Schatten werden Licht

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Großer Jubel, Blitzlicht
langsam geht sie winkend
ein Kusswurf nach links und rechts
die Schatten fallen, ihre Maske auch
der funkelnde Glanz
die weißen Zähne
die roten Lippen
die schwarzen Augen
mit einem Schlag verblast, was sie schützt
der rote Stoff wirkt tief

keine Worte können sie retten
sie prallen ab, finden keinen Grip
ein makelloser Anschein und doch so porös
ein stiller Schrei nach Liebe
doch Ohren müssen hören wollen

Sie geht durch die Straßen
die Dunkelheit hüllt ihr Gesicht in Verborgenheit
keiner sollen Sehen

Mit jedem Schritt näher
an das, was andere schätzen
ein Klicken, der Riegel sitzt
vier Wände, kein Entkommen
was draußen ist darf nicht rein

ein geschlossener Raum
kalter Wind und voll tosender Nässe
Energie auf Knopfdruck
doch die Batterie bleibt leer

Sie setzt sich und schreit
ein Lied, dass sie nicht kennt
verzweifelt an den Großen
der der für sie sorgt
der dem sie traut
der den sie bei sich will
sie wartet geduldig
die bettelt fast schon
doch will nicht sehen können

Fühlen tut sie schon lange nicht mehr
die Macht der Gewohnheit erdrückt alles Leben
alte Narben, Wunden nie geheilt
vergraben under Schichten
eine dicker und härter

kaum ein Beil hat Vorkommen
sie hacken auf sie ein
zu versuchen es zu durchbrechen
doch der, der die Kraft hat
den lässt sie nicht versuchen

sie zeigt allen wie sehr sie bereut
Lieben zum Schein
eine Schicht Hochglanzlack auf Kaputtem
Bloß keine Markel nach Außen
es könnte ja jemand nachhaken

doch Seine Worte sind scharf
sie wollen bis ins Mark und beben
Sie kann es nicht
Es schüttelt sie doch wach wird sie nicht

Er gibt aber nicht auf
täglich zeigt Er ihr ein Stück
ein Teil von ihr selbst
und die Schuppen fallen von ihren Augen

sie spürt Seine Liebe
sie nimmt sie an
doch für Schmerz ist ihre Liebe nicht bereit
Er wartet mit seinem rechtschaffenen Schwert

Wie Glassplitter lässt es sie nicht heilen
Er will sie entfernen
doch sie liebt sie mit ihrem Hass
ein Teil von ihr seit langem
sie krallen sich an sie
schneiden immer tiefer
bis der letzte Tropfen rennt

sie weiß, dass Er sie retten kann
genauso, wie Er sie verletzt
Sie will nicht mehr bluten
doch sieht sie nicht was schon fließt

der Schmerz sitzt tief
doch Er schneidet tiefer
Sie berührt die Spitze
scharf wie ein Skalpell
mächtiger und einfacher als je

Er verspricht keine Bitterkeit
Er spricht von Frieden
Sie ist einverstanden
Sie spürt den Dorn

Sie schreit
Sie bereut
doch geduldig wartet ihr Herz
bis Er dort ist um es aufzubrechen

Schicht für Schicht
ein Schrei nach Liebe
Endich erhört

und als Er es endlich hat
da durchspület sie Wärme
Er hat den Weg gefunden
woran sie nicht glauben konnte

Er kümmert sich ununterbrochen
mit liebender Stränge rettet Er
Einer so groß wie klein
Einer so stark wie schwach

die Winde verstummen
das Tosen singt
Schatten werden Licht
und wie sie nun strahlt, das sieht jeder

Sie geht durch die Straßen
glücklich
Hand in Hand mit Ihm

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