Der Käufer auf dem Flohmarkt - Page 12

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Bedürfnis.
»An deiner Stelle würde ich es sein lassen … Viele Raben und Krähen sind heute dazugestoßen und haben massenhaft an Treibstoff gestohlen!«
Zufällig dachte Tim über solche Sachen und Theorien ebenfalls nach.
»Danke für die Vorwarnung … Eine Vogelscheuche habe ich im Parkhaus liegen. Für einen Tankstellen-Gutschein oder einen großzügigen Rabatt kann ich sie jederzeit vorbeibringen.«
So ein Angebot kann ernst oder märchenhaft gemeint sein.
»Eine Vogelscheuche? Wieso braucht ein Parkhaus eine Vogelscheuche?«
Sagte der Herr Tankstellenwart mit einem kurzen Lachanfall … Wartend auf die Antwort grinst er und kichert.
»Unser Betriebsleiter war für die Einarbeitung bei uns im Parkhaus, und all die unverschämten Kunden konnte er bedauernswürdig nicht ertragen. Daher baute er selbständig und eigenständig eine Vogelscheuche, die die Kunden abschrecken sollte … Nicht viel Gewinn haben wir in den Tagen erzielt, als der Betriebsleiter die Vogelscheuche an der Einfahrtsschranke befestigt hatte.«
Erzählte Tim mit Ernsthaftigkeit!
»Wie sah die Vogelscheuche denn eigentlich aus?«
Fragte der Tankstellenwart …
»Ach, sehr angsteinflößend! – Bei einem Fotografen ließ der Betriebsleiter sich selbst fotografieren und aus dem Foto machte er einen Ganzkörper-Pappaufsteller von sich selbst … Wie er uns anschließend sagte, sollen die Kunden sehen, wer hier Chef, Vorgesetzter und Boss ist!«
Erzählenswert erzählte Tim diese wahre Begebenheiten!
»Oh, leider kann ich die Vogelscheuche hier nicht gebrauchen. – Jeden Kunden brauche ich, damit das Geld am Ende des Tages stimmt. Auch wenn die Raben und Krähen viele Kanister stehlen, müssen die Kunden trotzdem nachtanken.«
Sprach der Tankstellenwart. Währenddessen hofft er aufrecht und insgeheim, dass niemand seine dressierten und trainierten Raben und Krähen fangen sollte.
»Das stimmt! War nett, mit dir zu reden, Herr Tankstellenwart … Leider muss ich das Parkhaus reinigen! Der Herbst und die Natur sind so freizügig, dass die Baumblätter nun überall liegen. Nur das zweite Parkdeck ist noch sauber …«
Sagte Tim beim Geldgeben.
»Hahaha! – Auch im Sommer und Winter fährst du ständig mit der Kehrmaschine rum …«
Erwähnte der Herr Tankstellenwart.
