Die gewährte Telefon-Audienz

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„Papst?!“

„Ja, hallo auch. Tringelenpief der Name. Wollte mal höflich anfragen, ob ich Sie was fragen darf. Haben Sie gerade Zeit?“

„Nun ja, einen Augenblick hätte ich schon. Wenn das keine Meinungsumfrage ist. Die hasse ich nämlich, diese Umfragen. Kenne ich Sie denn überhaupt?“

„Ich mag auch keine Umfragen. Keine Bange. Ist rein privat. Und nein, wir hatten noch nie das Vergnügen miteinander. Ich habe Ihre Nummer aus dem Telefonbuch.“

„Ah so... Dann ist´s ja gut. Ich meine damit, dass ich nicht schon wieder auf die Frage antworten muss, wann ich zuletzt eine Flugreise unternommen habe oder wo ich die Topfpflanzen kaufe, beim Gärtner oder im Discounter. Also, was haben Sie auf dem Herzen, Herr... Tringelenpief?“

„Also, ich hab da mal eine Frage. Bei uns im Haus sind da 2 Männer eingezogen. Die sind verheiratet. Miteinander! Das müssen Sie sich mal vorstellen. Wie gehe ich als gläubiger Katholik nun damit um? Das überfordert mich sehr. Dachte, es sei besser, damit direkt zu Ihnen zu kommen. Da sind doch Sie zuständig, richtig?“

„Sie wissen schon, dass Sie hier nicht Seine Heiligkeit, Papst Franziskus, am Telefon haben? Ich bin nicht der Pontifex!“

„Aber Sie heißen doch Franziskus Papst, richtig?“

„Stimmt schon. Aber ich wohne nicht im Vatikan, sondern in Gelsenkirchen-Schalke!“

„Ja, darüber hatte ich mich auch schon gewundert, nämlich, dass Sie plötzlich in GE-Schalke wohnen...“

„Und Deutsch spreche.“

„Auch das ist merkwürdig, ja... Aber froh bin ich schon deswegen. Mein Italienisch ist nämlich miserabel. Buongiorno, Adorno.“

„Lieber Herr.... Herr Tringelenpief, wenn Sie ein Problem mit dem schwulen Pärchen im Haus haben, warum veranstalten Sie nicht eine kleine Advent-Feier bei sich, und laden hierzu gerade eben auch diese beiden Herren ein. Vielleicht sind sie ja ganz nett und freundlich. Und Sie können auf diesem Weg Ihre Vorurteile, Ressentiments und Ihre Homophobie ad acta legen. Was meinen Sie? Klingt das plausibel? Punsch und Plausch mit Hinz und Kunz, und schon ist wieder Frieden in der Hütte!“

„Sie sprechen aber genau wie der Papst Franziskus, finde ich.“

„Der aber hält sich gerade im Vatikan auf! Kann ich an zwei Orten gleichzeitig sein?“

„Ihre Heiligkeit vermögen so viel... Warum dann nicht auch an zwei Orten gleichzeitig auftauchen?! Eventuell können Sie ja auch Kranke heilen und Wasser in Wein.... ach nee, Moment mal, das war ein gänzlich anderer...“

„Noch einmal, zum Mitschreiben. Ich bin nicht der Pontifex.“

„Ich hab hier auch kein Fax. Ist doch eh völlig außer Mode. Ich meine, Faxe schicken. Faxe trinkt man, denn es ist ein gutes, dänisches Bier. Aber Faxe verschickt man ja heutzutage nicht mehr... Da könnte man auch Brieftauben schicken.“

„Ich sagte PontiFEX! Nicht Pontifax!“

„Ja eben, sag ich doch. Nur keine Faxe mehr. FedEx geht ja sogar schneller. Heute schickt man eine SMS oder eine Email. Aber mit Fax & Co. will doch keiner mehr etwas zu tun haben. Das ist total out.“

„Wie auch immer. War´s das jetzt? Ich hab meine Zeit auch nicht beim Pferderennen gewonnen...“

„Wie jetzt? Sie wetten? Auf Pferde? Allerhand, was so ein Oberpfaffe alles treibt. Ha! Dass Ihr Damenwäscheträger so allerhand auf dem Kerbholz habt, das habe ich ja gewusst. Ihr seid mit allen Wassern gewaschen. Aber sogar Pferdewetten? Heiliger Franziskus, das ist allerhand... Und so einen soll ich in Glaubensfragen ansprechen? Um Rat fragen? Nein danke. Da spreche ich doch lieber mit dem hiesigen Pfarrer Dr. Hähnlein. Dazu brauche ich überhaupt keinen Papst! So!! Ich geh zum Dr. Hähnlein!“

