Irrwitzige Betrachtungen in einem Gespräch

von Alf Glocker
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„Scheiße, wir werden sterben!“
„Magst du ein Eis mit Erdbeeren? Beim Niedermaier hat‘s heute Morgen welche gegeben."
„Siehst du denn nicht, daß sie schon überall sind?! Dort, wo sie herkommen, aus der Hölle, haben sie kürzlich den letzten von uns hingerichtet!“
„Nein, ich glaube nicht, daß es heute noch regnet – im Wetterbericht haben sie nichts davon gesagt."
„Es sind die Dämonen, es sind die Dämonen! Sie bezeichnen uns als Abschaum und so langsam denke, sie haben wohl Recht!"
„Im Fernsehen kommt heute die Lindenstraße, das ist die Serie, wo immer alles ganz normal ist. Schauen wir die gemeinsam an?“
„Ich kann nicht, einer der Anführer der Dämonen hat kürzlich verkündet, daß es bei uns genauso wie in der Hölle ablaufen wird – alles was weiße Flügel hat, wird eliminiert!"
„Eliminiert? Aber die neue Gartenbeleuchtung geht doch ganz gut … hast du die Türe vom Gartenhaus repariert?!"
„Wozu? In 4 Jahren ist alles zu Ende, da haben wir den Anfang vom Ende erreicht und sie werden Jagd auf uns machen! Bisher dachte ich immer, das wäre erst in 10 – 15 Jahren der Fall … ich bin halt immer noch zu gutgläubig … aber nun weisen neueste Statistiken und Hochrechnungen auf das Ende in, sage und schreibe, bereits 4 Jahren hin. Ist das nicht schrecklich?!“
„Du hast mir noch gar nicht gesagt, wie mir der neue Hosenanzug steht – meinst du, ich kann den im Geschäft auch tragen?“
„Jetzt bringen sie hauptsächlich Kinder um, um für ihren eigenen Nachwuchs Platz zu schaffen!“
„Mach dir keine Sorgen, bis heute Abend ist der Benzinpreis schon wieder gesunken, dann können wir zum Tanken fahren und übermorgen machen wir dann einen Ausflug."
„Frauen werden jetzt ja praktisch am laufenden Band vergewaltigt…“
„Das ist so, auf Jahrmärkten – hat kürzlich die von Dings gesagt, die meint, daß die Gesellschaft insgesamt ein bisschen verroht."
„Echt? Ich dachte, es sind immer die Gleichen?“
„Welche Gleichen? Es können doch gar nicht die Gleichen sein! Da müssten ja die Leute von Stadt zu Stadt reisen und überall Verbrechen begehen. Nein, das sind natürlich immer wieder andere – einer allein, oder ein paar Gleiche schaffen das doch gar nicht!“
„Das habe ich nicht gemeint!“
Dann drück dich bitte deutlicher aus. Es versteht ja kein Mensch, was du sagen willst!“
„Ich habe die Dämonen gemeint, es sind immer die Dämonen. Da, wo sie herkommen, aus der Hölle, wo man an den Teufel persönlich glaubt, haben sie kürzlich den letzten von uns beiseite geschafft … hast du das nicht gelesen?“
„Na, weißt du – es passiert so viel auf der Welt. Wenn ich mich da jedes Mal aufregen würde …“
„Du sollst dich bitte, nicht jedes Mal aufregen, sondern nur in den speziellen Fällen, wo es uns dann den Kragen geht!“
„Ach ja, grillen wollten wir heute Abend ja auch noch – sieh doch schon mal zu, daß der Tisch draußen sauber ist!“
„Ich krieg gleich Kopfweh!“
„Das liegt eindeutig am Wetter, aber du machst dir ja auch immer noch zusätzlich um die kleinsten Kleinigkeiten die größten Sorgen!“
„Um Kleinigkeiten? Wer werden sterben! In 4 Jahren ist es so weit!“
„Ja, aber es war immer schon so weit. Ein Flugzeugabsturz da, ein Erdbeben dort, ein Mörder hier, einer anderswo. Bei uns ist aber nie was. Das hätten wir schon gemerkt!“
„Wir? Wer wir? Du ganz sicher nicht – du merkst anscheinend nie was. Und mutig bis über die Selbstzerstörung hinaus bist du wohl auch noch?!“
„Jetzt hast du mir den ganzen Tag verdorben! Ich geh ins Bett zum Lesen, da kann ich mich wenigstens ablenken. Und wenn du nicht aufhörst, dir über jeden Mist Sorgen zu machen, solltest du morgen zum Arzt gehen."
„Um mir ein Beruhigungsmittel verschreiben zu lassen? Da kann ich ja gleich die Tagesschau anglotzen."
„Unglaublich, wie negativ du sein kannst. Lass doch den armen Dämonen ihren Dämonenglauben. Wenn sie an den Teufel persönlich glauben wollen, dann lass sie doch, das ist doch ihre Sache. Abgesehen davon sind sie Leute wie wir, Leute, die einfach nur leben wollen!“
„Ja, sorry. Das stimmt, abgesehen von allem sind sie nicht anders als wir – sie wollen nur leben … aber warum eigentlich nicht bei ihnen zu Hause, in der Hölle, wo sie kürzlich den letzten von uns hingerichtet haben?! Müssen sie das bei uns auch noch anstreben?!
„So, jetzt ist es aber genug – ich geh jetzt zu meiner Mutter zum Kaffetrinken!“
„Aber die denkt doch genau wie ich!“
„Ja, es ist ein Jammer mit den alten Leuten. Sie können sich einfach nicht anpassen!“
„Anpassen??? An den Tod anpassen, warum sollte man das tun wollen?“
„Du hast keine Ahnung, du machst nur immer alles mies! Wir leben ja noch, aber einmal müssen wir alle sterben. Das ist so auf der Welt, da kann man nichts machen … also, halt‘s Maul. Du spinnst doch!!“

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Kommentare

31. Jul 2018

Man dankt und ist vor Hitze platt -
wo man die Worte nicht mehr hat!

LG Alf