Als die Götter noch vierbeinige Ameisen waren – 6. Ein Fund in der Zukunft

von Alf Glocker
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200 Jahre später eröffnete sich ein bisher unbekanntes Tor in die Zeit! Ein Photonen-Blitz-Test machte den Weg frei. Das Team um 5JLL-DDS machte nicht nur eine bahnbrechende Entdeckung, es fand auch gleichzeitig mit dem Team um 77-OLKTG aus der Stadt 4BVVS-A2 einen Weg, sich die neue Entdeckung nutzbar zu machen!

Bei besagtem Photonenblitz konnten, erstmals seit 500 Jahren, einzelne Teilchen aus dem virtuellen Teilchenmeer genau registriert und sowohl Flugbahnen als auch Ladung gemessen werden. Die Ladung betrug minus 9 G (Gravitationseinheit) und ihre Flugbahnen wiesen direkt in eine Welt, deren Bilder sich unscharf abzuzeichnen begannen. Sofort, beim nächsten Versuch, wurden den Teilchen künstliche Abtastorgane hinterhergeschossen, die sich automatisch von Plus-Energie (Gravitation) auf Minus-Energie (Antigravitation) und wieder zurückschalten konnten – und die Geräte kamen zurück!

Die mitgebrachten Informationen erschütterten die Welt der Wissenschaft der ehemaligen vierbeinigen Ameisen, die auf dem besten Wege waren, Götter zu werden: Man hatte einen Zugang in die Zukunft gefunden! Es musste sich (der gesamte Raum oberhalb der nach oben gerichteten Zeitpfeilspitze) um einen reinen Energiebereich aus freien Teilchen handeln, die 1. offenbar noch nach einer Ordnung suchten und die 2. den Weg in jede denkbare Vergangenheit überall im Universum öffneten.

Damit schien es auf einmal möglich, die verstorbenen Vorfahren nicht nur zu sehen, sondern sie tatsächlich ansprechen zu können. Daneben – man staunte nicht schlecht – würde man auch die „Geister“ der Toten „einladen“ können, die direkt neben den jeweiligen Personen, in einer Art Überraum herschwebten – wovon die Lebenden, solange sie sich im Ablauf der Epochen befanden, allerdings keine Ahnung hatten. Aber das war anscheinend noch längst nicht alles! Für die, sich zu universellen Machern aufschwingenden Götter, lag ein unglaubliches Betätigungsfeld zum Einsatz bereit …

denn auch die Möglichkeiten zur Einflussnahme auf lebendige Erscheinungsformen stellten sich nahezu unbegrenzt dar. Der Magnetismus konnte zum neuen Werkzeug werden: Gravitation und Bewegungen innerhalb der Gravitationsfelder erwiesen sich, für von außen eindringende Betrachter, als frei manipulierbar – ihre technischen Möglichkeiten vervielfachten sich ins Unendliche: Raumzeitkontinuen stellten sich wie Schuhschachteln mit Spielinhalt dar … aber auch die Verantwortung wuchs ins Unermessliche! Was für ein Auftrag ergab sich daraus?

Die Nachricht der Entdeckung lief wie ein kalter Schauer durch die Städte der Götter. Die überintelligenten Superwesen rückten, wie Millionen Jahre zuvor, zusammen, um sich darüber klar zu werden, was es bedeutete, vielleicht den Weg zum tiefsten Urgrund des Seins gefunden zu haben, oder ihn jetzt entdecken zu MÜSSEN. Zu müssen, denn der Vorgang hatte sicherlich einen Grund: Sie waren (von wem?) ausersehen worden, so viel zu begreifen, daß sie versuchen konnten, etwas zu erschaffen, das dem launenhaften und doch so unsäglich freien Kosmos am nächsten kam.

Irgendwo würde der verkörperte Geist aller Zeiten auf seine materielle Darstellung warten und es war ihre Aufgabe, die Aufgabe der Götter, ihn aufzufinden und zu formen. Aber eine Frage blieb: War er in der Vergangenheit der vierbeinigen Ameisen zu finden, oder gab es davon abweichende Spuren, die in eine ganz andere Richtung wiesen – eine, die das Universum aus eigener Kraft nicht ausfindig machen konnte? Wurden zusätzliche Götter gebraucht, damit sich eine ganz neue Empfindungswelt entfalten konnte? VR-00-00-69, ein bereits hinlänglich bekannter Vordenker, der an der Spitze einer Arbeitspyramide in der Stadt D4X11-222 wirkte, schlug den bemannten Einsatz seines bereits vorkonstruierten „Anzapfgerätes“ vor, mit dessen Hilfe der Übersprung durch die galaktischen Energiedimensionen, welche sich nach dem Überraum (Bereich zwischen dem Erreichen der Lichtgeschwindigkeit und dem virtuellen Teilchenmeer) auftaten, gelingen sollte.

