Als die Götter noch vierbeinige Ameisen waren – 26. Der Schicksalsgenerator verselbständigt sich

Bild von Alf Glocker
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Der einfachste Gott verfügt über ca. 10 Millionen Mal mehr Wissen als der gebildetste Erdenmensch, aber der klügste aller Götter verfügt nicht über erheblich mehr Vorstellungskraft (Phantasie) als das intelligenteste Menschenwesen. Doch den Menschen nützte das nichts! Denn der Generator machte sich daran, die gigantischste Schicksalsfalle aufzubauen, die das Universum bis dahin jemals gesehen hatte. Aber er hatte akribisch seine „Pflicht“ getan …

Materiell reiche Menschen waren fast schon, vor lauter Wohlstand, ihres Lebens überdrüssig geworden, da ihnen ja schlichtweg alles gelang (sie nannten das „Erfolg“) – und große Künstler oder Erzähler hatten genau die Not und Verzweiflung erlebt, die sie „brauchten“, um mobilisieren zu können, was in ihnen steckte. Man hatte sie schamlos bzw. weil es gar nicht anders ging als bloße Macher des Fortschritts eingesetzt, damit die letzten Lernprozesse eingeleitet werden konnten.

Und wie lernt man am schnellsten, am nachhaltigsten? Durch Zerstörung! Sie prüft nicht nur den Einzelnen, sondern ganze Völker. Zerstörung kann jedoch ausschließlich durch Unvernunft initiiert werden. Die aber erfordert den Einsatz von Kleingeistern, die sich zu allem verführen lassen! In Europa gab es eine Menge davon, sie mussten nur für den „guten Zweck“ (das böse Machwerk) eingesetzt werden. Dazu wurden Motivation und Angst benötigt und beides kam durch die Entstehung des Deutschen Reiches zustande!

Nun zeigte sich, wofür Napoleon gut gewesen war! Sein Neffe Louis hielt sich für befähigt, ein 2. französisches Großreich entstehen zu lassen und geriet deshalb, um die spanische Thronnachfolge, in einen Streit mit Preußen, nachdem er zuvor einem Attentat durch den Italiener Orsini entgangen war. Er wird in den, vom Schicksalsgenerator eingefädelten, Krieg von 1870/71 verwickelt, wo er schmählich unterliegt und damit den Hass auf das vereinigte Deutschland begründen kann. Die Angst der anderen Europäer vor der aufstrebenden Großmacht ist enorm und eröffnet wiederum viele Möglichkeiten …

für eine übergeordnete Intelligenz, Dinge möglichst kompliziert zu regeln, damit das Endergebnis „Vernunftbegabter Mensch“ besonders vielschichtig ausfallen kann. Doch zunächst brodelt es in Europa! Das ganze Kerngebiet kreativen Geistes, von dem, nach Griechenland und Rom, die Erschließung und Besiedelung ganzer Kontinente ausging, stellte nun eine Bedrohung für alle seine Nachfolger dar, die aus ihm hervorgingen. Frankreich und England (Franken und Angelsachsen) wandten sich in Abscheu von der Militärmacht Mitteleuropas ab, um selbst weiter an weiterer Bedeutung zu gewinnen.

Um das Gefüge an seiner schwächsten Stelle zu treffen „engagierte“ der Schicksalsgenerator den geistig verblendeten Serben „Princip“, der den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand ermorden sollte … denn Österreich war mit Deutschland verbündet und Deutschland sollte schlussendlich die Kastanien aus dem Feuer holen. Aber das war nicht ganz einfach, denn das Feuer brannte noch nicht. Bereits hier machte sich der Generator einen Scherz aus seinem Vorhaben, indem er den späteren Mörder „Princip“ heißen ließ! Denn das Prinzip der Gesamtplanung sollte ja die Zerstörung sein.

Selbstverständlich fiel dieser komische Umstand niemandem auf – ebenso wie die mathematische Wahrscheinlichkeit, daß der Attentäter tatsächlich auf sein Opfer traf. Sie lag bei 1 zu einer Million. Sarajewo war groß, es hatte ein unüberschaubares Gewirr aus Straßen und Gassen … und der erste Versuch, Franz Ferdinand umzulegen, war bereist schiefgegangen. Man hatte einen Wagenkonvoi angegriffen, der den Thronfolger gar nicht transportierte! So entwickelte sich eine „spaßige“ Verfolgungsjagd!

