Anekdote ✓ bemerkenswerte Anekdoten, Begebenheiten und Berichte

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Die Anekdote (griechisch ἀνέκδοτον, anékdoton, „nicht herausgegeben“) ist ein literarisches Genre. Eine Anekdote hat eine bemerkenswerte oder charakteristische Begebenheit, meist im Leben einer Person, zur Grundlage. Die drei wichtigsten Merkmale sind: die Pointe, die Reduktion auf das Wesentliche und die scharfe Charakterisierung einer oder auch mehrerer Personen.

In der Alltagssprache bezeichnet Anekdote die Schilderung einer kuriosen, ungewöhnlichen oder seltsamen Begebenheit (ohne jeden literarischen Anspruch).

Sie finden hier Anekdoten klassischer, aber auch moderner Autoren.

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Beitrag 1 - 35 von insgesamt 73 Texten in dieser Kategorie
von Kurt Tucholsky

Neulich habe ich einen Hund gesehen – der ging ins Geschäft. Es war eine Art gestopfter Sofarolle, mit langen Felltroddeln als Behang, und er wackelte die Leipziger Straße zu Berlin herunter; ganz ernsthaft ging er da und sah nicht links noch…

von Michael Dahm

Es muss etwa im Jahr 1987 gewesen sein, während meiner dreijährigen Dienstzeit bei den Grenztruppen der DDR.
Ich war noch schwungvolle zwanzig Jahre alt und hatte den Drill der Grundausbildung bereits hinter mir.
Zusammen mit den…

von Anouk Ferez

Sagt, kennt Ihr das auch? In seinen eigenen uralten Gedichten zu stöbern, ist beinahe so, wie einen Brief an sich selbst zu lesen. Und plötzlich fragt man sich: Schrieb ich mir einst aus der Zukunft an die Gegenwart, oder aber ist es umgekehrt?…

von Sascha Grosser

Platz nehmen auf meinem Lieblingsplatz unter der alten Eiche. Vor mir liegt die, in watteweiche Gräser gebettete Weite der Heidelandschaft. Unter mir, moosig weicher Boden. Ich atme und staune, lausche und rieche, spüre und schmecke den…

von Lena Kelm

Meine Tochter und ich überqueren die Straße. Auf dem Radweg kommt
uns eine Fahrerin entgegen, vielleicht eine Sozialarbeiterin, Mitte Vierzig,
in Jeans, Bluse und Birkenstock-Sandalen, ohne Schmuck. Ihr langes Haar
flattert im…

von * noé *

Gegen Zigarettenrauch bin ich allergisch – nein, tatsächlich! –, und Zigarrenrauch, vor allem der, der ganz billigen, löst bei mir Unwohlsein bis Übelkeit aus.
Aber Pfeifenrauch liebe ich, ich könnte regelrecht darin baden. Nicht…

von Sascha Grosser

Rückzug zum Alleinsein. Ausbrechen - dem hektischen Treiben entflieh'n. Keine Enge. Kein Zerren. Nur Stille. Nur ich. Und dann, dann ist da noch dieser wahnsinnig schöne Duft, weich und süß, hölzern und erdig. Und das Flüstern der Bäume, so, als…

von Daniel Büttrich

Ein menschenscheuer Jugendlicher wünschte sich sehnsüchtig, ein hübsches Mädchen aus der Nachbarklasse zur Freundin zu haben. Er teilte das Schicksal aller unglücklich Verliebten und überlegte stundenlang, wie er dem Mädchen, das seine Zuneigung…

von Lena Kelm

Ein Sonntag im Café Einstein, mit meiner Tochter, ihrer Freundin und
meiner besten Freundin sitzen wir bei Kaffee und Kuchen. Lange haben
wir uns nicht gesehen bei dem rasanten Tempo des Berliner Hauptstadtlebens.
Als meine…

von Lena Kelm

Hinter dem Tresen – Unmengen belegter Brötchen, Baguettes,
Zuckergussgebäck – dieser junge Mann, was für ein Anblick!
Schon bin ich abgelenkt von den langweiligen Dauerbackwaren.
Und sein Gesicht, es gehört auf das Titelblatt…

