Meine Hundelieben

Bild von Alf Glocker
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Was es nicht alles für Hunde gibt! Die kuriosesten Tiere. Riesige Kolosse und winzige Kläfferchen, die bequem in eine Armbeuge passen. Da sind z. B. Schäferhunde für gewisse Stündchen, wo man einfach Gassi geht. Sie wedeln dabei eifrig mit dem Schwanz und sie grinsen einen so schelmisch an, daß man in Lachstürme ausbrechen könnte.

Nirgends gibt es so viele Rassen, pardon, äh, Erscheinungsformen, wie bei Hunden. Und fast alle sind sie niedlich zum Steinerweichen. Ob es nun gewaltige Doggen, kuschelige Bernhardiner, verspielte Rottweiler (die mit dem Kneifzwang) sind, oder schwarzweiße Dalmatiner, grüne Veltliner, sorry, das ist, glaube ich, eine Weinsorte, oder auch nur naiv treue Retriever … ich liebe sie einfach alle!

Gut, ich möchte nicht unbedingt überall von einer Bulldogge versabbert werden, ich kann keinen Römischen Kampfhund ernähren und ich möchte auch nicht mit einem Mops in der Badewanne angetroffen werden, wo doch jeder weiß, daß sie in die Küche gehören, um dem Koch Eier zu stehlen, aber einen Spaziergang im Wald mit einem Jagdhund könnte ich mir schon vorstellen.

Windhunde kann ich gut verstehen, auch wenn ich bei weitem nicht so schnell hinter dem Luder herlaufen kann wie sie. Dafür würde ich jederzeit mit einem Rudel Huskys Schlittenfahren. Dackel finde ich nett, möchte selbst aber keiner werden – auch nicht im nächsten Leben … wenn ich nicht schon in diesem einer geworden bin.

Aber Wolfshund hin, Dobermann und Doberfrau her, ich liebe sie alle! Und ich glaube, nein, ich bin felsenfest überzeugt davon, daß sie mir das sofort ansehen. Das führt leider, oder auch, das macht mir doch nichts aus, dazu, daß mir ständig irgendwelche Caniden zulaufen, an mir herumschnuppern und gestreichelt werden wollen … manchmal sogar ganz zum Unmut ihrer Besitzer.

Dafür kann ich jedoch nichts. Ich schau sie nur an und sie kommen angedackelt. Besonders bei schlechtem Wetter ist das nicht immer vorteilhaft! Sie springen an mir hoch, wollen mich „küssen“, oder ähnlich unanständige Dinge, wie völlig versudeln, mit mir anfangen, und kürzlich setzte einer dem Ganzen tatsächlich noch die Krone auf.

Es handelte sich um einen Boxermischling (ich schätze respektables Mittelgewicht), der mich schon aus ca. 50 Metern Entfernung anstarrte! Er rührte sich dabei kein bisschen – und ich starrte einfach zurück. Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, obwohl ich für gewöhnlich keine Boxer bevorzuge, denn als ich bis auf 10 Meter herangekommen war, spurtete er los!

Nicht nur seine Besitzer – eine komplette Familie, bestehend aus 5 Personen – sondern auch meine Begleiterin bekamen einen gehörigen Schreck, als das kleine Monstrum auf mich zu galoppierte. Nur ich nicht. Es war, als hätten sich lang getrennte Freunde wiedergefunden!

Bei mir angekommen, drängte der Hund seinen muskelbepackten Leib an meine Oberschenkel und verlangte, leise winselnd, getätschelt zu werden. Wir sahen uns in die Augen und wir verstanden uns, als hätten wir ein ganzes Leben miteinander verbracht – ein voriges vielleicht? War er da eine schöne Prinzessin gewesen? Oder womöglich ich? Nein, dann doch lieber er …

Ich zwinkerte ihm zu und gab ihm zu verstehen, daß er nun schnell wieder zu seiner Familie zurück müsse, weil die guten Leutchen sonst sicher beleidigt sein würden. Und ja, er verstand mich. Er schaute für einen Augenblick ein wenig traurig drein, Trottete dann jedoch, nicht ohne sich noch ein paarmal umzusehen, davon.

Für mich war es ebenfalls ein seltsam schmerzlicher Abschied! Aber ich ließ ihn gehen, wobei mich ein absurder Gedanke beschlich: „Könnte man mit Liebe nicht alle Wesen mit sich versöhnen?“ Das müsste doch auch mit Menschen z. B. gehen … Ich hegte diese Traumvorstellung noch eine ganze Weile sorgsam in meinem Herzen – bis mir etwas Schreckliches einfiel: Hunde haben keinen Glauben!!

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Kommentare

28. Mär 2020

Da siehst du mal, lieber Alf: Alles steht und fällt mit dem Glauben und zwar nicht nur mit dem religiösen.
Aber das Wesen der Liebe hast du super getroffen. :)
Übrigens, auch ein Glaube.

Herzliche Grüße
Ella

28. Mär 2020

Woher Du weißt?
Da juckt es mich doch im Gemüt... Leider kenne ich zu wenige Hunde, als dass ich einen Roman aus ihrer Sicht schreiben könnte, aber frag doch mal den Olaf. Der ist da offensichtlich Experte.
Vielen Dank, dass Du mich damit mal aus dem Corona-Allerlei rausgeholt hast! Wunderbar!
Liebe Grüße von Britta

28. Mär 2020

vielen dank liebe freunde!
ich bin entzückt...

liebe grüße
alf

28. Mär 2020

Hunde und Katzen sind dagegen immun -
Wie auch das Schwein, ein Fisch, samt Huhn ...

LG Axel

28. Mär 2020

haha, nur die lieben menschen nicht,
von unter- bis zu oberschicht...

lg alf

28. Mär 2020

Man muss viele Frösche küssen,
bis die Prinzessin aus dem Hund springt,

in diesem Sinne herzlichen Gruß, Monika

28. Mär 2020

Oh, Deine so anrührende, wunderbare Geschichte über Hunde habe ich verschlungen! Und genießen dürfen. Einfach beglückend, an diesem sonnigen und warmen Tag mit Windhündin Khalessi nach einer Wanderung, noch diesen Text zu lesen. Dafür ein herzliches Dankeschön!

LG Monika