Als die Götter noch vierbeinige Ameisen waren – 10. Der vorletzte Weltsturm

Bild von Alf Glocker
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Im, als Reservoire für Eventualfälle angelegten Asteroidengürtel fand sich bald das geeignete Objekt. Es handelte sich um einen Brocken der größer war als der spätere Mount Everest! Er wurde mit Leichtigkeit aus der Bahn und auf den richtigen Kurs gebracht… Bis zu seinem Auftreffen auf dem Planeten Erde war noch ein wenig Zeit, in der es dem Zentralcomputer oblag herauszufinden wer oder was eines Überlebens würdig schien und was nicht. Diesmal musste sehr akribisch zu Werke gegangen werden. Man durfte nichts dem Zufall überlassen.

Im Wasser, auf dem Land und in der Luft waren die Einsatzkommandos tätig. Sie töteten Flugsaurier, ließen jedoch die Vorfahren der Vögel am Leben. Sie sortierten sämtliche Ichthyosaurier aus und sammelten die Fischarten ein, um sie später wieder auszusetzen. Sie brachten alle Landsaurier um, retteten aber Schlangen, Schildkröten und Krokodile, damit die neue Welt noch Erinnerungen an die Vergangenheit, zur Ausbildung einer blühenden Phantasie aufbauen könne.

Den rattenähnlichen Kleinwesen, die ihre Jungen säugten kam eine besondere Stellung zu. Von ihnen wurden nahezu alle Arten eingefangen und beschützt, denn von ihnen versprach man sich Großes. Ob das zu Unrecht sei, würde sich noch zeigen müssen. Die skeptischen Stimmen mehrten sich jedoch bereits wieder, die jetzt schon vor einem zukünftigen Wesen warnten, dessen Sexappeal lebensbestimmend und Grausamkeiten hervorrufend sein würde. „Diese Wesen werden praktisch aus einem einzigen Geschlechtsteil bestehen“, protestierten die Skeptiker, „ihr ganzer Körper ist ja auf Berührungen – will heißen dem ständigen Suchen nach Nähe – ausgelegt“.

„Gerade darin könnte das Geheimnis der allumfassenden Weisheit liegen“, versprach Vordenker 1, VR-00-00-69, „natürlich nur, wenn sie lernen damit klug umzugehen“. War das nun schwarzer Humor, die verstiegene Hoffnung eines Außenseiters, oder einfach der naive Ausdruck eines schwerwiegenden Irrtums? Die Meinungen hierzu waren geteilt, aber es blieb keine Zeit mehr für Diskussionen, denn die riesigen Evakuierungsschiffe (die selbstverständlich auch ein gerüttelt‘ Maß an Pflanzen an Bord genommen hatten) befanden sich auf der Flucht vor der Katastrophe in einer Umlaufbahn, kurz vor dem Zeitsprung in die nächste Epoche.

Dann schlug der Super-Mount Everest auch schon ein. Seine Aufschlagsenergie war beeindruckend (so sehr, daß eine leichte Kurskorrektur der Umlaufbahn der Erde vorgenommen werden musste, damit sie nicht von ihrem Kurs abwich und in ein paar Millionen Jahren auf die Sonne zuraste)! In atemberaubender Geschwindigkeit überzog sich die Erde mit einem undurchdringlichen Staubfilm, der sehr lange erhalten blieb – so lange daß restlos alles Leben erlosch! Die Erde war tot, wüst und leer, nur der Geist der Götter schwebte über den Wassern und irgendwo in der Zukunft, sprach der Zentralcomputer: „Es werde Licht!“ Und es ward Licht! Überall, besonders gut auf der Nachtseite des Planeten zu sehen, steuerten Raumschiffe auf die Erdoberfläche zu. Ihre Bremsenergie ließ sie intensiv rot aufleuchten. Sie landeten und Millionen Roboter, in göttlicher Begleitung, transportieren Käfige und Bottiche, Aquarien und Terrarien auf die neue Welt…

Natürlich musste sich dieser Vorgang in einem streng festgelegten Rhythmus vollziehen. Erst wurden die Pflanzen ausgesetzt, dann rückten die Schiffe eine Zeitzone weiter und entließen die Insekten auf einen jetzt grünen Planeten. Dann folgten die Fische im Wasser und die Vögel in der Luft. Zuletzt bekamen die Reptilien und danach die Säugetiere ihre Freiheit zurück. Dies geschah wie an einer Perlenschnur, in kleinen Zeitsprüngen, wie sie eben nur Götter machen konnten, auch wenn sie einmal vierbeinige Ameisen gewesen waren…oder eben gerade deshalb! Dann war wieder alles komplett: komplett verändert! Denn nun entwickelten sich die Säugetiere langsam zur beherrschenden Spezies auf der Welt. Allerdings hatte auch das seine Tücken, denn es gab Hindernisse.

