Serviceleistung

von Susanna Ka
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Jedes Mal, wenn ich ein neues e-book kaufe, und dem Onlinehändler Zugang zu meinem Lesegerät gewähre, scheint er eine Hand durch das WLAN zu strecken, um erst einmal gründlich aufzuräumen. „Aktualisieren“ heißt das im kundenfreundlichen Jargon. Nun weiß ich selbst, dass Ordnung Auffassungssache ist. Und ich weiß auch, dass meine Ordnung Anderen eher wie das blanke Chaos vorkommt. Aber gibt das dem Onlineanbieter das Recht, sich in meine Privatsphäre zu schleusen, und mir seinen Begriff von Ordnung aufzudrängen? Das ist nicht kundenfreundlich, denn danach brauche ich Stunden, um mein eigenes System wiederherzustellen.
Ich fange mit der Leseliste an. Titel, die ich ganz nach hinten geschoben hatte, stehen nun plötzlich vorn. Vielleicht, weil ich sie schon lange habe, aber ich will sie im Moment wirklich nicht lesen. Der neue Titel steht ganz hinten. Klar, lies erstmal das, was du schon hast. Meine Ordner hat die unsichtbare Hand auch durcheinandergebracht. Die Bücher mit den Kurzgeschichten, für die ich einen eigenen Ordner angelegt hatte, finde ich unter ‚Belletristik‘ wieder. Die Fantasyromane auch. Kreatives Schreiben, Garten- und Kochbücher, haben ihren jeweils eigenen Ordner verloren und sind nun unter dem Begriff ‚Sachbücher‘ zusammengefasst. Hier sind auch die Katzengeschichten untergebracht. ‚Klassik‘ durfte bleiben. Der Begriff Klassik ist bekanntlich genauso Auffassungssache, wie der Begriff Ordnung und so sind ‚Jane Eyre‘ und ‚Stolz und Vorurteil‘ im großen Sammelbecken der Belletristik verschwunden. Alle anderen Einzel- und Unterordner wurden gelöscht, aus „speicherplatztechnischen Gründen“.

„Eine Serviceleistung unseres Hauses.“

Wenn mein Modeanbieter bei jeder Bestellung eine Dame mitschickte, die Ordnung in meinen Kleiderschrank brächte, wäre das – nein, vielleicht doch nicht das Gleiche. Ich stelle mir vor, wie sie, graziös wie Heidi Klum, dem Karton entsteigt. Sie wickelt die neuen Kleidungsstücke aus dem Seidenpapier, hängt sie auf Bügel und ordnet sie in den Kleiderschrank ein. Sachen, die ich nicht mehr trage, sortiert sie aus und nimmt sie mit zurück.

DAS wäre Service.

Interne Verweise

Kommentare

02. Jun 2018

Tolle Geschichte, liebe Susanna, im wahrsten Sinne des Wortes. So wird es kommen, so ist es schon, so fühlt sich die fortschreitende Digitalisierung an, als Eingriff in unsere Privatsphäre - was haben wir dem noch entgegen zu setzen?
Vielen Dank und- analog gedachte Grüße, Monika

03. Jun 2018

Die Bücher wieder analog einkaufen, liebe Monika. Das heißt in jeder Ecke Bücherstapel, Abgabetermin für die Bücherei nicht versäumen, schleppen, Staub, Eselsohren, Kirschsaftflecken.... e-books haben schon etwas für sich. Und mit den digitalen "Übergriffen" und unseren Daten bezahlen wir die Bequemlichkeit.

Liebe Grüße,
Susanna

02. Jun 2018

Jeder hat sein eignenes System -
Veränderung schafft ein Problem ...
(Entsteigt Krause einer Kiste (mitsamt Besen) -
Dann ist dies sicher 'ne Wein-Kiste gewesen ...)

LG Axel

03. Jun 2018

Kauf' Frau Krause mal ein schönes Kleid
(vielleicht ist sie zu mehr bereit)

Liebe Grüße,
Susanna

03. Jun 2018

Der Krause kaum ein Kleid gefällt -
Auch brauchte die ein Zirkuszelt ...

LG Axel

03. Jun 2018

Ein guter Tatsachenbericht auch wenn ich nur begrenzt mitreden kann und mir das „Übel“ mehr durch meine Familie bekannt ist. Ich habe mit Online nicht viel am Hut, bestelle nur, wenn es preislich zu große Unterschiede zum Geschäft gibt. Ansonsten „bummle“ ich lieber vor Ort. Auch, nutze ich keinerlei Dienste tummle mich hier auf LP rum, studiere die „Zeitungen“ und nutze gerne meine E-Mail-Kontakte.
Mir ist die digitale Welt zu komplex, suspekt und unheimlich, darum halte ich mich sehr bedeckt.

Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
Soléa

03. Jun 2018

Liebe Solea, die sozialen Netzwerke nutze ich auch nicht. Noch nicht einmal facebook. Und doch bin ich im Moment ziemlich auf das Internet angewiesen. Da ich durch die Chemo wenig Kraft habe, bestelle ich sehr viel. Auch Lebensmittel und Medikamente. Sogar unsere Putzfee habe im Netz gefunden. Bisher ging alles glatt, auch mit der Bezahlung. Naja, bis auf die ordnende Hand des Onlinebuchhändlers.

Liebe Grüße,
Susanna

03. Jun 2018

Liebe Susanna, ich danke Dir für Deine Erklärung, die ich so und jetzt verstehen kann. Es macht mich sehr betroffen, das Du, aus, wie ich lesen kann, traurigem Grund das Internet vielseitig nutzt. Das tut mir sehr leid, glaub mir! Ich bin froh, dass Du so ein gutes Händchen beim Ordern hast, auch als Kunde kann man einen (seriösen) Anbieter, durchleuchten und PayPal bietet nochmals zusätzlichen Schutz. Man muss halt aufpassen.

Ich wünsche Dir, liebe Susanna, das Du schnell und nicht so strapaziös durch diese Zeit kommst und die Krankheit hinter Dir lassen kannst. …!

Sei ganz herzlich gegrüßt
Soléa

PS: Warum Heide Klum? Wäre Guido Maria Kretschmer
nicht noch kompetenter und auch netter …?

04. Jun 2018

Danke für die guten Wünsche. Du hast Recht, liebe Solea, mit Guido Maria würde ich auch anschleißend noch einen Kaffee trinken.

Herzliche Grüße, Susanna