Miss Mutig und der unbändige Freiheitsdrang

von Alf Glocker
Mitglied

Eine emanzipierte Frau hat ihre Prinzipien! Ganz wichtig dabei ist, was frau in ihrem Leben vorfindet und ob es sie behindert oder anbetet. Sobald ein Mann im Spiel ist – ob Kretin oder der liebe Gott – muss das einsetzen … und die Vorgaben werden ausschließlich von der missmutigsten Miss bestimmt, die mann sich überhaupt vorstellen kann. Es ist, wie es ist, aber so wie es ist, ist es entweder nicht richtig oder sogar ganz und gar falsch, außer es behindert frau nicht. Alles Ungehorsame muss sofort verschwinden!

Was den Garten betrifft, bedeutet es: Eine verblühte Blume muss sofort ausgerissen werden. In der Küche heißt es: Was benützt wurde, kommt augenblicklich in die Spülmaschine. Es darf keine Wartezeit vergehen, in der irgendwer Bedeutungsloses noch schnell etwas Bedeutungsloses erledigen möchte, denn die Ordnung geht grundsätzlich vor! Nur sie hat Bedeutung, ebenso wie alle rein praktischen Tätigkeiten, die entweder mit Haushalt oder mit Anbetung zu tun haben. Alles andere ist purer Mumpitz!

So muss, bereits während des Frühstücks, sämtlicher Abfall sofort beseitigt werden. Orangenschalen, leergelöffelte Eier, Wursthäute – alles kommt (aber dalli) in den Müll, sonst verschlechtert sich die Stimmung und es ziehen, schon über dem Frühstückstisch, dunkle Gewitterwolken auf. Schließlich soll der Tag gut werden … und wie sollte er das, wenn er in aller Frühe mit Schlampereien beginnt?! Das darf man niemandem durchgehen lassen – davon wird die (Frauen-)Welt sterbenskrank!

Im Bad geht es dann sofort munter weiter. Die unter dem Spiegelschrank angebrachten Halterungen für die Zahnputzgläser dürfen nicht von der Wand abstehen! Dadurch fühlt sich jede ordnungsliebende Miss belästigt. Denn eine Miss braucht Platz und sie verdrängt alles auf ein Minimum an Präsenz, was eventuell nach einem unanständigen Eingriff auf ihre freien Entfaltungsrechte aussehen könnte. Die Gläser müssen folglich so eng an die Fliesenwand gedrückt sein, daß man sie fast nicht mehr aus den Halterungen kriegt.

Desgleichen haben sich Nagelbürsten, Seifen-Schalen, oder -Spender zu verhalten. Sie stehen so weit von einem infrage kommenden Benutzer weg, daß der sich weit über das Waschbecken beugen muss, um überhaupt noch etwas zu erreichen. Die Benützung des Wasserhahns ist dann eine andere, wieder sehr eigene Wissenschaft. Niemand, und ich betone (in Vertretung von Miss Mutig) NIEMAND darf sich anmaßen, während einer Nassrasur, das Wasser ständig laufen zu lassen! Das stellt man ab und das stellt man wieder an, wenn man es zum Klinge ausspülen BRAUCHT … nicht einfach so zum Spaß!

Sollte es jemand gewagt haben, das Laptop zu benützen und vielleicht noch, zwecks Datensicherung, eine externe Festplatte oder einen Stick angeschlossen gehabt zu haben, dann hat er schleunigst dafür zu sorgen, daß, nach seinem (kurzen) Gebrauch des Gerätes, alles wieder so aussieht, als wäre es noch niemals benützt worden. Der PC muss ordnungsgemäß, ganz hinten, auf dem Arbeitstisch stehen, die Maus muss darauf abgelegt sein, die Festplatte(n) müssen unsichtbar verstaut werden und alles sollte nach der „Arbeit“ natürlich gleich frisch abgestaubt werden.