von Sascha Grosser

Nur ein paar Schritte vom Weg abgekommen,
im tiefen, dichten Nebel mich verirrt,
ängstlich stehen geblieben, inne gehalten.
Um mich herum, das weiß leuchtende Rauschen
diffus bedrückender Stille
und dann noch die…

von Lena Kelm

Als plötzlich Schneeregen einsetzt, suche ich Schutz bei einem überdachten
Marktstand und tue so, als ob ich mich für die angebotenen Geldbörsen interessiere.
Der türkische Händler lächelt breit und einladend wie auf einem…

von Ekkehard Walter

Es war eigentlich wie jedes Jahr:
Er feierte keine Weihnacht, das war klar.
"Mit all dem hab' ich nichts am Hut"
sagte er sich und fühlte sich gut.
Gerade hatte er seine geliebte Pfeife gestopft,
als jemand an seine…

von Franzisca Beierlein

Frankfurt am Main, drei Stationen mit der S-Bahn. Ein gemütlicher Mann mittleren Alters streicht sich über seinen Bierbauch, während er den Fensterplatz gegenüber von mir in der Vierergruppe einnahm. Er schaute sofort aus dem Fenster, ohne mir…

von Klaus Mattes

Ein alter Mann hat Lungenkrebs. Er steht im Morgenrock vor dem Krankenhaus und raucht eine Zigarette. Die Passanten empören sich. „Wie kann der das tun? Gerade er müsste es kapiert haben!“

Leute glauben, wenn man gesund lebt, wird man…

von Lena Kelm

Zurückgekehrt aus dem Urlaub stehe ich auf einem U-Bahnhof
ohne Fahrstuhl. Also muss ich wohl oder übel die Treppen
hochsteigen mit meinem prallen schweren Koffer. Hochtragen
kann ich ihn nicht wegen meines kaputten Knies. Ich…

von Sascha Grosser

Wenn der Nebel
den Farben das Leuchten verbietet,
jeden freudigen Ton
in sanftem Schweigen erstickt
und die Schönheit des Augenblicks
in eine dicke Decke aus Schwermut hüllt...

von Corinna Herntier

"Alles einsteigen! Wir besuchen Oma und Opa in Lübeck."
Der Vater nahm auf dem Fahrersitz des hellblauen VW Käfers Platz, seine Frau daneben und ihre Tochter auf der Rückbank.
"Opa hat heute Geburtstag und Oma bereitet zur Feier des…

von * noé *

Wer, frage ich Sie, liest sie gründlich, all die kleinen Schilder, mit denen Aufzüge sich schmücken? Meist dienen sie als Fixpunkt für die Augen, damit der Kontakt zu den Mitfahrenden nicht „kritisch“ wird.

In dem kleineren der beiden…

von Wolfgang Luley

Schachweltmeister Aljechin wird in einem Pariser Café zu einer Partie Schach herausgefordert. Sein Gegner hat eine weibliche Begleitung dabei, die, man sieht es ihr an, über den Mut ihres Freundes strahlt. Aljechin lässt sich nicht lange bitten.…

von midnight talker

Schmerz, dein treuer Begleiter im Leben. Verkleidet als Arzt, Teufel oder treuer Freund steht er stillschweigend hinter dir. Er gibt kein Mucks von sich sodass er in stressiger Routine nicht erkannt werden kann. Doch so selbstsüchtig wie er ist…

von Angélique Duvier

Der letzte Vorstellungstag des Stückes „Eurydike“ von Jean Anouilh rückte immer näher.
Über vierzig Vorstellungen hatten wir bisher mit großem Erfolg absolviert. Ich spielte die Titelpartie des Stückes, eine sehr schöne, aber auch schwere…

von Uwe Kraus

Es begab sich schon vor langer zeit. Vor langer grauer vorzeit, damals, als die worte entstanden. Da waren männer und frauen, die lebten für das wort, das ausgesprochene wort. Auch adam und eva lebten in dieser zeit.

