Stop!

von Alf Glocker
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Meine Kinder fliegen zwischen den Sternen im Kreis. Meine Wege sind in sich selbst verschlungen und führen alle in ein Land ohne Wiederkehr. Dort fließen auch sämtliche Flüsse hin! Die rosa Brille ist trübe geworden und zeigt ein eher graues Bild von der Welt. Aber die Frauen haben sich zum Glück nicht verändert: Ich projiziere nach wie vor alles Glück der Erde, direkt vom Rücken der Pferde, in ihren Leib, wo es dann aufbereitet und als Wolkenmasse wiedergeboren wird, um nichts weiter zu sein als eine zukünftige Vergangenheit!

Die unheimlichen Wälder meiner Kindheit sind längst enttrollt, entelft, entgeistert und mit Kettensägen unschädlich gemacht worden, damit die vielen Wallfahrer des Bösen nicht über ihre Wurzeln stolpern. Aber meine Luftballone steigen unaufhörlich ins Azurgelb, verdunsten wie Schwefel in der Farbe Lila, die alle Himmel sättigt wie ein harmloser Fluch, der sich als Mehltau in Totenhainen niederschlägt, um den Boden mit Pest und Cholera zu düngen, damit weiterhin wachsen kann was wachsen soll, muss und vergeht. Die guten Aussichten sind hingegen hinter dem Abgrund.

Niemand kann anscheinend etwas gegen das Nichtvorhandensein von Denkapparaten unternehmen, außer es handelt sich um Computersysteme, die einen Willen zum Ausdruck bringen, der, unter aller Sau, im Verbrecherhimmel residiert. Die Segel sind eingeholt, die Schätzchen entliebt, die Anziehungskraft großer Attraktoren hat sich in weit entfernte Quadranten verflüchtig. Ich bin beglückt … denn immer, immer wiieder geht die Sssonnne auof und immmmer, immmer wiiieder kommt Jonny Walker, der inzwischen auch nicht mehr bleiben kann.

Ich übernachte im Zwielicht! Aufwachen ist schrecklich und die Strecke bis dorthin führt über unsäglich schwere Traumerlebnisse, die sich kaum noch von der mich umgebenden Realität unterscheiden wollen, da es ganz entschieden darauf anzukommen scheint, mir etwas klar zu machen: was es bedeutet, in einer Zeit zu leben, die weder in der Lage ist, aus den vorausgegangenen Epochen wenigstens ein winzige Kleinigkeit zu lernen, noch schlicht und absolut ergreifend einfach den gesunden Menschenverstand einzusetzen, der ohnehin nur ein Gerücht ist.

Gesehen habe ich ihn noch nie! Im Gegentum – denn mir werden die ungeheuerlichsten Geschichten erzählt. Die Erde sei flach, niemand stamme von irgendwem ab, weil alle geschaffen wurden, es gibt Religionen des Friedens, der Schnee ist schwarz usw. Daß der Schnee schwarz ist, glaube ich noch am ehesten, denn ich kann sehen, daß er, wenn er mal liegen bleibt, zusehends durch den Dreck aus Abgasen und Industrie dunkler wird. Das wirkt sich alles sehr beruhigend auf mein Seelensein aus. Ich schwebe als Astralleib neben mir her …

Mit den anderen Astralleibern zu sprechen, die mir in meinem Delirium in die Quere kommen, vermeide ich mehr und mehr. Der Eindruck überwältigender Klugheit, den sie verströmen, bringt mich zum Weinen. Wie sicher sie sich doch sind und wie klein ich in ihren Astralaugen daneben aussehe. Es ist fatal! Ich bin sozusagen ein armes, fehlgeleitetes Kind, dem die Reifen und Erwachsenen sagen müssen, was das mit dem Anstand so auf sich hat. Erstaunlich finde ich, daß sie Leute nicht abstoßend finden, die Organisationen wie vielleicht der Mafia angehören.

Davon gibt es viele! Sie beten und arbeiten alle für und am Untergang, der keiner zu sein hat, einer Welt, die allen, nur uns nicht gehört … und mir schon gar nicht! Die Gesänge der Skelettierten höre ich von hinter dem Ereignishorizont unserer Gegenwart, bis in mein Schlaffzimmer hinein, wo die Kissen alle mit Zucker gepudert wurden, damit die Blümchen den Sex nicht verpassen, aber die Schäfchen nicht gezählt werden müssen, weil sie so zahlreich wie die Sterne am Himmel sind. Wir heißen mich offen … zu sein … zu empfinden, aber nicht zu sprechen.

Dem Sprechen würde etwas vorausgegangen sein: das Denken. Das aber stößt auf viele, mit Gewalt herbeigeschaffte Wahrheiten, die meine Kinder hinter die Sterne verbannt haben. Sie leben dort in der Obhut einer gewaltigen Konstruktion aus sehr verspäteter Vernunft und grenzenloser Freiheit, an der man sich hätte ausrichten sollen, als die Menschheit noch jung und unzerstört war. Der Himmel ist erreichbar gewesen, bevor man sich anschickte, ihn schwefelgelb zu räuchern, damit keiner mehr auf das Recht zum Atmen pochen kann, denn das ist dem Teufel vorbehalten.

Tja, wenn ich könnte, wenn ich nur könnte, dann würde ich mir selbst den Würdepreis verleihen, den man in unserer Ära benötigt, um standesgemäß versinken zu können, in diesem braunen Sumpf aus Verlogenheit und Umetikettierungen, wo der zum Populisten wird, der sich anmaßt, noch warnen zu wollen, vor den neuen Besessenen, die nicht in der Lage sind die Dämonen zu spüren, die Schindluder mit ihnen treiben. Daß man sie dann auch noch beschreiben will, das verlange ich ja nicht einmal, denn ich fliege zwischen den Sternen im Kreis.

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Kommentare

21. Aug 2018

Das Neandertaler-Hirn größer als das des Sapiens war!
(Wohl darum ist der Typ nicht mehr da ...)

LG Axel

21. Aug 2018

darum ist er ausgestorben...
genau, er hat zu viel Verstand erworben....

LG Alf