Dies geschehe im Interesse starker Frauen, die nicht bedrängt oder irgendwie gefesselt sein dürfen von Fremdbestimmungen. Dafür müssen präventiv andere Sachen gefesselt werden, damit deutlich zum Ausdruck komme, daß sie nichts Böses anrichten können. Einkaufstüten müssen geschickt verschnürt sein. Nichts soll schließlich herausfallen. Und die Mülltüten ebenfalls – ein zwei- bis dreifacher Knoten hindert dann das Raubtier „Müll“ am Ausbruch aus seinem Verlies, welches gemacht ist für die Ewigkeit. Gedacht ist das zum heiligen Schutz edler Ladys und Missen, denen nichts Schlimmes widerfahren darf!

Kraftlose Männer haben von solchen Dingen allerdings kaum eine Ahnung! Sie leben nur vor sich hin, sie sind rücksichtslos und gefühlsarm. Sie planen nichts – und sie handeln, in jeder nur denkbaren Lebenssituation, triebhaft und zügellos. Sie plätschern lüstern mit dem Wasser herum, sie lassen ausgeblühte Pflanzen einfach im Garten stehen, damit sie nächstes Jahr wiederkommen … und alles nur, weil sie ganz einfach zu faul sind, jedes Frühjahr alles neu anzupflanzen. Sie reden dann aber frech davon, etwas bewahren zu wollen.

Was für ein Schwachsinn?! Wenn ein „Mann“, wie Sohwass von Schlapp, davon spricht „etwas bewahren“ zu wollen, weil er vielleicht alte Bäume, alte Sträucher und immer wiederkehrende Blumenstauden zu lieben vorschützt, dann ist das höchstens ein Mangel an Verehrung der Weiblichkeit, denn kluge und selbstbewusste Wesen, wie Miss Mutig, lieben das permanent neu aufkeimende Leben, das imstande ist, Altes (wie z. B. den Grafen Stein) frühlingshaft zu verdrängen. Der Stein hingegen würde jedoch höchstwahrscheinlich lieber zum Islam übertreten – um einmal so richtig regieren zu dürfen – als sich auf die wahren Werte des Daseins zu besinnen, die da heißen: Ordnung, Sauberkeit und Disziplin! Echt widerlich! Alles spricht also gegen ihn. Denn er ist unfähig, im Klartext: Unwillig!

„Aber dafür bin ich ja da!“, sagte sich Miss Mutig. „Ich werde den lausigen Laden hier schon auf Vordermann bringen, und wenn ich Sohwass persönlich die lächerlichen Flausen austreiben muss. Ich werde ihn lehren, wie die Wirklichkeit funktioniert! Mit zarten Gedichten und verspielten Gemälden hat sie jedenfalls nichts zu tun. Das ist etwas für Weicheier und nichts für wahre Männer, die eine richtige Frau noch gebührend zu schätzen wissen. Das begreift der zwar nie, doch ich habe vor, ihm, an jedem seiner schlampigen Tage, vor Augen führen, was passiert, wenn man zu schwach ist, seine Geliebte angemessen zu befriedigen."

Veröffentlicht / Quelle: 
auf anderen webs.

Buchempfehlung:

[numberofpages] Seiten / Taschenbuch
EUR 11,79
[numberofpages] Seiten / Taschenbuch
EUR 14,80
Rechtshinweis:
Für diesen Beitrag ist eine unkommerzielle Nutzung erlaubt, alle Rechte verbleiben jedoch beim Autor/bei der Autorin.

Interne Verweise

Kommentare

10. Mai 2020

Ein Freiheitsdrang, der darin liegt,
Dass man des andern Freiheit biegt ...

LG Axel

10. Mai 2020

Die Domestizierung des Mannes
birgt die Gefahr, dass zarte Zeilen
wie Steine zum Fenster hinausfliegen
- zwischen Pathos & Flieder...

Mit fühlenden Gruß,
Monika