Sinus-Mann

von Siebenstein Siebenstein
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Ein Kurz-Roman ueber Okkultismus, rituellen Kindesmissbrauch,

UFOs und das damit verbunden scheinbar offensichtlich wahre

Verborgene ...

Die phantasievoll erdachte Geschichte ueber einen Menschen,

der auszog, um das Fuerchten zu lernen.

Sinus-Mann

Claudius Stern ist Ingenieur und Mitentwickler einer Bohrinsel,
die zu Militärzwecken verwendet werden sollte. Ein geheimnis-
volles Metall findet auf mysteriöse Weise den Weg zu ihm. Und
das Böse in der Welt haucht ihn an ...

Der Satan und seine Diener nehmen immer wieder die Gestalt
von Personen des Lichts an ( 2. Kor., K.11, V. 14).

Er sass am Strand. Das Meer lag ruhig vor ihm, gleich einem See.
Die Nachmittagssonne glitzerte auf den kleinen Wellen. Kaum ein
Windhauch war zu spüren. Es war Ebbe. "Warum nur," dachte
er laut vor sich hin, "warum nur." Sein rotes, gelocktes Haar zeigte
schon leicht graue Spuren. Er war jetzt Mitte vierzig. Maschinen-
bauingenieur. Hatte Karriere gemacht. Nun war die Firma, für
die er plante, in Konkurs geraten, und man hatte ihn, wie so viele,
entlassen. Er war von untersetzter Statur, einmetersiebzig gross. Er
fuhr sich über das Gesicht, bemerkte die Narbe an seiner linken
Wange, die er sich beim Kampfsporttraining zugezogen hatte, das
ihm den Ausgleich fuer den Altagsstress bot. Wie aus dem Nichts
auftauchend sah er plötzlich eine grössere Welle auf sich zurollen,
besschaute die kleine Gischt auf dem Wellenkamm. Irgendetwas
schwamm da mit ihr ihm entgegen. Es verschwand kurz, tauchte
wieder auf. Sein Blick der Aufmerksamkeit wechselte in gebannte
Spannung. Langsam trieb die Welle das Ding ihm exakt vor die
Füsse. "Treibgut," meinte er, doch das schillerte seltsam metallig
in der Sommersonne. Er wollte keine nassen Schuhe riskieren, und
wartete, bis die sanfte Brandung es ihm in die Hand spülte. Tatsäch-
lich fühlte es sich wie ganz dünnes Metall an. Wie konnte dieses
auf dem Wasser geschwommen sein? Er barg das seltsame Teil, das
aussah, wie ein Namenstürschild und erkannte darauf eine eigenar-
tige, scheinbar phosphoreszierende Schrift. "Claudius," hörte er
plötzlich eine weibliche Stimme hinter sich rufen, "Claudius, ach,
hier bist du; ich habe dich überall gesucht; was machst du hier?"
Er drehte sich ueberrascht um und sah Annabell, die in einiger Ent-
fernung auf ihn zulief. "Was willst du noch von mir," rief er ihr ent-
gegen und nahm die schöne Figur einer jungen Frau wahr, die von
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ihrem blonden Haar wie umspielt zu werden schien.
"Doktor Feuerbach hatte angerufen und versuchte, dich per Funk-
telephon zu erreichen." Sie stand jetzt vor ihm. "Was hast du da in der
Hand," fragte sie. "Nur ein Stück Treibgut," gab er kurz zurück,
"was wollte er?" "Das sagte er nicht. Du sollst ihn bitte zurückrufen,
es sei dringend. Hier ist dein Telefon," entgegnete sie bestimmt. Er
wusste, dass es nur wenige Orte gab, an denen sie ihn hatte suchen
müssen. Sie waren seit fünf Jahren Arbeitskollegen gewesen und
probierten es seit zwei Jahren als Lebenspaar. Vor vier Tagen trennte
sie sich von ihm. Sie waren einfach zu verschieden. "Ich muss noch
einige Sachen aus unserer Wohnung holen. Ruf Feuerbach bitte gleich
an. Ach und das hier noch." Sie übergab ihm eine Karte. "Die habe
ich wärend des Suchens beim Zusammenpacken gefunden. Dabei ist
mir einiges klarer geworden. Ein gewichtiger Grund mehr, dich zu
verlassen. Ich hatte sowieso schon etwas bemerkt, aber musste es
unbedingt ein Thorsten sein ? Vielleicht hilft ´s, wenn ihr eure Er-
nährung umstellt. Das kann die Hormone wieder in die natürlich
richtige Richtung lenken. Übrigens: Eine Hormonbeahandlung zur
Unterstützung des Eigengeschlechts ist ungefährlicher, als eine
Geschlechtsumwandlung; nur so als Tipp." Er schaute sie betroffen an.
Es war Thorstens Karte, die er ihm zum Dank nach einer ihrer heftigen
