Meine Reise in den Orient oder Nie wieder Frankfurt

von Alf Glocker
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Frankfurter Würstchen gibt es in Wien! In Frankfurt heißen sie Wiener Würstchen, aber es handelt sich beide Male um Würstchen – jedenfalls sieht es ganz danach aus. Aber die Skyline von Frankfurt ist gewissermaßen imposant. Deshalb beschloss ich sie mir einmal aus der Nähe anzusehen. Meine Anreise verlief komplikationslos, aber bereits als ich mich Frankfurt näherte, beschlich mich ein eigenartiger Zustand: Ich fühlte mich wie im Opiumrausch.

Die Skyline kam näher und auf einmal hatte ich den Eindruck, Deutschland verlassen zu haben. Gleichzeitig stellten sich Halluzinationen ein … und rund um den Bahnhof, in dessen Umfeld sich mein Hotel befinden sollte, verlor ich offenbar das Bewusstsein. Alles drehte sich vor meinen Augen. Überall sah ich Kamele! Es mussten tausende gewesen sein. Frankfurter Würstchen waren jedoch keine in Sicht – ich folgte benommen dem Navi.

„Halten Sie sich links“, befahl es und ich setzte folgsam den Blinker. Im Rückspiegel war nichts zu sehen, also versuchte ich, die linke Spur zu erreichen. Doch da war plötzlich ein Schatten! Ein GT-Kamel war urplötzlich neben mir. Die Aktion, mich links einzuordnen kam eine zehntel Sekunde zu spät: Ich reagierte zwar sofort, aber ein kleiner Schaden war nicht mehr zu vermeiden. Das pfeilschnelle Kamel erlitt eine Schramme auf der rechten Seite und mein Kotflügel war augenblicklich eingedellt. Ich bremste und das Kamel hielt ebenfalls an.

Eine dunkle Gestalt glitt aus seinem Sattel herab und sagte freundlich zu mir: DuWeIßtwAsdUgeRadeGeTanHaSt! Die Stimme hörte sich selbstsicher und sehr bestimmt an. Ich sagte Traumwandlerisch: „Ja?“ Aber ich wusste nicht ganz genau, was geschehen war. Das Rennkamel musste genau in dem Augenblick beschleunigt haben, als ich den Blinker setzte. „Ich bin dafür, wir lassen die Polizei kommen“, schlug ich vor. „Ich rufe an", sagte die selbstsichere Stimme.

Dann war der Mann mitsamt seiner selbstsicheren Stimme verschwunden. Ich blickte mich um. Hinter uns hielt ein Taxifahrer aus dem osmanischen, oder sonst einem manischen Großreich. Er nickte, als der GT-Kamelreiter mit ihm sprach. Der Taxler war soeben zu einem Zeugen geworden, verstand ich. Dann: Szenenwechsel! Am Straßenrand standen zwei riesige Security-Leute aus Zentralasien oder Afghanistan. Sie machten einen furchterregenden Eindruck.

Was nun kam, registrierte ich zunächst als eine Art Bellen und Krachen, denn die Stimmen der Leute, die sich jetzt, durch den Verkehrslärm hinweg, zu unterhalten begannen, waren enorm laut und enorm männlich. „Bell-Peng“ rief die eine, „Wau-bell-bell“ antwortete die andere … „bellwaupengpengkrach!“ und „wauwaupengbell“ … Zuerst verstand ich gar nichts, doch dann erinnerte ich mich daran, daß ich ja auch Gedanken lesen kann.

