Der ewig stehende Moment

Bild von Kerim Mallée
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Schneeweiße Finger,
leicht blau werdend an kälteren Tagen.
Kleine Hände,
aber groß genug um glückliche
Momente hineinzulegen.
Fingerkuppen,
die mit einer Eleganz Zigaretten halten,
dass ich mir wünsche,
genau so dort zu liegen.
Und sei es nur für diese fünf Minuten,
um dann als Asche
dem Wind zu folgen
und mich in Zeitlosigkeit aufzulösen.

Ihr Hals schimmert,
wie der weiße Marmor alter Paläste.
In ihrer Stimme findet sich
die kühle Erhabenheit,
riesiger Kathedralen
und zugleich die milde Wärme,
flackernder Kaminglut.
Zwischen den kurzen Moment
ihres bebenden Lids,
passt die ganze Fülle eines Ziffernblattes.
Wimpernschläge wie das Leben,
einzelne Engelstränen im All,
in denen die Unendlichkeit,
schweigend sich selbst erblickt.

Gäb's auch sonnigere Tage,
sie kümmerten mich nicht.
Es gäbe keine Sehnsucht,
die sich meiner so bemächtigte,
wie die dunkle Mitte ihrer Augen
und der Klang ihrer Finger,
die auf Klaviertasten fallen,
wie Regentropfen.
Wie Regentropfen,
prasselnd auf nächtliche Dachfenster.

Ich will nicht von dem Leid sprechen,
dass es mir bereitet,
wenn du nicht da bist.
Denn eigentlich,
ist es auch in diesen Momenten,
merkwürdig warm von dir.
Es ist nicht wie ein Entbehren,
mehr ein Geschenk.
Die Sekunden,
die das Leben nagend von mir schürft,
sind nicht spürbar.
Die Zeit erzittert vor der Schönheit
deiner Stimme
und wagt es nicht,
einen einzigen Schritt zu tun.
Wenn ich über dich schreibe,
dann komme ich immer wieder
an diesen Punkt.
Den ewig stehenden Moment.
Doch nur,
weil ich das Gefühl habe,
dass ich das,
was ich am meisten fürchte,
die Zeit,
aus meinen Albträumen verbannen
kann,
wenn ich deine Stimme höre.
Ein Gefühl,
wie schmelzende Zeiger,
das sich aber auch mit einer Milliarde
Worte,
nie in seiner vollen Schönheit
beschreiben lässt.
Wie beschreibt man ein Licht,
das in der Zeitlosigkeit
eines schwarzen Loches leuchten
könnte?
Wie beschreibt man eine Stimme,
aus unendlich vielen,
winzigen Flüsterlauten,
die sich zu einer Armee vereinigen,
vor der selbst die größten Schrecken
in meinem Kopf, erzittern?
Die mein Herz
in einer Euphorie zum Schlagen bringt,
als wolle es den eisernen Panzer,
den stählernen Käfig
meines Brustkorbes durchbrechen,
süchtig nach der Freiheit,
die es erblickt hat.
Wie soll man dich beschreiben?
Du bist der Geruch
vor einem Sommerregen,
die ersten Sonnenstrahlen,
die nach einem langen, dunklen Tag,
durch einen Himmel voller Wolken
brechen.
Wie soll ich sagen,
dass ich vor jeglicher Musik gehemmt bin,
weil deine Stimme noch so schön in
mir klingt und kein Laut,
sich als würdig erweist,
sie abzulösen.
Es ist nicht wie ein Entbehren,
mehr ein Geschenk,
die unglaubliche schöne Gewissheit,
dass deine Füße,
den Boden dieses Planeten berührt haben.

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