Der Attentäter irrte planlos in Sarajewo herum, bewaffnet und trotzdem machtlos. Wäre der Generator nicht eingeschritten, würde es das große Österreich vielleicht heute noch geben. Er gab dem armen Franz Ferdinand ein, die Verletzten des 1. Attentats hochherrschaftlich im Krankenhaus besuchen zu müssen und die Fahrer der 2. Wagenkolonne, in welcher diesmal tatsächlich der Thronfolger saß, machte er orientierungslos, so daß sich die feine Gesellschaft total verfahren musste. Schließlich beschlossen die Chauffeure sich die Karte noch einmal genauer anzusehen …

Dazu bogen sie in eine unbelebte Seitenstraße ab, in die zuvor der Attentäter dirigiert worden war! Der staunte nicht schlecht – aber er schoss sofort und traf natürlich auch gleich punktgenau! Franz Ferdinand und seine Gattin starben noch auf dem Polstersitz ihres Automobils … und die verrückte Menschheit hatte einen Grund, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Denn nun war die „Ehre“ eines inzestuösen Adels verletzt worden, der seine, miteinander verwandten, Mitglieder auf fast allen europäischen Thronen hatte.

Dessen ungeachtet glaubte sich der österreichische Kaiser im Recht, als er Wilhelm II. um Beistand anging, damit seine Monarchie das „Gesicht wahren“ und Serbien bestraft werden konnte. Das wiederum betraf Zar Nikolaus von Russland, der ebenfalls in den großen Verwandtschaftstopf gehörte. Nikki schrieb Willi – so redeten sich die beiden Kaiser Deutschlands und Russland an – „Sag mal, sollen wir nicht einfach den Krieg bleiben lassen?“ Willi hätte ja eingewilligt, aber die oberstolzen Generäle der Wehrmacht glaubten sich unbesiegbar und überredeten ihren doofen Landesherrn, schließlich, zusammen mit Franzi, dem Seppi von Österreich, gegen Nikki von Russland ins Feld zu ziehen.

Das brachte Frankreich und England auf den Plan und überall freuten sich auf der Stelle die Großindustriellen aller Seiten, wie auch die mächtigen Bankhäuser, die mit Freuden die größten Summen für die geistig verkorksten Streithähne zur Verfügung stellten, damit die Sache auch wirklich richtig in Schwung kommen konnte. Und so durften auf allen Seiten, für Gott und alle „Vaterländer“, Millionen Menschen ihr Leben lassen, oder auch auf die eine oder andere Weise so sehr verletzt werden, daß sie ihres Lebens nicht mehr froh werden konnten. Unglaubliche Materialschlachten, die sogar die Götter verblüfften, spielten sich ab und schufen im Gedächtnis der entzweiten Europäer den Nährboden für die, auf dem Fuß folgende Auseinandersetzung, die aus diesem 1. Weltkrieg resultieren sollte.

Anstatt aus der Erfahrung zu lernen, weiterzudenken und kommende Gefahren aus ganz anderen Weltregionen vorauszuahnen, versteiften sich die Eingebildeten der wichtigsten Nationen der Erde, zu denen, durch ihren absurden Kriegseintritt, nun auch die USA gehörte, auf eine ewige Feindschaft gegen Mitteleuropa, deren Bevölkerung man es, mittels Auferlegung einer unbezahlbaren Schuldenlast, so schwer wie möglich zu machen versuchte. Das konnte nicht mehr gut werden! Aber das war ja auch direkt beabsichtigt worden, denn, so argumentierte der Schicksalsgenerator, die Menschheit stand erst am Anfang ihrer zivilisatorischen Bemühungen!

Dazu sollte jedoch ein ungeheurer Umfang an Einsichtsvermögen und fundamentalem Wissen gehören. Vor dem Versuch der absoluten Selbstzerstörung durften die globalen Bemühungen jetzt nicht zurückschrecken, denn die Europäer wussten noch gar nicht genau, was sie wert waren, wie genau sie sich von den übrigen Teilen der Menschheit unterschieden und wovor sie sich wirklich in Acht nehmen mussten. Der Schicksalsgenerator aber feierte, nun offensichtlich zu einer eigenen Persönlichkeit geworden, sich selbst und freute sich schon auf die noch größeren Katastrophen, die aus dieser ersten hervorgehen sollten. Und wären die Götter nicht makellos schön und weise gewesen, sie hätten die Stirnen gerunzelt und ihre Gesichter in den Händen vergraben.

Zeichnung - Stifte
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