Eine Beleidigung an den Moment

von Kilian Kush
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Mit leicht glasigen Augen und einer Alkoholfahne, die die Tatsache, dass ich gerade zwei, drei Gläser Wein zu viel getrunken hatte,
rücksichtslos und ohne zu zögern jedem der auch nur in meine Nähe kam, nicht nur verriet, sondern regelrecht unter die Nase rieb,
stand ich nun vor einer Gruppe Menschen, die ich früher einmal als meine Freunde bezeichnet hätte.

Allerdings wäre es ein Verrat an der Wahrheit, nicht am Anfang der Geschichte zu beginnen.

Ich hatte den ganzen Tag in der Sonne gesessen und außer der Schachtel Kippen, welche ich mir nach und nach zu Gemüte geführt hatte,
lagen noch drei leere Bierflaschen und das Bikini Oberteil irgendeines freien Vogels auf dem Boden. Sie war ein wunderschönes junges Mädchen,
mit sehr ansehnlichen, gerade jetzt im Sommer, wundervoll in Szene gesetzten Brüsten, welche so manchen Blick, der eigentlich ihr anmutiges, gerade zu pittoreskes Gesicht
zu ersuchen glaubte, abfing und es damit schaffte die Lust und Begierde der meisten jungen Männer zu wecken.

Plötzlich kam dann der Anruf einer hinreißenden jungen Dame, mit Augen in denen man nicht nur die vermeintliche Unschuld der liebsamen Seele, welche sich dahinter versteckt,
sondern auch die sich oftmals in den Vordergrund stellenden Triebe dieser mit soviel Erstaunen zu betrachtenden atemberaubend detailreich geschaffenen Kreatur, entdecken kann.
Sie wollte sich mit mir in einer halben Stunde am schon von weiten erkennbaren Strommast am Feld bei mir um die Ecke treffen, um dort ein wenig zu reden und vielleicht ein bisschen
Wein zu trinken. Selbstverständlich konnte ich dieses verlockende Angebot um keinen Preis abschlagen, also bereitete ich mich auf das hoffentlich erbauliche Treffen vor.
Ich packte meine erst vor kurzem erworbene eigentlich recht einfache Analog-Kamera ein um eventuell ein dem Moment gerecht werdendes Bild aufzunehmen, zog mein Lieblings-T-Shirt,
welches ich gerade aus der Wäsche geholt hatte an und sprühte meinen schweißgebadeten, durch die Sommer-Sonne wenigstens ein bisschen braun gebrannten Körper mit Deo ein und setzte mir
meine Sonnenbrille auf.

Wir hörten das MTV-Unplugged Album von Nirvana und ich betrachtete die gerade untergehende Sonne. Ein leichter Wind wehte um uns herum und die letzten Sonnenstrahlen des Tages schenkten
unseren vom Abendrot umtanzten Körpern noch ein wenig Wärme. Ich dachte an die Endlichkeit des Seins und blickte voller Erwartung zu ihr rüber, doch leider musste ich feststellen, dass
sich ihr Interesse an dem derzeitigen Moment und seiner Vielfältigkeit, doch eher in Grenzen gehalten haben muss, denn ihre Aufmerksamkeit galt ihrem Smartphone. Sie durchstöberte die neuen Meldung
auf ihrer Instagramm Seite und beantwortete oberflächliche Whats-App Nachrichten und geringschätzte damit unser Beisammensein und alles was sich in diesem Moment um uns herum abspielte.

Ich habe die Geschichte vor einiger Zeit geschrieben und leider nie vollendet.

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