"Cock" au vin

Bild von Nicole Schrake
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Sie stand in der Küche. Aufgrund der hohen Temperaturen trug sie nur einen kleinen Slip und ein Bustier. Sie schwitzte, vor Anspannung, dass das Abendessen nicht gelingen würde und der Tatsache, dass das Münsterland sich in jenen Tagen in die Sahara verwandelt hatte. Sonne von morgens bis abends, so, dass die Menschen bei Untergang des alles versengenden Planeten wie Ratten ihre Wohnungen verließen, um einen kühleren Abendhauch zu erhaschen.

Heute kam er. Nach wochenlangem Gedate, Geflirte, Gezwitscher und Gemaile war es das erste Treffen in ihren geheiligten Hallen. Und wie überzeugt man einen Mann? In dem man seinem Gaumen schmeichelt, bezirzt mit kulinarischen, französischen Köstlichkeiten, serviert mit weiblichem Charme und Raffinesse. Sie sah auf die Uhr. 16 Uhr. Der Countdown lief. Ihr Smartphone miaute. Aha, der Herr der Schöpfung meldete sich. Hoffentlich sagte er nicht ab.

Der Schweiss floss noch eifriger am schwitzenden Frauenkörper hinab. Fast glitt ihr das Handy aus den klammen Fingerchen „Ich kann es kaum erwarten ...“ Die gelesenen Worte beschleunigten ihren Herzschlag und die Vorfreude tanzte wie ein Schwarm Schmetterlinge in ihrem Bauch. Sie sah ihn vor sich: Groß, schwarze Haare, die grau melierten Schläfen, seine Augen, dunkel wie nasser Schiefer, die sie schon beim ersten Date in ihren Bann gezogen hatten. Sie riss sich aus ihren Tagträumen. Die rothaarige Frau holte das marinierte Geflügel aus dem Kühlschrank und beäugte misstrauisch den Inhalt.

Schnuppernd beugte sie sich über den Topf. Ja, er roch gut, der Hahn. Hoffentlich auch noch, wenn er später auf dem Teller lag. So, schön abgießen, alles separieren, erst einmal Pause. Angesichts der Hitze holte die smarte Köchin den gekühlten Wein hervor und genehmigte sich ein Schlückchen. Das prickelnde Gesoff floss intergalaktisch gut die ausgedörrte Kehle hinab. Das Radio dudelte „Summer in the City“, na, ja, „Summer auf dem Dorf“ wäre treffender, aber egal, auch das konnte die gute Laune der Topfguckerin nicht schmälern.

Sie setzte sich auf die blaue Couch und rauchte eine Mentholzigarette. Gedankenverloren schaute sie den Rauchwölkchen hinterher, während durch die offene Balkontür der Sommerwind tastend in die Wohnung schlich. Bislang war in sexueller Hinsicht nicht viel gelaufen. Beim letzten Date stürmisches Gefummel vor dem Auto, ihre verlangende Hand, die seine heftige Erektion umfasste. Die Härte seines Schwanzes, die Konturen brannten immer noch in ihrer Handfläche. Sofort tauchte dieses federleichte, sehnsüchtige Gefühl zwischen ihren Schenkeln auf.

Ja, verdammt, sie war geil und heute Abend würde es als Nachspeise nackte Tatsachen geben. Sie wollte ihn, ganz und gar. Der letzte Kuss blieb auch noch in Erinnerung. Ein vorsichtiges Erobern, verschmelzende Zungen, der Geschmack seines Speichels, dazu der Duft seiner Haut. Ja, da konnten die Pheromone schon die Sinne vernebeln. Nun, gut, das Ganze mündete dann in wüstem Petting in seinem Wagen. Meine Güte, wie in den 80er-Jahren im Autokino. Das Sinnieren hatte ein Ende. Die Zeit schien zu rasen, genauso wie ihr Puls.

Um 18 Uhr stand er auf der Matte, also ab in die Dusche, noch einmal hingebungsvoll den Schamhügel rasieren, der hinreißend und einladungsvoll in seiner marmornen Blässe in ein schwarzes Spitzenhöschen gehüllt wurde, dazu der passende BH, der sich perfekt um die kleinen, festen Brüste schmiegte. Die Frau stellte das Radio lauter und gröhlte gut gelaunt „Altes Fieber“ von den Toten Hosen. Scheiss auf die Nachbarn. Abtrocknen, Zähne putzen, ein paar Spritzer ihres Parfüms an die wichtigen, strategischen Punkte und ab zum Schrank.

Angesichts des Hochsommers entschied sich die Rothaarige für ein leichtes, schwarzes Kleid, das angenehm kühl auf der Haut lag und den Kontrast zu dem feuerroten Haar auf das Dramatischste verstärkte. Zurück vor den Spiegel, leichtes MakeUp, Smokey Eyes, dazu der rosenholzfarbene Lippenstift, fertig. Weniger war wie immer mehr. Wer wollte schon mit einem Kanarienvogel Geflügel verzehren? Kein Mann der Welt wahrscheinlich. Sie wurde immer nervöser, zählte quasi die Minuten, horchte auf, wenn ein Wagen vorbeifuhr.