Liebesnächte geschrieben hatte, zu denen sie sich gelegentlich getrof-
fen hatten. Er nahm sie schweigend entgegen, wärend sie sich um-
drehte und ihn so schnell wieder verliess, wie sie gekommen war.
Claudius nahm das Gerät und waehlte Feuerbachs Nummer. "Hier
Feuerbach," meldete sich eine dunkle Stimme. "Guten Tag, Herr
Doktor Feuerbach, hier ist Claudius Stern. Sie hatten versucht mich zu
erreichen." "Ja ," entgegnete ihm die Stimme, "ich weiss, es klingt nach
ihrer Entlassung sonderbar. Ich kann diese auch nicht rueckgaenging
machen, aber bitte kommen sie umgehend noch einmal in mein Büro."
Feuerbach hatte aufgelegt. Claudius steckte sein Treibgut in die Innen-
tasche seiner Lederjacke, schritt die Dünen bis zur dahinter gelegenen
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Strasse hinauf, wo er sein Auto geparkt hatte. Als er im Auto sass,
erkannte er, dass die Schriftzeichen des seltsamen Metalls durch das
Leder hindurch strahlten. Er nahm es rasch aus der Tasche und verbarg
es im Handschuhfach seines Wagens. "Was zum Teufel ist das," rief er
halblaut in den Fahrzeugraum.
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Feuerbach war ein kleiner, dicker, eigenwilliger, zielstrebiger Unter-
nehmer und wartete bereits in der Empfangshalle seiner SINUS AG,
begrüsste Claudius Stern, geleitete ihn mit einer kurzen Handbewe-
gung ins nächst gelegene Buero und verschloss hektisch hinter ihnen
die Tür. "Stern, sie wissen um unsere Nordsee-Versuchs-Bohrinsel,
waren selbst an deren Entwicklung beteiligt," begann Feuerbach ohne
Umschweife das Gesprüch. Claudius war vom Auftreten seines sonst
ruhigen und besonnen ehemaligen Arbeitgebers völlig ueberrascht.
"Gewiss," antwortete Claudius. "Etwas ist dort in der Nähe mit
hellem Lichtstrahl und gewaltigem Bumms ins Meer geklatscht. Das
gesamte Seegebiet muss ringsherum auf einmal gebrodelt und ge-
schäumt und in den verschiedensten Farben geleuchtet haben."
"Wegen eines Meteoriteneinschlags rufen sie mich in ihr Buero?",
erwiderte Claudius. "Nein, das war kein Meteorit; das muss etwas
anderes gewesen sein. Der Funker der Plattformbesatzung übermit-
telte an unsere Festlandstation, dass die gesamte Besatzung in Panik
von Bord in die eiskalte See gesprungen sei, ohne auch nur eine
Rettungsausrüstung benutzt zu haben!" "Wie bitte," rief Claudius
in einem Gefuehl der Unfassbarkeit aus, "und was soll ich dabei jetzt
tun?" Ein grosser Tumult von der Strasse her riss die beiden aus ihrem
Gespräch. Sie begaben sich aufgeregt ans Fenster und sahen Claudius´
vor wenigen Augenblicken noch blauen Ford-Mustang von einem
Menschenpulk umringt und in verschiedenen Farben schillern. "Ach
du liebe Güte", schrie Claudius, rannte, gefolgt von Feuerbach, aus
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dem Büro durch die Empfangshalle auf die Strasse auf sein Auto zu.
Kaum dort angelangt, hoerte man die Sirene eines sich schnell nä-
hernden und dann anhaltenden Polizeifahrzeugs. Fassungslos besahen
die noch im Auto sitzenden beiden Polizeibediensteten zusamen mit
den herumstehenden Menschen, wie der Ford-Mustang sich vor aller,
wie auch vor Feuerbachs und Claudius, Augen in Nichts auflöste.
"Weg, einfach weg; das gibt ´s doch gar nicht", schrie Claudius entsetzt
vor der erstaunten Volksmenge. "Ist, nein, war das ihr Fahrzeug," wollte
die Polizistin jetzt wissen. "Ja," antwortete Claudius. "Was haben sie da-
mit gemacht," fragte ihr Polizeikollege mit aufgerissenen Augen. "Okey,"
rief die Polizistin in die Menge, "Mister Moöchtegern-Copperfield hat
seine unangemeldete Strassen-Show beendet.“ “Bitte gehen sie jetzt
weiter," ergaenzte der Polizist laut, und der

Siehe auch Entstehungszeit und Copyright unter
https://www.e-stories.de/view-kurzgeschichten.phtml?44218+grusel

Geheimtip fuer die Frankfurter Buchmesse, 16. - 20. 10.2019 ...

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