Überqualifiziert

von Kerim Mallée
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Ich war in heller Aufregung. Seit ein paar Nächten war etwas anders, wich ab vom Üblichen, denn ich war im Traum an fremden Plätzen und irgendwie war ich dort auch nicht.
Ich erträumte mir immer jemand anderen, einen Fremden, in dessen Gestalt ich durch meine ohnmächtigen Nachtgedanken wanderte.
Meine Träume ließen sich nicht mehr einfangen.
Es schien, als hätten sie mein schwarzmagisches Handwerk mittlerweile bemerkt und würden sich nun dagegen wehren, 
auf so demütigende Weise, seziert und zur Schau gestellt zu werden.
Das was jetzt von ihnen übrig blieb, war wie eine Haut, die sich schält und von der ein paar Fetzen dann an einem kleben.
Traumfetzen, die in der heißen Luft meiner Zigaretten verbrannten und äschern auf die Stadt aus Urnen regneten, die ich grob skizziert hatte um diese Traumgerippe, dort vorübergehend zu verfrachten.
Nun schreibe ich Metaphern, in Blankverse formuliert, gereimt auf Farben und Gerüche, die ich nie gesehen oder gerochen habe.
Ich schreibe sie auf die Blätter eines College-Blocks aus recyceltem Papier. 
100 Seiten, Format: A4, mit unzähligen kleinen, fiesen Karos, die einen diabolisch angrinsen.
Die Überreste vieler kleiner Universen (ehe sie lebten, starben sie schon), befinden sich noch immer in den Urnen, zumindest bis jetzt, da ich ihren Inhalt nun auf die Seiten streue.
So lässt sich verhindern, dass die Tinte der sorgsam geformten Sätze verläuft.
Das ist besser als nichts.

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