Der sofortige Aufbau einer Basis, jenseits des eigenen, unveränderbaren Raum-Zeitkontinuum sollte dann unmittelbar folgen … und das Tor zum „Jenseits der gelebten Realität“ sollte dauerhaft offenbleiben. „Wir können nun eine Realität nach unseren Wünschen erschaffen“, meinte VR-00-00-69, „und in ihr werden wir bestimmen, was aus uns werden soll!“ Andere Vordenker mischten sich umgehend ein, um berechtigte Fragen zu stellen. „Du willst ein Nebenuniversum im Universum kreieren, ohne das alte Universum zu gefährden oder zu zerstören?“, meinte VR-DD8C-56.

„Das, so schlage ich vor, sollte unser Ziel sein“, erwiderte VR-00-00-69, „doch dafür müssen wir zuerst ein Sonnensystem, vorzugsweise in einer anderen Galaxis erschaffen … falls etwas schiefgeht. Für uns selbst können wir ja noch immer nicht bestimmen, was uns widerfährt – wohl aber werden wir es, bei einer völlig neuartigen Intelligenz können, falls es uns gelingt, sie aus dem Sternstaub zu erschaffen." Der Beifall, den er erhielt, zog sich durch alle Städte der Götterwelt, wo inzwischen Wesen von gewaltigem Intellekt lebten, die bis zu 500 000 Jahre alt wurden und sich quasi als „unsterblich“ betrachten konnten.

Ihnen würde es gelingen, über das Teilchenmeer, in einen Neu-Realen-Raum zu gelangen und dort genau jene Milliarden Jahre abzufahren (hin und her), die ein Raum-Zeit-Biotop zu seiner Entwicklung brauchte … und sie würden an jeder beliebigen Stelle Einfluss darauf nehmen können. Dafür wurde jedoch zuerst einmal der Einsatz von Hyperkräften notwendig werden. Es galt, Stoff für ein ganzes Sonnensystem zusammenzusammeln. Intergalaktische Nebel sollten das Material hierzu liefern.

Ein riesiger Attraktor wurde konstruiert. Er zog Staub, Meteoriten und Eis zusammen und transportierte ihn an den Rand einer, aus Billionen Sternen bestehenden Galaxis. Dort begann er zu rotieren, sich zu verdichten. Die Raumschiffe der Götter beschossen ihn immer wieder mit enormen Materieblitzen, die den Vorgang beschleunigen sollten. Doch nachdem sie ja in der glücklichen Lage waren, aus mehreren Zeitzonen heraus zu feuern, gestaltete sich der Vorgang absehbar. Schließlich entstand ein Fixstern und 9 Planeten.

Der 3. Planet, der sich herauszubilden und zu formen begann, sah vielversprechend aus, aber VR-BIO-696, ein Vordenker aus der Stadt XY-JJJ-KLMNOP, hatte noch eine zusätzliche Idee. „Lasst ihn mit einem überflüssigen Kleinplaneten kollidieren – wir wollen ihn von einem Mond begleiten lassen! Das wird unsere spätere Aufgabe, Phantasien hervorzurufen, erleichtern." Alle Teams zeigten sich begeistert – und so kam es bald zu einem scheinkatastrophalen Zusammenstoß zweier junger Himmelskörper, von denen sich einer in viele kleine Teilchen und einen großen Mond auflöste und einer zu einer, um die eigene Achse rotierenden, Erde wurde. Das war der „erste Schöpfungstag“.

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Kommentare

02. Aug 2020

Also, der Staub scheint hier gelandet zu sein -
Jetzt drischt die Krause auf mich ein ...

LG Axel

02. Aug 2020

Hochspannend geschrieben, lieber Alf!
Das gibt ein Gedränge mit all den Verstorbenen und ihren Geistern, ich bin dann mal weg...

Winke, winke
Monika