Hier die Übersetzung: „Hast du Schwierigkeiten, Bruder?“, fragten die Hilfspolizisten den Kamelreiter und der gab zu verstehen: „Nein, das Würstchen hier ist völlig harmlos, ich habe alles im Griff!“ Ich fragte mich, warum er mich „Würstchen“ genannt hatte, obwohl ich doch gar kein Frankfurter bin, doch als ich meine Spiegelung in der Scheibe der Fahrertüre sah wusste ich warum: Ich sehe vollkommen harmlos, eher schon ein wenig zurückgeblieben aus ….

zumindest was meine Erscheinung als selbstsicheres Manns-Bild angeht. Hier verlor ich kurzzeitig die Kontrolle über meine Sinne … Im Hintergrund näherte sich Dschingis Khan mit seinen mongolischen Horden. Die Weiber unter ihnen schnatterten wie verrückt, die Männer walkten schwerfällig im Schlendergang. Unter den unzähligen Orientalen waren keine Frauen zu sehen. Offenbar hüteten sie alle das Haus und die Kinderscharen.

Nach einer halben Stunde kam endlich die Polizei. Der Kamelreiter und ich schilderten den Vorfall, unter den wachsamen Augen der Security-Leute am Straßenrand, wo jetzt gerade ein Bantu-Stamm vorübertanzte. Die Polizisten waren echte Frankfurter Würstchen, obwohl hier gar nicht Wien, sondern Mekka war. Sie meinten: „Macht das lieber unter euch aus, sonst müssen wir eine Strafe für den Schuldigen verhängen!“

Ich begriff natürlich umgehend, wer hier der Schuldige war – der mit ohne Zeugen – und fügte mich in die absurde Situation, wo niemand Genaueres wissen wollte, aber jeder instinktiv spürte, wohin der Wüstenhase lief. „OK!“ ließ ich automatisch verlauten, dann tauschen wir die Adressen aus und ich benachrichtige meine Versicherung. Fürsorglich erkundigte sich der GT-Kamelreiter noch nach meinem Befinden, dann war der Alptraum zu Ende.

Ich suchte mein Hotel in der Innenstadt und fand es auch bald, zwischen all dem Müll auf den Straßen. Bald konnte ich einchecken: Das Haus lag mitten in Kalkutta! Mein Fenster ging auf die lärmende Straße hinaus, wo sich die heiligen Kühe der Neuzeit tummelten. Vergeblich versuchte ich unter all den Leuten ein paar Frankfurter Würstchen zu entdecken, aber das gelang mir nicht. Wenn einer wenigstens ein bisschen danach aussah, dann handelte es sich um einen Junkie.

Endlich erkannte ich resignierend, daß ich vermutlich selbst einer war … wenn auch unabsichtlich. Ich musste von irgendwo her eine Droge abbekommen haben. Hatte mir wer heute Morgen etwas in den Tee gemischt?? Wo ich nun wirklich gestrandet war, konnte ich ganz sicher nicht mit Bestimmtheit sagen. In Europa aber zweifellos nicht. Deshalb verfügte ich, zu meiner eigenen Sicherheit, für alle Zukunft: Nie wieder Frankfurt!!

Diese Erzählung hat einen wahren Hintergrund!

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Kommentare

07. Okt 2019

Mit ihr würd ich durch die Wüste fahren`-
darüber bin ich mir im Klaren...

LG Alf

08. Okt 2019

Klingt im ersten Moment lustig. Aber auch Stimmungen können bedrohen, so unterschwellige. Das habe ich selbst erlebt, als ein Unfallgegner (wie oben beschrieben) bei mir zuhause anrief und mit sirupsüßer Stimme von seinem Bruder erzählte, der Polizist sei und seinem Cousin, dem Richter, und seinem Papa gehört eine ganze Restaurantkette, natürlich alles in Deutschland ,,,
Das war damals Auslöser bei mir, mich genau aus diesem Grund (mit Herzschlag um die 200) nun ganz besonders und extra mit der Polizei in Verbindung zu setzen und über das von mir als Bedrohung empfundene Telefonat an einem unschuldigen Sonntagmorgen zu berichten. Die Polizisten konnten das sehr gut nachvollziehen und haben sich extra Mühe gegeben, die Spuren an meinem Wagen noch einmal zu vermessen.
Trotz seiner verbalen Einschüchterung ist der Unfallgegner als Unfallverursacher festgestellt worden und ich habe damals meinen Schaden ersetzt bekommen.
Aber mulmig war mir noch eine ganze Zeit danach ...