Standpunkt

von Monika Jarju
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In ein Gespräch vertieft mit einem chinesischen Dichter, dessen Lyrikband wir zweisprachig in einem Schuber herausgeben, vergesse ich die Zeit und verspäte mich. Die Mitarbeiter erwarten mich bereits ungeduldig. Entschuldigend schaue ich in die Runde – und dann auf die Badewanne mitten im Raum. Wie gern hätte ich jetzt ein Bad genommen! Doch daraus wird nichts. Ein Grafiker redet unablässig in einer Art Geleier vor sich hin. Die Stimmung ändert sich, alle wirken enttäuscht, irgendwie. Dann, etwa nach einer Stunde seit Beginn seiner Klage über die Abhängigkeit von der Arbeit, unterbreche ich ihn. Meine Situation unterscheidet sich wesentlich von seiner. Ich stehe kurz vor dem Lebensende, denke ich erleichtert.

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Kommentare

17. Okt 2019

Hab auch 'ne Wanne mitten im Zimmer hier -
In die füllt Krause grade Bier ...

LG Axel

17. Okt 2019

Der letzte Satz, liebe Monika, wirkt wunderbar nach, bei allem Elend. Und insgesamt gesehen, sehr schöne Zeilen.

Liebe Grüße
Soléa

17. Okt 2019

In der Wanne, mit einem gefüllten Glas aus der Kanne.
Sehr gerne gelesen.
HG Olaf

18. Okt 2019

Ich stehe zwar noch nicht kurz davor - hoffentlich -
aber auch mir ist der Rest meines Lebens zu schade für jegliche Klage.
Ich sehe mich in voller Montur in die Wanne steigen,
laut seufzen und die Welt Welt sein lassen.
Welch ein erhabenes Gefühl!
Vielen Dank!
LG Britta

19. Okt 2019

Herzlichen Dank an Axel, Soléa, Britta und Olaf!

Viele schöne Herbstgrüße, Monika