Buchbesprechung: Nelly Sachs – Gedichte

Bild von Uwe Kraus
Mitglied

Nelly Sachs war eine deutsche Lyrikerin, 1891 geboren, die als Jüdin 1966 den Nobelpreis quasi im „Exil“ für Schweden gewann. Im letzten Jahr war ihr großer Gedenktag, da sie am 12. Mai 1970, vor 50 Jahren, starb. Sie hatte eine enge Freundschaft zu Celan, und am Tag seiner Beerdigung in Paris, im Jahr 1970, verstarb sie in Stockholm. Sie schrieb sphärische, biblische Verse, die sich durch einen sehr ernsten, hohen Ton auszeichnen. Stark beschäftigte sie der Holocaust, die Verfolgung, und auch vor allen Dingen die Natur, die sie in Blumenbildern und schweren bildmächtigen Szenerien dazu nutzt, den Tod der Menschen zu verstecken, um etwas Grausames in sehr schönen Worten zu sagen. Erst muss ich erwähnen, dass ich mir weit mehr davon versprochen hatte sie zu lesen, wohl weil ich nicht richtig las! Ich vermisste einen anderen Tonfall. Ich dachte, sie würde weitaus härtere Dinge sagen. Eigentlich gehört sie in die Riege der großen Dichter der Nachkriegszeit, sowie natürlich auch schon zu den Exilliteraten, bestimmt auch Weltliteraten ... Ihr erstes Buch erschien bereits 1921, mit Unterstützung von Stefan Zweig. Celan war jünger als sie, auch Bachmann, aber ich finde, man muss sie alle drei lesen, zudem Hilde Domin oder Rose Ausländer, um zu empfinden, was Nachkriegslyrik und erlebtes Leid bedeuten. Berührend finde ich zum Beispiel diese Stelle aus dem Buch der Sammlung ihrer Gedichte:

Chor der Tröster
Gärtner sind wir, blumenlos gewordene
Kein Heilkraut lässt sich pflanzen
Von Gestern nach Morgen
Der Salbei hat abgeblüht in den Wiegen –
Rosmarin seinen Duft im Angesicht der neuen Toten
   Verloren –

Ein sehr genaues Bild, fast expressionistisch, unheimlich, gefühlvoll, die Menschen als Gärtner zu bezeichnen, die nicht mehr pflanzen können, kein Kraut ist dem Faschismus gewachsen. Wie ein Bild eines Feldes, auf dem der Salbei und Rosmarin vergehen, eventuell ein Grabplatz oder Schlachtfeld wird hier zu Metaphern … Wie wird das Gedicht enden? Wird es versöhnlich? Oder wird es noch sphärischer? Noch trauriger?

Ich verrate es nicht. Wer Einblick in die Lyrik von Nelly Sachs bekommen möchte, dem empfehle ich:

Nelly Sachs – Die Gedichte – Bibliothek Suhrkamp No.549. Mit einem Nachwort von Hilde Domin.

Das Buch kostet: 14 €.

Interne Verweise

Kommentare

30. Jan 2021

Das verdient (s)ein "lesenswert" -
Gut, wenn man davon erfährt!

LG Axel

30. Jan 2021

ja deine meinung ist wichtig

30. Jan 2021

Sortieren Sie bitte keine Meinungen ! Anstand und Aufrichtigkeit scheinen mir in der Beurteilung wichtig zu sein.
Danke für Ihren tollen Beitrag !

30. Jan 2021

es war gut gemeint, im übrigen, ich heiße Uwe..