Schwupps

Bild von Alf Glocker
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Ein, ein Akter für Trottellummen

Die Bühne ist dunkel, der Zuschauerraum hell erleuchtet. Laute Trampelgeräusche sind zu hören, so als befänden sich eine Million Elefanten auf der Bühne.

Dann wird es ruhig. Trommeln erklingen, geordneter Marschtritt wird hörbar und ein Befehlshaber gibt Anweisungen in einer exotisch klingenden Phantasiesprache.

Dann betritt ein nackter Mann die Bretter und ein Spotlight geht an. Der Zuschauerraum ist immer noch hell. Der Mann scheint verwundet zu sein …

„Ich bin ein Weiser, ich bin zutiefst verletzt, aber ich beschreibe euch noch einmal den Ist-Zustand." Er fängt an, vorzulesen …

„Zum Tempel des Wahnsinns führen viele Stufen! Er steht, wie alle Tempel, in Fantasia-Land – und das liegt immer geradeaus, Richtung Lebensplan, vorbei an der Gleichgültigkeit, direkt auf der Un-/Logik-Autobahn, nach Süden, wo sich‘s aushalten lässt. Wenn wir nach einer beliebigen Seite ausweichen, kommen wir in Entenhausen an, aber nicht in der Welt(literatur)stadt des Donald Duck, sondern im Zentrum der Falschmeldungen, der Irreführungen, der Zeitungen, einer Instanz, die nicht daran interessiert sein kann, uns bei völliger, geistiger Gesundheit zu wissen, da wir sonst, aller Wahrscheinlichkeit nach, einiges verweigern würden."

Das Licht im Zuschauerraum geht aus!

Der Weise fährt fort: „Wer jedoch nicht glauben will, der muss fühlen, was sich diese Instanz ausgedacht hat, um uns für einen Vorgang zu bestrafen, der – sofern er nicht eingleisig durchgeführt wird – einer bestimmten Gesellschaftsschicht Nutzen bringt. Gemeint ist hier aber das freie Denken, eine Beschäftigung, die schnellen Fortschritt brächte, würde sie jemals anerkannt, oder wenigstens toleriert werden."

Gemurmel in den vorderen Rängen hebt an …

Der Weise spricht: „Leute, die es wagen, sich diesem Laster hinzugeben, geraten irgendwann einmal bis an die Stufen des Wahnsinns. Wenn man kontinuierlich feststellen muss, daß es unlogisch zu sein scheint, im Leben logisch vorzugehen, ist das nur für Auserwählte (das ist die Mehrheit) nicht verwunderlich. Und weil diese Erkenntnis die Erkenntnis an sich ad absurdum führt, ebenso wie sie auch die Umsetzung aller gut durchdachten Überlegungen ins Reich der Phantasie verschiebt, schwankt der aufrechte Geist, strauchelt und produziert, vor dem Fall, hysterische Gesichte. Dazu gehört auch eine bisher noch nicht erforschte Form der Persönlichkeitsspaltung, die am häufigsten zwischen Wachen und Träumen auftritt, von wo aus sie sich ihren Weg in eine zwielichtige Realität bahnt, der kein (vernünftiger) Mensch mehr Glauben schenken kann. Die daraus resultierende Frage/Antwort lautet: Das kann doch alles gar nicht wahr sein?!

Aus dem dunklen Bereich der Bühne taucht eine Peitsche auf. Der Verletzte wird getroffen und stöhnt laut auf …

Aber er fährt fort: „Wie man einen solchen Zustand der Verwirrung, in tiefster Dummheit, oder auch in höchster Weisheit erreichen kann, beschreibt die folgende Geschichte, die eigentlich mehr ein Einakter und ein Beispiel für das ‚Bizzarre Theater‘ der Gegenwart ist, als eine Erzählung. Sie beginnt damit, daß einer sich selbst traf und mit sich ins Gespräch kam ..."

Ein Clown betritt die Bühne!
Aplaus ertönt!

Clown1: „Sagen Sie, Servus, sehen Sie Sinn?“

Clown2: „Nimmermehr Schwarz- oder Weisheit ich bin!“

Clown1: „Und was ist dann das da hinten?“

Clown2: „Das ist ein Fanal, ein Fatal, ein Kanal! Doch wohin, woher kommt das Gedöns?“

Clown2: „Ferkelhaft scheint es zu sein."

Clown1: „Fein! Für wessen Habe wir haftbar werden, ist offen – gleich dem Etwas aus nichts, das ohne Grund vorkommt."

Clown1: „Ach so? Verständnisvoll, wie Sie sind, Herr Servus, nehme ich Ihnen das vielleicht ab – aber dann bekommen wir ihn nie wieder."

Clown2: „Den Verstand? – hab ich schon verloren? Was kommt mir zu Ohren? Vernehme ich da Luzifer/Teufel = Zweifel, oder, wann steck ich dann endlich im Detail? Weiblich, versteht sich!“

Clown1: „Der Schelm nimmt den Helm und den/das Schild. Das ist wild und es klingt nicht nach Diener. Eher nach Molch. Haben Sie denn Lust?“

Clown2: „Oh, gewiss – wenn ich darf."

