Bammel – ein Ausflug ins Endstadium

von Alf Glocker
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Und es beschnapste sich zu der Zeit als die Elritzen über den güldenen Lichtlein blitzten, wie zu scharf gewürzter Wurstsalat auf der Friedhofsmauer von Neukugelshausen. Das ließ die Öchslegrade und die Eselsmeister von Bürgersdorf blöken wie Wolfsschafe, oder so lange Hälse kriegen im Frieden, daß die Fässer ganz ohne Boden dastanden – mitten in der Traufe. Aufs Regen wartete man jedoch vergeblich!

Komische Schießbudenfiguren lachten sich lauthals, vollmund und kopfab, einen weg, derweil hoch auf dem gelben Mistwagen der Rostillion einen Sack voller Derbnüsse vertrug, als seien sie gar nichts weniger als vielmehr ein Nullbock. An den Schachbrettern liefen die Touren rückwärts: Ein Remis verjagte das andere, ein König hüpfte nach dem anderen hurtig vom Ernstfeld und versteckte sich in der Schlüsseltruhe, wo die Lösungen schon erschossen in ihren Fächern schwitzten.

Der Himmel zeigte sich gnädig – voller Löcher, aus denen die Eimer fielen, die ungefüllt abtransportiert wurden und als junge Hunde deklariert, nach Jericho emigrierten, um dort Mauren einstürzen zu sehen. Unerlaubte Wünsche fraßen Löcher in die Tischdecken, worauf die Kaffeeservice „Abraumhalde Fremdschusselheim“ und „Kitsch aus Behufmeisen“ stand. Und sämtliches Ungeziefer krabbelte darin herum ... vor allem in der Zuckerdose zuckte süßlich der Plebs.

„Nichts und niemand wird mich aus der Ruhe, die eure Unruhe ist, bringen“ tönte die große, tiefschwarze Bengelsfrau aus dem Himmel- und Höllenloch der Hintertriebenheit, zwischen den blauen Dunstwolken hervor, die keiner hatte. Welkwesen schüttelten ihre Schuppen und Scheunen, mitten ins Irgendwo, wo alles versauern durfte, denn das Selbstmitleid war verboten worden – zugunsten eines Suizidaufrufs von der Kommandobrücke der Titanic her, die wieder einmal, wie ein Fliegender Holländer, auf den Weltmeeren kreuzte.

Ja, wer kein Kreuz hat, der nehme sich halt den Schwachsinn, halte ihn für Wachsinn und wedle damit dem Lachsinn vor der Langnase herum, die sich riesig dick, in den Neandertalergesichtern ausbreitet, wobei sie sich für ein Zeichen aus der Zukunft hält. Lieder sind Zeichen tabu – es sei denn, es handelte sich um schlimme Vor- Feld- oder Abzeichen, die man dazu benützen kann, sich in Sudelparteien auszuweisen.

„Jodelt mit mir in den Abend hinein!“, verkündet der Turmschreihals ganztägig und streut Explosionsblumen auf die Schutzhülle der Unglaubhaften, der Unannehmbaren, der Unwürdigen, der Un-, der Un-, der Un-. Und so taut langsam die Eisschicht an den Polen des Mars, der nicht länger mehr nur Kriegsgott sein möchte, sondern Heilsbringer für ein Paradies aus hohlköpfigen Flachdienstchimären, die sich mal einen tausendjährigen Urlaub in der Psychiatrie oder im Umerziehungslager gewünscht haben.

O seht doch, wie schön der Mond verbrennt, o labt euch an den Einbahnstraßen, an deren Ende keine Wendemöglichkeit ist. Jubiliert als die Jubilare an der Kandare der Gestörten im Geiste, deren das Wimmelreich ist, wo sich Strunz und Gase eine gute Weltnacht sagen, uns küssen, am rauschenden Müllbach und dann mit uns zusammen vergehen, pardon, aufsteigen, in die Gefilde einer schwarzbraunen Ewigkeit. Bammel!

*

Was ist denn los?

Es ist nichts los, könnt ihr's nicht sehen,
daß die Uhren rückwärts gehen?
Damals, auf dem Berg, dem kahlen,
hatten Menschen keine Wahlen!

Nie geht es ums Überleben,
denn auf weißen Wolken schweben
Kleinigkeiten, immer munter -
und auf der Erde wird es bunter!

Bald ist es zu bunt geworden -
der Bunteste bekommt die Orden,
wenn er aus dem Schlachtfeld rudert.
Sein Hinterteil ist schon gepudert!

Allemal und ganz und klein
will der Mensch geborgen sein -
notfalls tun es auch noch freche Lügen,
die, ausgespuckt, die Balken biegen!

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Kommentare

31. Dez 2016

Vielen Dank liebe Freunde...

ja, da gibt es schon einige, die vor Texten Angst haben.

LG Alf