Wieder zurück an den Herd, Hahn hinein; das Fleisch war schon so weich, dass es sich fast von den Knochen löste. Öl in die Pfanne und ab ging die Bruzzelei, schön anbraten, dann Cognac, Rotwein, dazu 500 ml des aufgefangenen Suds. Zufrieden köchelte der Hahn seinem kulinarischen Finale entgegen. Der Esszimmertisch war bereits einladend gedeckt. Kerzen, schönes Porzellan, dazu eine weiße Lilie. Es klingelte! Oh, my godness ...

Sie lief, nein, flog gerade zur Tür, betätigte den Türöffner und hörte seine eiligen Schritte, dann war er da, nahm sie in die Arme und ein langer Kuss versiegelte ihre Lippen. „Ich habe die Stunden gezählt.“ sagte er dann mit dieser unnachahmlichen Stimme, die ihre Knie weich werden und den körpereigenen Nektar zwischen ihren Beinen fließen ließ. Mit einem lauten Knall schloss er die Tür, ohne sie loszulassen, umschlang sie wie eine Boa constrictor, seine Küsse wurden stürmischer und zwei Blutkreisläufe kamen in Wallung, so, dass sie fast schon schäumten.

Die Hitze da draußen war nichts gegen die Temperaturen, die jetzt in der Wohnung herrschten. Zwei Körper im Einklang, er, der Schlüssel, sie das Schloss. „Komm, rein.“ hauchte sie mit erstickter Stimme überflüssigerweise. Der Duft seines After Shaves benebelte zusätzlich ihre Sinne. Hier war sie, diese animalische Geilheit, die Sehnsucht, die Lust, unverfälscht, so greifbar, dass man sie fast in Stücke schneiden konnte, um diese bei Ebay meistbietend zu verhökern.

Er umarmte sie und gemeinsam steuerten sie auf die Couch zu, ließen sich fallen. Als er da so saß, das Haar verschwitzt in die Stirn hängend, überkam sie das fast unbändige Verlangen ihm den Schweiß von der Haut zu schlürfen, auf der Zunge zergehen zu lassen, wie einen edlen Tropfen aus dem Burgund. Sein Blick sagte mehr als tausend Worte. In Windeseile rissen sie sich die störenden Textilstüccke vom Leib und ihre Hände erkundeten die Haut und Konturen des Gegenübers.

Wie schön er war. Seine weichen Brusthaare, die breiten Schultern und diese Hände, die ihren Körper in Brand setzen. Zärtlich streichelte er ihre Brüste, deren kleinen, rosafarbenen Warzen sich verlangend aufrichteten, geradezu nach Zuwendung schrieen. Der Mann beugte den Kopf hervor und ließ seine feuchte Zunge um die Vorhöfe tanzen. Stromstöße schossen durch den Körper der abgelenkten Köchin. Sie wollte nur eines, in ihn sich haben, hart, schnell, ohne Vorgeplänkel, er sollte sich einfach tief in ihr versenken, sie würde ihn umschließen mit ihrem sehnsuchtsvollen, wartenden Fleisch.

Sie glitt zwischen seine Beine und ihre Ihre Zunge betänzelte die Innseiten seiner Schenkel, genoss das zarte, wartende Fleisch, das sich ihr dann entgegendrängte. Das Stöhnen des Mannes übertönte das Pochen ihres Herzens als sie sich seinem Phallus hingebungsvoll widmete und das süße Salz seiner Haut die Geschmacksknospen in ihrem Mund explodieren ließ. „Komm.“ sagte er leise. Beide standen auf und taumelten Richtung Bett.

Das Gewicht seines Körpers drückte die Frau in die Matratze. Endlich drang er in sie ein, nicht zärtlich, sanft, sondern mit einem kraftvollen Stoß, der das Innerste des Frauenkörpers aufbrechen ließ, wie eine reife Frucht. Ihr schwanden fast die Sinne als sie ihn in sich spürte, so pur, so rein und doch so animalisch, sie brandmarkte und fast in die Besinnungslosigkeit trieb mit seinem wunderbaren Rhythmus. Beide waren schweissbedeckt und ihre Hände glitten über seinen nassen Rücken, den knackigen Po und pressten ihn noch tiefer in sich.

Noch nie war ein Mann so tief in ihr Universum vorgedrungen, hatte sie so aus- und erfüllt. Da war er dieser life-changing Sex und man würde sich noch daran erinnern, wenn mal alt und runzelig irgendwo in der Abendsonne des Lebens über die Vergangenheit und die verlorenen Liebhaber sinnierte. Das korpulierende Pärchen kam gleichzeitig zum Höhepunkt und ihre Lustschreie erfüllten die Wohnung.

Der Geruch von verbranntem Hahn ließ die beiden aus ihrem Liebestaumel langsam auftauchen, wie Apnoetaucher aus blauer Tiefe.

„Ich glaube, wir müssen den Pizzaboten bestellen.“ sagte die Frau kläglich. „Später.“ antwortete der Mann und zwinkerte der Rothaarigen zu. „Ich will erst das Dessert.“ Mit einem frechen Grinsen verschwand er zwischen den Schenkeln der Frau und genoss den süßen Nektar.

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