Die Märchenutopie des Sebastian - Page 2

von Uwe Kraus
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Zeilen ließen ihn nicht mehr ruhen, sie machten ihn neugierig, denn er hatte sie lange nicht durchdacht und nun fragte er sich ob selbige, also die Hauptperson des Gedichtes, ihm würde helfen können. Allein der Titel des Werkes machte ihm Hoffnung, „Sebastian im Traum“, so lautete der Name des alten Werkes aus einer anderen Welt, so schien es, aus einer Traumwelt, einer Phantasie des Trübsinns. War es nicht das, was er gesucht hatte, einen Traum, der aus dem Dunkel ins Helle trat, ein Genie, das mit ihm, aus einem Traum heraus, einen neuen bauen, die Welt retten und Frieden über das Land bringen würde?
Er entschloß sich, durch diesen mystischen Gedankengang, seinen Helfer Sebastian zu nennen. Sebastian, der Schöpfer des neuen Traumes, seines Traumes.

„Sebastian im Traum, Heilige Nacht“, diese Zeilen des Gedichtes faszinierten ihn, es schien, als wäre das Wunder schon geschehen, sein Traumbild schon erschienen. Vor Freude jauchzend und tanzend, um des Zaubers willen, fast schreiend, stolperte der Zauberer durch den vom Herdfeuer erleuchteten Raum. Alte Kerzen wurden entzündet, die Hütte erquoll unter der Leuchtkraft des Feuers, das magisch den Kessel, der über ihm stand, zum Glühen brachte. Der Zauberer wusste, dass nur dieser Name ihm helfen konnte. So bestieg er noch in dieser Nacht den Gipfel des Berges, auf dass ihn die Götter besser zu hören vermochten, und rief in die dunkle, beängstigende Nacht, den Namen, den er erwählt hatte. Mit einem Male wogte das Land. Der Himmel schien bersten zu wollen. Blitz und Donner erhallten vom Himmel herab. Nun wusste der Zauberer von der Richtigkeit der Wahl seines Herzens. Er wusste, dass er die Götter zufrieden stimmte und sein Bild erscheinen würde. Stunden wartete er auf dem Gipfel, bis das Meer von Blitz und Donner verstummte. Enttäuscht, dass kein Sebastian, kein Zauberer, keine Regung eines solchen erschienen war, ging er durchfroren zu seiner Hütte zurück, um sich am Herdfeuer zu wärmen. Als er den steilen Hang des Berges hinter sich gelassen hatte, zeigte sich vor seinem Angesicht die alte Hütte, seine Hütte. Doch warum war nach der langen Wartezeit das Feuer nicht erloschen? Aus dem Kamin stiegen dicke Rauchschwaden in den mondbestrahlten Himmel und nicht nur das, die Kerzen, die er bei seinem Aufbruch gelöscht hatte, erhellten den Raum des Häuschens, der Hütte, und ein verzaubertes Licht drang aus den Fenstern in die Nacht hinaus. Wie war das möglich, so fragte sich der Zauberer und er bekam ein beklemmendes Gefühl. Hatten etwa Soldaten Cogites seinen Unterschlupf entdeckt?
Mit allem Mut, der ihm zu Verfügung stand, lugte er durch eines der Fenster. Im Kerzenschein konnte er ein kleines Männlein entdecken, ja fast einen Zwerg, das es sich in seinem Sessel bequem gemacht hatte. Mutig, da er vor einem so kleinen Mann keine Angst verspürte, öffnete er, mit dem gewohnten Knarzen, die alte Holztür und der Gnom erschrak. „Wer bist du?“ fragte der Zauberer, „Bist du gekommen, um mich auszurauben? Oder hat Cogite dich geschickt?“
Mit keinem Gedanken kam es ihm in den Sinn, dass dies sein gewünschter Sebastian, der Überzauberer hätte sein können.

Das Männlein antwortete: „Du hast mich in eben dieser Nacht gerufen. Von dem Gipfel dieses Berges. Hier bin ich, bereit, dir zu helfen und gegen den Terror des Diktators anzukämpfen, mit Wortgewalt und Zaubermacht. Ich will dir und den Menschen dieser Insel mit der Kraft, die mir gegeben wurde, mitsamt meiner Klugheit, der göttlichen, zeigen, was Magie sein kann.“
Der Zauberer stotterte: „Du ... du bist Sebastian? Der Sebastian im Traume, den ich mir so sehnlichst gewünscht hatte? Der Sebastian, an dem ich beinahe verzweifelt wäre? O ihr Götter, ihr gnädigen Götter, ihr habt mich erhört! Mein Flehen und Denken war nicht umsonst. Nun wird alles gut werden und die Sonne wird bald über dem Lande erstrahlen, zu Recht, denn die Menschen werden wieder glücklich sein, die Natur wird leben. Alles bekommt seinen ursprünglichen Sinn wieder, alles wird richtig sein, menschlich. O Sebastian, wie habe ich um dich gefleht, gesucht und nun bist du da, der Schöpfer der magischen Revolution, des neuen Denkens und Handelns.“
„Weiser, kluger Zauberer“, so sprach der Genius, „Die Götter gaben mir den Auftrag, durch deine Ideen die Welt zu neuem Glanze zu bringen. Du sollst mich behandeln wie dein eigenes Kind, ich werde fortan auf dich hören und meine Denkweise mit der deinen zu verbinden suchen. Ich weiß um den Terror, der auf dieser Insel herrscht, von Menschen, die, in grauen Kutten, traurig ihr Tagwerk verrichten müssen, in Fabriken arbeiten und von der Feudalmacht des Cogite, der durch die Vernunft sein Unwesen treibt, die Magie entzauberte und der Erde des Landes mitsamt seinen Bewohnern, die Freude des Lebens stahl. Auch weiß ich, dass deine Ideen der Welt bessere sind, ich hörte dich im Schlaf sprechen vom märchenhaften Paradies, von der Hoffnung, die du Märchen und Gedichten zuteilst, die du der Natur zusprichst, deshalb will ich dir helfen, dass deine Träume die Welt zu Besserem umkehren.“
„Doch“, sagte der Zauberer, „Du weißt noch nicht alles. Du weißt nicht, dass das letzte Mittel der Freude der Bewohner, durch etwas möglich wird, was Cogite Geld nennt.

Die Menschen leben in einer Gesellschaft, die nur Arbeit einschließt, Geld und Gut, Letzteres sind Dinge, die dem Staat genommen werden sollten, da sie das Land vernünftig machen und damit die Macht ihres Führers stärken. Geld, Macht und Gut müssen ersetzt werden, wenn die Welt zum Paradiese werden soll. Anstelle von Geld und Gut, das Macht stärkt, muss Magie und Kunst treten, damit die Menschen erkennen, wie sinnlos die Existenz von materiellen, Werten ist, von Geld und Gut, damit auf Cogito ewige Freude währt, die durch den Willen des Einzelnen heraufbeschworen wird.“
„Das klingt gut, Zauberer, doch wie willst du dies alles ermöglichen? Wie sollen die Menschen verstehen, dass die Vernunft und all ihre Ausartungen unnütz sind, dass die Welt des reinen Verstandes zu einer Magie hinübertritt, die die Pole schmelzen läßt und dadurch Märchen und Gedichten Aufmerksamkeit zuteil wird?“
Der Zauberer lächelte, denn er hatte in dieser langen Wartezeit viele Pläne entworfen und wusste um die Genauigkeit der Idee, auf die Sebastian ihn ansprach.
„Ich habe viel

Mein erster größerer Prosatext ... dies sollte die Romantik wiederbringen!

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