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Der Käufer auf dem Flohmarkt

Bild von Jurones
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Ein sagenhaftes und zugleich geheimnisvolles Parkhaus strahlt vor Schadenfreude und Unglück. Vor Schmutz, Zigaretten und Müll triumphiert das Bauwerk. Ein Meisterwerk, und zugleich eine Katastrophe, die die letzte Nacht zum Ausdruck bringt. Eine Feierlichkeit fand dort als Zusammenkunft geselliger Menschen statt. In der Nacht wurde das Parkhaus als Partymeile benutzt und ekelerregend leuchtet es nun. Nur das Hinterlassene erweckt diese Schadenfreude, die sich durch das Rauchen und Trinken zum Ausdruck brachte. Gebracht wurde ins Parkhaus viel an Konsumwaren, und wie Sand am Meer erstrecken sich die Zigaretten. All die Weinflaschen sind am Weinen und ihre Flut strömt wie eine Wasserpfütze. Zerbrochene Flaschen verbreiten die Verwüstung und warten mit Zigaretten gesellig auf eine schnellstmögliche Abholung. Nach sofortigem Mitnehmen wird geräuschlos gerufen und irgendeine Mülltone empfängt diese verwunderlichen Wünsche …
Draußen gibt es eine freudenreiche Straße, die dem Herbst unbedeutende Schönheit und Reichtum verleiht. Es bedeutet, dass das Parkhaus bald die Wohlhabenheit der Natur bekommen und sich als Dreck und Müll versammeln wird. Versammelt haben sich im Parkhaus viele Zigarettenkippen, die den Herbstblättern sinnbildliche Gesellschaft leisten. Der Herbstwind übergibt einen geheimnisvollen Nachschlag und all die Baumblätter verstreuen sich im Parkhaus. Ein Bild über ästhetischen Müll, das man als Post-Impressionismus bezeichnen könnte. Die zerbrochenen Weinflaschen sprechen über irgendeine Kunstfertigkeit, die man durch Abstraktion zu begreifen vermag. Ein Moment der abscheulichen Stille, die sich mit der Ewigkeit erstrecken möchte.
Ein junger Mann geht sorglos die Straße entlang und diese Jahreszeit begleitet ihn. Die Zeit lässt seine Zigarette aufrauchen und das Qualmen nimmt ein Ende. Die Zigarettenkippe lässt er am Straßenrand absichtlich liegen und versehentlich sein Feuerzeug und die Zigarettenschachtel auch. Das Zeug zum Fleiß und zur Arbeit hat der junge Mann. Denn das Parkhaus erwartet ihn und er hofft aufrecht, dass das vergangene Wochenende keine Spuren hinterlassen hat. Er trägt zwar eine gewisse Faulheit in sich, aber dennoch besitzen die Mühe und der Arbeitsaufwand bei ihm die größte berufliche Priorität. Einer beruflichen Tätigkeit muss er bald nachgehen, und es spielt keine Rolle, wie das Parkhaus wohl aussieht. Wohl fühlt er sich nicht, denn ohne Feuerzeug werden die köstlichen Zigaretten nicht geraucht. Geraucht hat er heute schon viel, obwohl der Tag gerade erst begonnen hat. Die Arbeit ruft und seine Armbanduhr antwortet, dass er zu spät kommt. Was kommen wird, wird kommen und was bleiben kann, wird gehen. Ohne Rücksicht auf sich selbst lässt er die Suche nach dem Feuerzeug sein und unverzüglich geht er ins Parkhaus rein. Sauber und rein sieht erfreulicherweise nur die Tiefgarage aus, und das erste Parkdeck wurde mit einem Teppich der Natur überzogen. Aus dem Nichts kann gar nichts entstehen und für das Nachgucken hat er nicht viel Zeit. Viele goldene Baumblätter schmücken das erste Parkdeck und irgendwie ist es ein erfreulicher Anblick, der die Augen vor Freude feucht macht. Sein Augenblick ist nicht mit Freude verbunden, eher verbunden mit der Arbeit sieht er diese Schönheit an, die gleichzeitig flüsternd nach Hässlichkeit und Aufräumen ruft. Zur gleichen Zeit schreien die Zigarettenkippen und Weinflaschen auf dem dritten Parkdeck, die ihre Einsamkeit nicht ausstehen können. Nicht erhören kann man diese Sprache der Abscheulichkeit und verstehen kann man es ebenfalls nicht. Falls diese Worte einen Laut von sich geben würden, würde das Parkhaus nach Ordnung und Sauberkeit brüllen. Auch ein Arbeitgeber kann sich solche Laute zu Herzen nehmen und so ein Arbeitsverhältnis auch schleunigst beenden.
