich mich nun zum Abschluss führen
und ich bekenne unter’m Strich:

nichts in mir konnte je vermeiden,
daß meine Zukunft anders kam.
Nun darf ich mich nochmal entscheiden
und ich entscheide mich ganz zahm…

dafür, daß sich die Balken biegen,
sich meine Sicht im Rausch entschließt
nicht mehr auf alle Zeit zu siegen
(was über alle Ziele schießt)…

Vielmehr, daß hier die Wege enden,
die mich erschufen so zu sein,
um Kräfte sinnlos aufzuwenden –
nun bin ich hilflos und allein.

Das macht nichts, denn der Winter bringt
die Lösung mir auf alle Fragen
und ich hör stumm was zu mir dringt –
der weiße Schnee hilft mir beim Tragen.

Er deckt und er beschützt das Feld,
das nunmehr meine Erde bleibt
und ich nehm‘ Abschied von der Welt,
die mich, wie’s ihr gefällt, beschreibt.

(c) Alf Glocker

Achtung: dies ist kein Abschiedsgedicht - ich verabschiede mich nur von der Fremdbestimmtheit

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