Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten

von Alf Glocker
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98. Schritt

So langsam bekomme ich bei allem Probleme! Nichts darf ich mir mehr genau anschauen, schon überfällt mich die Panik! Warum? Weil ich mittlerweile dabei bin zu begreifen, daß ich nicht nur aller Wahrscheinlichkeit nach, sondern sogar ganz sicher, Teil eines, mehr oder weniger funktionierenden, Öko-Systems bin! Aber wie lange noch?

Um mir zu erklären warum ich am Verrücktwerden bin betrachte ich zuerst einmal einen Baum! Abgesehen davon, daß er über keinerlei künstliche Hilfsmittel verfügt, wie beispielsweise Kleidung, einen Ofen, ein Auto oder dergleichen, verhält er sich ähnlich wie ein Mensch: er wächst und gedeiht. In gewissen Abständen verteilt er seinen Samen über das Land – er blüht. Alles was er möchte ist existieren!

Meine 2. Betrachtung gilt den Tieren. Sie streifen umher und wenn es sind nicht um Haustiere (Katzen und Hunde z.B.) handelt, dann verfügen auch sie über keinerlei künstliche Überlebenshilfen. Sie fliehen oder jagen, fressen kahl was sie kriegen können, begatten sich wo es geht und bringen ihre Brut zur Welt, so häufig es nur geht.

Pflanzen und Tiere sind Teil eines momentan noch funktionierenden Öko-Systems, denn irgendwie halten sie sich immer, und das ohne groß studiert zu haben, in der Balance. Mit dieser Balance meine ich das empfindliche Gleichgewicht, in dem sich die Natur befindet. Um das etwas anschaulicher darzustellen, behaupte ich einfach mal folgendes: Spinnen sind verabscheuungswürdig!

Haha! Obwohl diese Behauptung nicht unbedingt wahrheitsfremd ist, füge ich jedoch hinzu: Wenn es uns gelänge alle diese schrecklichen Lebewesen zu beseitigen, dann würden uns bald die Schmeißfliegen ersticken! Warum? Weil sich die Vögel nicht rasch genug vermehren um der Fliegenplage Herr zu werden! Die Spinnen können das aber durchaus. Ist das nicht ekelhaft?!

Deshalb und aus vielen anderen Gründen genügt es folglich, wenn alles was lebt einfach tut wozu es geschaffen ist: da sein, im Dasein! Alles brandet gegeneinander an, wie das Meer gegen das Land, alles driftet in seinem Rhythmus durch die Wirren der Zeit, Kontinente und Spezies. Und alles findet seinen Weg ohne nach einem solchen gesucht zu haben. Ist das nicht wunderbar? Neiiiiiiien!!!

Das ist es absolut mitnichten! Denn da ist noch etwas, das einfach nur leben will! Wie es sich nennt, ist eigentlich vollkommen egal, aber das ist auch schon das einzige was an ihm vollkommen ist. Fehlerhaft an ihm ist zu nennen, daß es sich wie die Pflanzen verhalten will, sobald es auch nur geboren wurde: es möchte einfach da sein! Es möchte hier Wurzeln schlagen, blühen und sich verbreiten wie es ihm grade einfällt.

Es möchte auch wie die Tiere fliehen und jagen, fressen, aber nicht gefressen werden, es möchte Nester bauen und alles tun, damit sich seine Jungen verbreiten können, weiter und immer weiter und weiter – bis sie schließlich aus Platzgründen von der Erdenscheibe purzeln? Und dabei hilft ihnen auch noch eine Unzahl künstlicher Mittel, die imstande sind, daß niemand ihrem Treiben ein natürliches Ende setzen kann! Inzwischen weiß, glaube ich, jeder wer gemeint ist…

Hier stellen sich für mich automatisch zunächst einmal 2 fundamentale Fragen. 1. Sind wir Schmeißfliegen? Und 2. Wo sind die Spinnen? Hier helfen auch keine Vögel mehr, egal wer sie hat und wie groß sie sein mögen. Solange sich dieses Wesen selber demonstrativ heiligspricht, spinnt es eben permanent vor sich hin, bis ihm tatsächlich die Luft ausgeht. Denn sogar dafür sind die Mittel längst erfunden! Atemluft wird bald Mangelware sein, ebenso wie Wasser und Land!