Eine Arbeits-Wanderung muss organisiert werden und das Parkhaus muss die Sauberkeit und die Reinlichkeit erlangen, die das Parkhaus sich wahrlich verdient hat. Lange ist es her, dass ein Arbeitsaufwand hier durch die körperliche Anstrengung vollbracht wurde. Eher kommt eine Kehrmaschine häufig zum Einsatz, die die meiste Arbeit von alleine erledigt. Allein das Fahren mit der Kehrmaschine bereitet dem jungen Mann große und ersehnte Freude, der diese Arbeitsaufgabe uneingeschränkt als ein Vergnügen ansieht. Mit Musik und mit einer Zigarette im Mund fuhr der junge Mann ständig durch das Parkhaus und erhielt dabei viele verbitterte Blicke der Menschen, die sich darüber launisch und übermütig aufgeregt haben. Nicht viele waren früher davon begeistert, dass der junge Mann die Arbeit mit Spaß und Vergnügen verband und nach nur zwei Arbeitstagen sind viele schriftliche Beschwerden ins Parkhausbüro geflattert. Jede Erfahrung ist eine Bildung, die man überall finden und erlernen kann. Die Frage ist, ob man daraus was lernt, wenn allein das Leben ein Lehrer ist. Der junge Mann hat etwas gelernt: Spaß und Arbeit ist wie das Schlafen an der Decke – es ist unmöglich. Möglicherweise hat jede Arbeit überall Vorrang und solche Gedankengänge entwickeln sich in der Freizeit. Viel Zeit hat der junge Mann nicht, denn das Parkhaus wird genau in drei Minuten eröffnet. Das Parkhausbüro liegt ein paar Meter entfernt und für diese Strecke braucht er normalerweise eine Minute; für das Anziehen der Arbeitskleidung kommt noch eine Minute dazu – die Vorbereitung der Arbeitsmaterialien dauert nur dreißig Sekunden! Die Putztätigkeit raubt die meiste Zeit, und wer zu spät kommt, wird mit Arbeit belohnt und durch Überstunden bestraft. Laufen muss der junge Mann nicht, sondern aufrecht hoffen, dass sich die Ankunft der ersten Kundschaft verzögert. Zeit kann er zwar noch gewinnen, aber die Mühe und Unannehmlichkeiten will er sich ersparen. Aus Gewohnheit möchte er sich eine Zigarette anstecken und er greift nach dem Feuerzeug in seiner Hosentasche. Die Suche danach verweilt nicht lange und das Rauchen muss verschoben werden. Werden kann sein Tag noch viel schöner und jede Herausforderung muss bewältigt werden. Heute hat die Arbeit Vorrang und ein schöner Herbsttag einen höheren Stellenwert. Nicht erneut wird er Arbeit und Spaß verbinden, sondern den Kraftaufwand wird er mit Bemühungen und Anstrengung vereinen. Ein Tag, wo sich Wirklichkeit und Wichtigkeit treffen. Sich selbst übertreffen wird er und sein Arbeitstag wird lohnend enden. Das Ende ist nicht nah und viele Stunden werden dies bezeugen. Das Parkhausbüro ist für ihn erreichbar und nur noch ein paar Meter, dann kann die gewünschte und würdige Arbeit beginnen.
Das Parkhaus ist leer und irgendwie auch geistlos, obwohl dort schon viele Autos stehen. Beim Gehen erzeugen seine Schritte einen Klang, und die Baumblätter verbreiten ein zusätzliches Echo. Es wirkt musikalisch

Lektor: Axel C. Englert

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