Die Ekelforschung

Bild von Alf Glocker
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Der schwierigste aller Forschungszweige ist vermutlich die Ekelforschung! Das kommt nicht nur daher, daß sie verboten ist, das kommt auch davon, daß wir Angst vor ihr haben! Natürlich haben wir völlig zurecht Angst davor, denn sie zeigt ja unbarmherzig Parallelen auf – und zwar zwischen uns, also dir und mir, und dem Rest der Welt. Und damit sind jetzt nicht irgendwelche ungewaschenen Wilden mit schwarzen Fingernägeln und blutunterlaufenen Augen gemeint, sondern auch, nein, im Besonderen, Spinnen, Schlangen, Esel, Maulwürfe, Motten, Wanzen und anderes Getier.

Wir möchten mit derlei Gelichter nicht unbedingt etwas zu tun haben, müssen uns jedoch damit abfinden, daß sie einen nicht unwesentlichen Teil der Welt darstellen. Zugegeben, wir geben uns alle Mühe, alles, außer uns auszurotten, obwohl das nun auch wieder nicht stimmt, denn mit „uns“ sind ja nur einige vergleichsweise Wenige gemeint, während die anderen von „uns“ zwar nicht zu denen gehören, die bewusst ausrotten, sondern einfach weiter selber expandieren. Ihnen ist das Vorhandensein von nicht menschenähnlichem Ungeziefer nicht nur egal, sie stört auch dessen zufällige Ausrottung nicht.

Das bedeutet: Wer nach den Gesetzen der Natur lebt, der darf sich nicht ekeln, oder er ekelt sich sowieso nicht! Er ist einfach da, ebenso wie Spinnen, Schlangen, Esel, Affen, Maulwürfe, Motten, Wanzen und anderes Getier. Und er betrachtet sich, nicht nur aus diesem Grund, auch nicht selber kritisch. Dazu hat er keine Zeit, da er ja, wie bereits erwähnt, damit beschäftigt ist, selber zu expandieren, wie eben Spinnen, Schlangen, Esel, Maulwürfe, Motten und Wanzen. Das hat Vorrang. Der Rest ergibt sich von selbst, wie die eigene Ausbreitung, denn Menschen, oder so, sind auf alle Fälle stärker als Spinnen, Schlangen, usw., Ekel hin oder her – soweit überhaupt vorhanden.

Paragraph 1 aller Moralgesetze besagt demnach – Achtung, wir lernen! - : Niemand darf sich vor jemandem ekeln, der sich weder vor Spinnen, noch vor Schlangen, noch vor sich selbst, oder vor Eseln ekelt! Wer sich nicht daran hält, wird mit Wanzen in der Wohnung, mit ungewaschenen Wilden mit schwarzen Fingernägeln und mit Spinnen bestraft, das er zugeben muss, wenn er seine Meinung zu äußern wagt! Denn nur wer spinnt, sich nicht vor dem Spinnen ekelt, sondern sich wie ein Esel überall durchschlängelt, der wird zum Maulwurf geadelt und mit dem Affenorden dekoriert! Ihm wird außerdem verboten, sich selbst oder menschenähnliches Ungeziefer so zu betrachten, daß er Angst bekommt.

Nun mag sich mancher fragen was ein „menschenähnliches Ungeziefer“ sein könnte. Die Antwort darauf ist: „Nichts!“ Das ist eine völlig freie Erfindung eines Spinners, der nicht einmal davor zurückschreckt, sich vor sich selbst zu ekeln, wenn er sich unter dem Mikroskop kritisch betrachtet und absurde Ähnlichkeiten mit Eigenschaften von anderen Tieren entdeckt. Das jedoch würde bedeuten, daß er sich nicht mehr aktiv an der Erstellung einer intakten Daseinskultur beteiligen kann, weil er als befangen eingestuft werden muss. Ein wertfreies Urteil ist deshalb dem nicht zuzutrauen, der sich für berufen hält, absolut ehrlich zu sein. Nun verstehe ich auch endlich, warum sich manche (ganz viele) Menschen einfach nur gehen lassen ... sie wollen keinen Widerspruch dulden. Das ist verzeihlich (?).

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Kommentare

12. Nov 2016

Karriere als Maulwurf wär' doch fein!
(Kurzsichtigkeit erspart viel Pein ...)

LG Axel

12. Nov 2016

vielen Dank lieber Axel!

LG Alf