Die Mahatma-Gandhi-Philosophie

Gegen 1 Uhr in der Nacht lassen sich die besten tiefschürfenden Gespräche über Philosophie, Gott und die Welt führen. Wir befinden uns im Louise-Ringwald-Park, unweit des Lasse-Webbstein-Brunnens. Auf einer Bank sitzen zwei ältere Männer. Beide haben keine Smartphones, graue, strähnige Haare und stark verfilzte Bärte.

Die Berber trinken gemeinsam ihren „Rebenstolz“ (10,5 %) aus dem TetraPak, sie lieben nächtliche Gespräche beim Tütenwein. Der eine, Conrad, fragt seinen alten Freund Rüdiger: „Sa ma, sa do ma, weller Wilololie hängste an, rüder Rü-Rüdiger?“

Der weitaus weniger trunkene Rüdiger spricht: „Welche Philosophie ich bevorzuge, fragst du mich, Gevatter Conrad? Das ist leicht zu beantworten. Ich fühle mich sehr stark von der Mahatma-Philosophie angesprochen!“ Er nimmt einen großen Schluck.

„Ga-Ga-Gandhi? Aaaah, der Salzmarsch 1930... (schwelgerisch) Es gibt keinen Weg zum Frieden. Frieden ist der Weg! (merkwürdig nüchtern wirkend, äußerst pathetisch und weihevoll) Mohandas Karamchand Gandhi, ja, auch ich verehre diesen Mann so sehr... (Bewundernd schaut er Rüdiger an) Da-Damidd steigsu in meina Achdung, du alte Stinkesocke!“ (jetzt doch wieder deutlich betrunkener) Mahatma, die große Seele (und er streicht wiederholt würdevoll durch seinen längeren Bart) ...aaaah...“

Rüdiger: „Wie? Was? Gandhi?? Nein. Mit dem habe ich nichts zu schaffen. Mahatma heißt einfach nur >Ma hat ma Glück im Leben, ma hat ma Pech im Leben!< Wechselt sich permanent ab, hält sich die Waage. Das ist meine Philosophie, Conrad, du völlig besoffene, exorbitant stinkende Tütenwein-Nachteule...“

Und Conrad nimmt einen wirklich beängstigend großen Schluck aus dem TetraPak. Fast ernüchtert stellt er fest: Die Welt ist wieder im Gleichgewicht. Seit 1:12 Uhr ist keine Änderung der Weltordnung festzustellen. Es bleibt alles beim Alten. Und das verstört und beruhigt gleichzeitig. Auch eine Art Philosophie. Aber einfach gestrickt.

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