„Na, dann leben Sie wohl, Sie tumbe, homophobe Trantüte!“

„Das ist doch....“ Aufgelegt. Eine Frechheit. Was erlaubt sich dieser Papst? Na, den wähle ich aber ganz bestimmt nicht für weitere 4 Jahre, diesen arroganten Heini, so dachte Heiner Tringelenpief in diesem Augenblick. Und er strich energisch „Papst, Franziskus“ mit einem fetten Edding aus dem Örtlichen Telefonbuch Gelsenkirchen. Sollte er diese Nummer doch noch irgendwann einmal brauchen, so hätte sie sicher auch Dr. Hähnlein. Ja, ganz sicher sogar. Dammich eins, dachte Heiner, jetzt hatte dieser Typ mit der hohen Mütze doch tatsächlich vergessen, ihm den gewichtigen Urbi et Orbi-Segen mit auf den Telefonweg zu geben. Sehr ärgerlich. Genau den hätte er doch nun wirklich gebrauchen können, da er bereits im 4. Monat ohne nur den geringsten Lottogewinn dahinvegetierte. Ohne jeden Gewinn! Nicht einmal die übliche Ködergewinnausschüttung von 2,50 Euro. Nicht einmal die.

Er suchte und fand die Nummer des Pfarrers. Anrufbeantworter. Die Domglocken. Es klingelte in den Ohren, so laut waren die. Schließlich die Stimme des Pfarrers. „Grüß Gott! Bin zu einer Papst-Audienz zum Vatikan unterwegs. Werde am 1.11. wieder zurück sein und, wie üblich, am kommenden Sonntag wieder die Heilige Messe mit Ihnen feiern. Halleluja! Sollte es pressant sein, so sprechen Sie bitte Ihre Nachricht auf den AB. Gleich nach dem Plopp! Vielen Dank. Gott sei mit Ihnen!“ Sollte es nicht eigentlich „Gleich nach dem Piep“ heißen? Heiner war verwirrt. Doch da hörte er es schon. Ein deutliches Ploppen. Korkenknallen. Champagner. Dr. Hähnlein wusste zu leben. Heiner legte auf.

Da ist der alte Hähnlein also tatsächlich nach Gelsenkirchen gefahren, dachte Heiner Tringelenpief, zum Zweitwohnsitz des heiligen Mannes. Ist ja nicht weit, von Bottrop aus. Da ist man flott angekommen. Was die zwei so zu bequackeln haben, da würde man doch gerne mal Mäuslein sein, dachte Tringelenpief. Zwei Damenwäscheträger unter sich. Müsste sicherlich sehr unterhaltsam sein. Messwein und Oblaten, kleine Häppchen, Anekdötchen und manch schlüpfriger Witz... In Gelsenkirchen-Schalke steppt der Papst Franziskus, und Dr. Hähnlein mittenmang.

Seine Sache musste warten. Bis zum 1.11. gleich nach der Messe. Und ihm kam es so vor, als sei die Meinung seines hiesigen Pfarrers ebenso viel wert wie die des Hl. Franziskus in Schalke. Dennoch bleibt es festzuhalten: Es sind schon merkwürdige Leute, diese Pfaffen und Päpste. Mitunter recht bizarre Persönlichkeiten. Hätten Sie gedacht, dass Franziskus seinen Zweitwohnsitz in Schalke hat? Nein, nicht doch, es heißt in Schalke, wenn man den Stadtteil meint. Aber auf Schalke, wenn man in das Stadion AufSchalke geht, in die Veltins Arena. Ein Dortmunder würde sagen: Dat is irjendwo in Herne West, den genauen Namen kenne ich nicht. Schlacke vielleicht??

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Interne Verweise

Kommentare

30. Okt 2020

"Franz-is-Kuss" - Frau Krause war:
Bei 'ner Audienz! (Was da geschah ...)

LG Axel

30. Okt 2020

...und und und überhaupt ist an 1.11. doch Aller'schein'heiligen oder etwa schon vergessen...?? ;-)))

Na dann...

LG Uschi

03. Nov 2020

Dank Euch allen recht herzlich für die
köstlichen Kommentare. Und richtig,
Uschi, Scheinheiligen wurde genau
deswegen auserwählt, Du hast den
Nagel auf den Kopf getroffen. Danke.

LG von Garfield