Der französische Midas

Bild von Wolfgang Luley
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Schachweltmeister Aljechin weilt in einem Pariser Café, nahe dem Eiffelturm, wo auch Schach gespielt wird. Kaum sitzt er an einem der Tische, eilt schon ein Herr zu ihm, nimmt seinen Hut ab, verbeugt sich leicht, und fragt, ob er gegen ihn, den Weltmeister, spiele dürfe. Aljechin willigt ein, man ruft den Ober, bestellt Tee und ein Schachbrett mit Figuren. Nachdem alles vorbereitet ist, sagt Aljechin: „Ich gebe Ihnen einen Turm vor!“ Der Mann hält es zuerst für einen Scherz, doch als Aljechin darauf besteht, empört er sich: „ Aber Sie kennen mich doch überhaupt nicht!“ Aljechin nickt: „Eben deshalb!“

Als die Partie vorbei ist, spielen sie wieder eine und wieder eine, am Ende gibt Aljechin dem Herrn sogar die Dame vor. Auch das bringt nichts, sein Gegner verliert. Doch er bleibt gelassen. Nach etwa zwei Stunden hat Aljechin genug und verabschiedet sich. Sein ihm unbekannter Schachgegner bleibt aber noch eine Weile.

Am nächsten Tag, der Zufall hat es so eingerichtet, begegnen sich die beiden wieder.

„Kennen Sie mich noch?“, fragt er Aljechin.

Aljechin nickt: „Der Herr, der sich darüber beschwert hat, dass ich ihm einen Turm vorgegeben habe und der selbst mit einer Dame mehr nicht gewinnen konnte.“

Der Herr lacht: „Richtig. Aber ich sagte Ihnen, verehrter Meister, dass Sie mich nicht kennen würden. Und das taten Sie offenbar auch nicht. Was ein Glück!“

„Wie meinen Sie das?“

„Jenes Schachbrett, auf dem wir gestern spielten, habe ich – nachdem Sie fort waren – billig erstanden und heute – an einen Pariser Schachliebhaber gewinnbringend verkauf. Sie müssen wissen, ich bin Händler, dem man nachsagt, er könne selbst aus Mist Franc zaubern.“