Wieder war die Geschwindigkeit, mit der sich die Tiere spezialisierten, bei den Echsen eine Spur höher als bei den Säugetieren. Die Krokodile wuchsen zu 12 Meter langen Monstern heran und unter den Vögeln entstanden riesige Laufvögel, die praktisch die kleinen Raptoren der alten Zeiten zu ersetzen drohten. Doch noch waren die Kontinente getrennt – und einem bislang separierten Teil der Erde, wo es ausnahmsweise keine „Terrorvögel“ gab, machten sich endlich kleine, wolfsartige Raubsäuger breit. Dann verschmolzen die Kontinente zu einem Superkontinent „Pangaea“ und der Kampf konnte beginnen. Die pseudosozialen Säugetiere machten Jagd auf die Vögel, wie auf alles andere was nicht ganz so klug war wie sie selbst und sie etablierten sich langsam, als die neue Krone der Schöpfung. Sie machten sich die ganze Erde untertan!

Von da an brauchten die Götter nur noch zusehen, wie explosionsartig die Arten entstanden. Der Lebensbaum verzweigte sich fruchtbar in alle Richtungen und noch nie hatte je ein Planet eine derartige Vielfalt gesehen! Die Abgesandten der Götterstädte staunten nicht schlecht als sie die Bescherung sahen und sie applaudierten den Teams und Gruppen, die an diesem einzigartigen Werk beteiligt waren.

Nun wurde die Natur einfach einige Millionen Jahre sich selbst überlassen. Nur gelegentlich kontrollierte man den Fortgang der allgemeinen Entwicklung, staunte und war beinahe schon unbesorgt, dann gab es Neuigkeiten: Von den vierhändigen Kreaturen, die sich beim Klettern in Bäumen das perfekte dreidimensionale Sehen, das Abschätzen von Entfernungen und den Gebrauch einfachster Werkzeuge angeeignet hatten, fingen zu „denken“ an. Sehr primitive Denkvorgänge, die sich ausschließlich mit Herrschaftsansprüchen (Rangkämpfen), Partnerwahl und Nahrungsbeschaffung beschäftigten traten aus dem Dunkel der Schöpfung hervor und manchmal wurde auch schon einer dieser Primaten dabei beobachtet, wie er nachts sekundenlang den Mond anstarrte und dabei in eine Art „melancholische Starre“ verfiel.

„Jetzt muss etwas getan werden und nicht später!“ meldete sich der Vordenker 2, VR-DD8C-56 zu Wort und Vordenker 1 gab ihm unumwunden recht: „Setzt den Improvisations-Imaginator in Gang! Wir müssen erfahren was wir tun können. Das Team um 77-OLKTG, die wissenschaftliche Leitung der Planungskommission innehatte, stellte Modelle zur Verfügung und man konnte deutlich einen Savannenbewohner erkennen, der einen Speer auf dem Rücken trug und Steine als Faustkeile benutzte. Doch dafür war das Gehirnvolumen des momentanen Primaten noch zu gering. „Es ist Zeit ihm den Keim zum geistigen Wachstum einzupflanzen“, schlugen nun alle Teams vor und so ging man wieder einmal ans Werk: Einige urtümliche Primaten-Gruppen kamen in den Genuss neuer, fremder Zellen, die das Gehirn dazu anregen sollten mehr Synapsen zu bilden und, im Falle einer Fortpflanzung, einen positiven Einfluss auf die nachfolgende Generation (die Ausbildung größerer Gehirne) auszuüben…die ersten Affenmenschen entstanden, die sich konstruktive Fragen stellten. Aber ein weiter Weg lag noch vor ihnen.

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Kommentare

10. Sep 2020

LAUT Krause sei das Säugetier "janz out!" -
Das mit der Milch sei schwer VERSaut ...

LG Axel

10. Sep 2020

Da hat die Krause wieder recht -
die Säugewelt ist nicht ganz echt!

LG Alf