Das lange Warten auf den Messias/Propheten

Bild von Alf Glocker
Mitglied

Wir wissen nicht, wie uns geschieht, wir ahnen nicht, was uns geschieht, wir wollen nicht wahrhaben, wer wir sind! Und: Wir können uns nicht selber helfen ... deshalb warten wir auf den Messias und/oder folgen einem Propheten.

Derer gibt es viele und jeder von ihnen – tot oder lebendig – hat die Weisheit gepachtet. Das kann uns aber nur recht sein, denn wir verstecken uns gerne unter jedweden Fittichen! Irgendwer wird uns die Welt schon erklären können. Wir können das jedenfalls nicht!

Wir ängstigen uns unter dem Sternenhimmel und haben Angst, daß er uns auf den Kopf fällt. Wir dienen mächtigen Herrn, weil wir uns vor ihnen ebenfalls fürchten, und wollen deshalb wissen, ob wir da richtig handeln. Und wir erfahren gerne, daß dem so ist.

Dann fragen wir uns (erst gar nicht mehr) woher wir kommen und wohin wir gehen. Das ist müßig, denn es bringt nichts ein. Wenn wir solche Gedanken verfolgen, dann überholt uns die Zeit – sprich: ihre Entwicklungen. Wir sind längst Eltern geworden, bevor wir wissen, woher jemand kommt.

Das sehen wir ja dann, sagen wir uns und gehen arbeiten, denn nichts sonst bleibt uns übrig. Von selbst erfahren wir dann auch, wohin wir einmal gehen werden, wenn wir uns endlich gründlich überarbeitet und dafür gesorgt haben, daß es der Nachwuchs genauso macht.

Dafür brauchen wir Trost! Alleine nicht fähig, uns den zu spenden, gehen wir auf den Jahrmarkt der Eitelkeiten, wohin die Götter ihre Kinder geschickt oder ihre Abgesandten verdonnert haben, um uns zu belehren – uns, die wir ohne Lehren sind.

Dann geht es uns gut? Nein, dann geht es uns schlecht! Dann zwängen wir uns in derartig strenge Vorgaben, so strenge daß einige wenige von uns schon wieder anfangen, auf einen anderen Messias/Propheten zu warten, dessen Lehren vielleicht ein bisschen humaner ausfallen.

Wir übrigen aber werden, also das Gros von uns, ausfällig. Der Bequemlichkeit halber, und weil das seltsamerweise sogar weniger weh tut als das Denken, verfallen wir in perverse Praktiken. Wir beginnen wild um uns zu schlagen, köpfen und vergewaltigen, weil der Messias das so will?

Ach, du lieber Gott! Bewahre mir wenigstens einen gesunden Atheismus, damit ich nicht auf jemanden warten muss, der mir die Denk-Arbeit abnimmt, und lass mich bitte ganz allein drauf kommen, was gut für mich ist und was schlecht. War das jetzt auch schon wieder ein Gebet?

Klar – das einzig zulässige wie ich finde. Die andern können ja einem Messias nachrennen, einen Propheten haben, oder raffiniert darüber diskutieren, wann er denn nun kommt – je später desto besser ... ich aber stelle mich vorsichtshalber mal janz dumm und vor allem: mir selbst!

Veröffentlicht / Quelle: 
auf anderen webseiten
Rechtshinweis:
Für diesen Beitrag ist eine unkommerzielle Nutzung erlaubt, alle Rechte verbleiben jedoch beim Autor/bei der Autorin.

Interne Verweise

Kommentare