Dann wäre also nur noch die Schuldfrage zu klären! Ich klage an: den Baum- ? Er steht blöd in der Gegend rum und hat nichts Besseres zu tun als andere Pflanzen nach Möglichkeit zu verdrängen. Und ewig singen die Wälder – harharr! Nein, Blödsinn! Dann klage ich an: das Tier – ! Es hat nichts weiter als Fressen im Kopf, es beißt ins Gras, respektive frisst die Bäume kahl, es frisst sich selbst gegenseitig auf und es legt dem anderen sein falsche Ei ins Nest um am Ende selbst Sieger zu bleiben… Kuckuck! Ist das so richtig?

Selbstverständlich…nicht!! Es wäre richtig, wenn eins dieser Geschöpfe über die Fähigkeiten des Obertieres, namens „Homo Sapiens“ verfügte und wenigstens ansatzweise das Telent den Überblick zu behalten (als anwendbar) in seinem Überlebensrepertoire hätte. De facto hat das aber nur der Mensch! Und wenn er es anwendet?

Dann gerät er entweder in den Focus der Religionen oder er unterliegt im geschäftlichen Wettbewerb, oder er ist eben immer noch ein Tier – sprich: zu blöde um überhaupt zu wissen was ein Mensch eigentlich ist! Da helfen auch keine Ausreden, wie das Anstreben der Weltherrschaft, die strategische Einwanderung, oder die gewinnbringende Förderung der Rohstoffe durch rücksichtslose, umweltschädliche Methoden. Blöd bleibt blöd! Wer wollte daran rütteln?

Alles hat eben Grenzen! Und irgendwann geht es nicht mehr so weiter, zumindest nicht mit den althergebrachten Methoden. Das erkennt – wer?
Nun, der Geschäftsmann sagt sich: „Nur noch 10 Jahre, dann bin ich, samt meiner Brut, saniert – die andern können dann immer noch alles anders machen.“ Das totalitäre System verkündet: „Wir schlucken jetzt nur noch dieses eine und 3 weitere Länder, dann haben wir sowieso das meiste und brauchen nichts mehr zu okkupieren – sobald die anderen eingesehen haben, daß wir in der Überzahl sind, können wir verhandeln“. Und die Religionen besagen: „Gott wird alles für uns regeln!“

Welche der angeführten Methoden die dümmste ist, kann auf Anhieb gar nicht festgestellt werden, sicher aber ist: dumm sind sie alle! Am allerdümmsten aber ist, daß, sollte es unter der Vielzahl von Wahnsinnigen, unbemerkt einen Menschen geben, er nicht den Hauch einer Chance hat, denn er steht nicht einfach nur blöd rum um sich auszudehnen, er flüchtet nicht so vor sich hin, er jagt auch nicht ohne Ende, er baut kein Nest nach dem anderen und er verbreitet sich so vorsichtig wie möglich, um seinen eventuellen Nachkommen nur dann eine Welt präsentieren zu können wenn sie möglichst wenig chaotisch ist. Ergo: er stirbt nicht nur aus, er bringt es vorher auch schon zu nichts!

Warum? Weil er, anstatt zu raffen denkt, weil er sich überlegt, unter welchen Bedingungen er arbeiten sollte und unter welchen sich wehren, weil er nach echt praktikablen Lösungen sucht, ohne an die Weltherrschaft, eine Monopolstellung oder Dogmen zu glauben, die nichts weiter einbringen als letztlich: keinen Verstand. Und – weil man ihm immer dann den Vogel zeigt, wenn er von angewandter Selbstkritik spricht. Er steht als Spinner in einer Welt von Elefanten im Porzellanladen da, die nicht wahrhaben wollen, daß sie mit ihrem Gewaltarsch gerade mal wieder etwas ignorant ausgerottet haben. Und schließlich ist alles für den Arsch gewesen – vor allem der Weg in den Wahnsinn!

©Alf Glocker

Buntstiftzeichnung - Titel: Stress
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