Ich kann sagen, dass…

von Klaus Mattes

Am Tag, als wir erfuhren, dass der Kölner Autor Jürgen Becker den Georg-Büchner-Preis zuerkannt bekommen hatte, knapp 82 Jahre alt, in den sechziger Jahren war er mal ein respektierter Avantgardelyriker gewesen, dann WDR-Redakteur und Leiter des…

von Daniel Büttrich

Der Hamlet von Shakespeare wurde seit Jahren in jeder Spielzeit eines kleinstädtischen Theaters aufgeführt. Ein älterer Herr hatte sich stets die erste Aufführung des Hamlet angeschaut, und sich dafür jedes Mal den selben Platz in der letzten…

von Almuth Wessel

Das Stigma – oder: etwas, womit sie nicht gerechnet hatte....

Eines Morgens bekam sie einen Anruf: der Lokalchef der größten Tageszeitung ihres Wohnorts wollte sie sprechen. „Könnten Sie nach Feierabend bei mir im Büro vorbeischauen? Es…

von * noé *

"Die Trauerweide", sagte ich, "war immer schon mein Lieblingsbaum, unter all den vielen Bäumen, besonders, wenn sie am Bachufer steht.
Man kann sich so wunderbar verstecken zwischen ihren bodenlangen Strähnen und ins fließende Wasser…

von Uwe Kraus

Ach, was war das noch? Ein Ei, das man züchten konnte, doch eher die Entwicklung zum Probelauf der neuen Handygeneration! Internet, die Maschine brennt, würde Falco sagen, der eher unvergessen bleibt wie der Karl-May-Film im Sonnabendprogramm der…

von Wolfgang Luley

Paulo, der Sohn Picassos, besucht seinen Vater im Atelier, wo der, mit einer Axt, auf einen Schrank einschlägt.

"Du machst Feuerholz?"

"Nein, ich zertrümmere den Schrank und setzte ihn neu zusammen. Das ist Kunst!"

Paulo…

von Verena fischer

Heute ist ein Tag wie jeder andere: Ich fühle mich ausgequetscht und unterbelichtet. Doch damit soll jetzt Schluss sein! Voller Tatendrang steuere ich in den nächsten Supermarkt, schnappe mir einen Einkaufskorb und werde dem Leid ein Ende setzen…

von Heinrich von Kleist

In einem bei Jena liegenden Dorf, erzählte mir, auf einer Reise nach Frankfurt, der Gastwirt, daß sich mehrere Stunden nach der Schlacht, um die Zeit, da das Dorf schon ganz von der Armee des Prinzen von Hohenlohe verlassen und von Franzosen, die…

von Klaus Mattes

Soeben hat die Sozialdemokratische Partei Deutschlands in Gestalt ihres Vorsitzenden Sigmar Gabriel offiziell erstmals eingeräumt, dass es in Deutschland auch eine Armut gibt.

Eine Tauwetterperiode könnte morgen den alternativefreien…

von svaari mks

An meine beste Freundin,

wenn ich nicht mehr denken wollte, weil mein Pessimismus und meine Empathie die Hoffnungslosigkeit vorantrieb, gabst du mir das unglaublich großzügige Geschenk der Gleichgültigkeit.
Wenn mein Kopf die…

von Daniel Büttrich

Er habe für sein Leben mehr aus Kinderbüchern von Janosch und Otfried Preußler als durch seine Schulzeit gelernt, er habe aus tschechischen Kinderfilmen und Märchenfilmen mehr über das Menschsein erfahren als von seinen Lehrern, erzählte der…

von Ralle Neustadt

Im Wohnzimmer

Sie: „Ich hab ́dich ziemlich gern, weißt du?“
(Pause.)
„Ich dich auch.“
„Ziemlich.“
Längere Stille.
Wieder sie: „Wirklich, ich mag dich sehr.“
(Pause.)
„Mhm.“
(Pause.)
„…

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