Cathy

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,,Hey Cathy! Komm in die Hufe! Ma will los!“

Genervt drehe ich mich meinem älterem Bruder, zu. ,,Ich bin schon dabei Mikelein!“

,,Sehr lustig, aber das gerade war mein ernst. Wenn du nicht in zwei Minuten unten bist dann fahren wir ohne dich.“

Genervt verdrehe ich die Augen. Als würden die zwei jemals ohne mich losfahren. Ich mein es war ja nicht so, das ich mitkommen wollte, doch wenn man seine “geliebte“ Tante besuchen sollte, dann hieß es stets: Pünktlichkeit ist das höchste Gebot.
Ein letztes Mal ließ ich meinen Blick zum Spiegel gleiten. Die silbernen langen Ohrringe glitzern untern meinem kurzen braunen Bob hindurch. Ich mochte meinen Körper nicht wirklich. Ich war nicht groß, hatte keine unendlich lange Beine, oder wundervolle Augen. Ich war einfach, naja, ich.

Das Einzige mit dem ich mich zumindest ein bisschen anfreunden konnte, war meine Augenfarbe. Wenn man von weitem auf meine Augen schaute, dann waren sie blau. Doch wenn ich mich so weit nach vorne beugte, dass meine Nase fast den Spiegel berührte, dann glänzten sie in einem tiefen Dunkelgrün.
Langsam ließ ich meine Finger über das neue Kleid das ich von Ma geschenkt bekommen hatte gleiten. Der braune Stoff floss wie Wasser durch meine Hände. Der dunkle Gürtel am Rippenbogen, war aus echtem Leder. Der helle Cremefarbene Stoff darüber, war der perfekte Kontrast. Filigrane braune Blumen rankten sich bis zum Kragen. Wie viel meine Mutter dafür gespart hatte, wollte ich gar nicht erst wissen.

,,Cathy ich mein es ernst!!“ dröhnt die Stimme meiner genervten Mutter von unten. Mit einem tiefen Seufzer drehe ich mich von meinem Spiegelbild weg, und hetze die Treppe hinunter. ,,Also, wenn du dir noch einmal Tante Luisas Kommentare zu Pünktlichkeit anhören willst, dann kannst du dir gerne Zeit lassen, andernfalls…“

,,Hab ja schon verstanden. Kommt nicht wieder vor.“ Meine Mutter schien sich zu fassen. Sie nickte, wobei ihre blonden Haare wie wild hin und her schwebten. Sie war der Ausdruck von Schönheit. Obwohl sie mittlerweile schon 45 war, sah sie fantastisch aus. Sie war groß, schlank und hatte hellblaue Augen, die nahezu jeden in ihren Bann zogen. Leichte Lachfalten umspielten ihre Lider. Ihre vollen Lippen umspielte ein leichtes Lächeln. ,,Du siehst toll aus in dem Kleid.“ Wie zur Bestätigung drehte ich mich einmal im Kreis, wobei der leichte Stoff meine Beine umspielte.

,,Müssen wir wirklich gehen" , fragte Mike, der vorsichtig hinter dem Rücken meiner Mutter hervorlugte.

Anstatt einer Antwort ließ meine Mutter ihren Kopf sinken und deutete uns zur Tür. ,,Ihr wisst, dass eure Tante sich freut, wenn ihr sie besuchen kommt."

,,Die freut sich aber auch, wenn sie eine alte Nuss unter ihrem Sofa findet." , murmelte Mike.

Wenn wir zu diesem Zeitpunkt nur schon gewusst hätten was uns erwarten würde...

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