Clown1: „Das werden wir sehen. Die Welt wird sich (ver)drehen, Ihnen den Kopf, ergreifen Sie das beim Schopf!“

Clown2: „Es kann doch keine Sünde sein, sich zu benehmen, wie jemand, der jemanden braucht, um jemand zu sein – oder?“

Clown1: „Hauptsache gesund! Was wollen wir sonst? Von der Hand in den Mund? Das ist mir zu bunt."

Clown2: „Aber leider nicht zu ändern. In wechselnden Gewändern wechseln wir die Stufe nicht!“

Clown1: „Vorsicht Stufe! (Dies ist der Tempel des Wahnsinns.) Beachten Sie die nächsthöhere! Reden Sie nicht dazwischen, wenn man um Ihre Klamotten schachert. Da ist kein Mitmischen!“

Clown2: „Was ist denn geplant? Hab ich mich verrannt? Ich habe Angst davor, einfach nur benutzt zu werden!“

Clown1: „Sie raffiniertes Weib, Sie! Das ist ja zum Lachen! Wir sind zum Gebrauch geboren! Wer das noch nicht geschnallt hat, der zickt aus Berechnung!“

Clown2: „Ja, ja, es gibt eine Menge scheußlicher Beispiele, aber man wünscht sich doch auch was vom Universum!“

Clown1: „Da sind zum Beispiel Kometen:"

Clown2: „Ja, ja."

Clown1: „Oder riesige Explosionen."

Clown2: „Ja, ja."
Clown1: „Und eine Gegenseite – schwarz!“

Clown2: „So, so, haben wir da Gehör?“

Clown1: „Sicher!“

Clown2: „Warum?“

Clown1: „Weil Zeit nicht gleich Zeit ist, sie hängt vom Betrachter ab – letztlich ist sie wohl nur virtuell."

Clown2: „Ach … und das bedeutet?“

Clown1: „Daß wir in der Logik, als einem persönlichen Irrtum, verloren sind!“

Clown2: „Und das nennen Sie Gehör?“

Clown1: „Selbstverständlich! Was sollen wir denn sonst finden?! Den Weihnachtsmann?“

Clown2: „Verständnis!“

Clown1: „Was halten Sie denn dafür? Wofür halten Sie uns?“

Da meldet sich eine dritte Stimme aus dem Hintergrund, einer weitgehend verborgenen Schicht, dem Unterbewusstsein. Es wird durch ein kleines Schweinchen dargestellt.

Kleines Schweinchen: „Ich bin das Fleisch, ohne Herrlichkeit und meine Existenz ist völlig lösungsmittelfrei!“

Daraufhin setzt sich der Mono-Dialog logisch/unlogisch (es kommt auf den Betrachter und die Ein-oder Mehr/Vielgleisigkeit an) fort.
Clown1: „Haben Sie das gehört?“

Clown2: „Was denn?“

Clown1: „Die Stimme aus dem Hintergrund!“

Clown1: „Wenn ich sie gehört hätte, dann würde ich jetzt eine Stufe näher zum Wahnsinn steigen. Also habe ich sie nicht gehört!“

Clown1: „Das ist der Weg der Fälschungen! Warum ignorieren Sie die Wahrheit?“

Clown2: „Weil sie schmerzhaft ist!“

Clown1: „Und wenn Sie zutrifft?“

Clown2: „Dann drehe ich jetzt und auf der Stelle durch – niemals eine Erlösung erfahrend."

Clown1: „Sie haben es also eingesehen?“

Clown2: „Was denn?“

Clown1: „Daß Einsehen gefährlich ist, nichts bringt. Daß die Ablenkung von der Wahrheit, ohne Berücksichtigung des Faktors ‚Betrachter‘, die einzige Wahrheit ist, die es geben kann/darf, um ein virtuelles Schauspiel in eine betrachtbare Wirklichkeit zu verschieben. Daß dabei unwillkürlich auftretende Grausamkeiten, wie zum Beispiel die Ermordung der Logik, nötig sind, um nicht plötzlich zu erwachen?“

Die dritte Stimme meldet sich noch einmal wieder. Diesmal spielt das Schweinchen Ditscheridu: „Mmmwroouwbrwouhhwoouuuu!“

Das verändert den gespenstischen Mono-Dialog dessen, der sich selbst traf …

Clown1: „Woran denken Sie jetzt?“

Clown2: „An ein Brautkleid.“

Clown1: „Mit Blaukraut?“

Clown2: „Mit Geilheit!“

Clown1: „Es wird schon immer wieder weitergehen?“

Clown2: „Gottes Wege sind unergründlich – es müssen ja nicht die unseren sein."

Clown1: „Vorsicht, Sie sind abgerutscht! Sie verfehlen die Wahrheit auf Heller und Pfennig!“

Clown2: „Was reden Sie bloß für ein dummes Zeug?! Wissen Sie was – ich raffe mich jetzt auf und geh Ihrer Wege. Wir treffen uns um 0 Uhr zum Hexensabbat in Transsilvanien. Bringen sie ein paar Ausreden zum Dranbesaufen mit. Ich bin noch nicht gesättigt. Dort ist Leben ...“

Clown1: „Dort ist alles was wir brauchen, dort bin das Ich!“

Clown2: „Was Sie nicht sagen, aber darauf kommt es auch gar nicht mehr an, deshalb komme ich einfach mit!“

Schwupps …

Vorhang!

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