»Besser als die Kunden zu sehen, die nur Unmut an mir auslassen … Leider muss ich gehen! Noch eine Apfelsaft-Flasche kaufe ich und fahre vorsichtig zurück.«
Vergessen zu fragen hat Tim Käufer, wieso die Tankstelle nun „Treibstoff-Brunnen“ benannt wurde. Nicht viel Geld muss er an der Kasse lassen, denn als Stammkunde hat er immer einen kleinen Rabatt in Anspruch. Auch finanziert das Benzin und alle Geldausgaben der Parkhausbetreiber, somit sind Geld-Sorgen nicht vonnöten. Nur die Saftflasche wird eigenwillig und eigenständig bezahlt. Eigenständig verlässt er die Tankstelle und geht auf den Fahrradanhänger zu. Die Saftflasche kann er aus Platzmangel nicht in die Hosentasche stecken und demzufolge muss er die Hand für das Tragen nutzen. Die Tanksäule ist gut zu sehen und er erkennt etwas, das man als Tierquälerei oder auch als Tierzirkus bezeichnen könnte: Zwei Raben und eine Krähe begehen eine Straftat! Als Raffgier oder Habsucht kann man das Verhalten der Vogeltiere nicht beschreiben. Dass die Raben und Krähen auf das Verbrechen dressiert und trainiert worden sind, überblickt Tim Käufer nicht. Sehen kann man erstaunt, dass die Raben und eine Krähe gewisse Teamarbeit leisten: Sie versuchen mit aller Kraft einen Benzinkanister hochzuheben und damit fortzufliegen. Verscheuchen und verjagen muss Tim einfach dieses Naturphänomen, die Gaunerei, Manipulation und das Naturgesetz. Die Saftflasche ist erfreulicherweise aus Plastik und die Raben und eine Krähe sind schon mit dem Kanister in der Luft! Abgehoben und arrogant sind diese Tiere nicht, sondern der Tankstellenwart, der die Vögel zu solchen Taten erzogen und dressiert hat … Eine Saftflasche und drei Vögeln. Die Entscheidung ist gut verdaulich und verträglich: Den Benzinkanister muss er mit der Flasche treffen, damit die Tiere weder Leid noch Schaden abbekommen. Zum Glück hat Tim eine ruhige Hand und das Zielen ist schon gemeistert! Die Saftflasche fliegt und die Vögel auch … Es kracht sehr laut, als fielen der Donner und ein Blitz gleichzeitig aus den Wolken! Den Benzinkanister hat Tim glücklicherweise und mühelos beim ersten Versuch getroffen. Bloß der Kanister landet lautstark auf dem Asphalt und prallt an dem Fahrradanhänger ab! Dank dem Herbst ist der Boden mit Baumblättern versehen und der Krach wäre vor ein paar Monaten sicherlich noch lauter gewesen.
Inzwischen hat der Tankstellenwart diese Gegebenheit und Situation bemerkt und sagt zu sich selbst:
»Verdammt! Egal, in ein paar Tagen kommt er wieder mit Benzinkanistern.«
Die dressierten Vogeltiere sind abgetreten und über alle Berge. Die Vogelsprache versteht Tim nicht, obwohl er sich sicher ist, dass die Raben und eine Krähe etwas Bösartiges verbreiten. Sicherlich besprechen die Vogeltiere, wie sie erneut und mit Bedacht zuschlagen sollen … Alle zwei Benzinkanister blieben unbeschädigt und sind noch heil. Nur die Kratzer an einem Kanister geben bedauerlicherweise den Hinweis, dass sich die Gewalt zum Verteidigen als nötig erweisen kann. Leider hat auch die Saftflasche ein paar Dellen abbekommen und es sind die Spuren der Wucht und Schwungkraft. Kraft beim Aufheben der Kanister wird benötigt. Schließlich wurden die Benzinkanister randvoll gefüllt. Gefühle und Emotionen haben die Kanister erfreulicherweise nicht und Freundlichkeit erleben die Kanister dennoch, als Tim sie sehr fürsorglich und rücksichtsvoll in den Fahrradanhänger legt. Vorsichtig muss er bald fahren, sonst kann sich ein Deckel aufdrehen oder ein Kanister kann die Flucht ergreifen. Sollte sich die Treibstoff-Flüssigkeit über die Straße verbreiten, würden die Fährte und die Spuren verraten, wo Tim Käufer arbeitet und schuftet. Damit es nicht wieder Krach gibt, legt er die Saftflasche zwischen die Kanister. Die Rückfahrt kann endlich beginnen!
Auf der anderen Straßenseite steht die Kehrmaschine gut versteckt und wartet voller Sehnsucht, dass Tim kommt. Das Schieben erweist sich als schwierig und noch schwieriger wird die schmerzliche Tatsache, dass er seit ein paar Minuten nicht geraucht hat. Die zwei Meter trennen die Tankstelle und den Fußgängerweg und aus Vergesslichkeit knallt er den Fahradanhänger wieder einmal gegen die Bordsteinkante … Dank der Saftflasche ist der Lärm nicht zu laut. In der rechten Hand hält er den Anhänger und die linke Hand trägt die Zigarette. Die Straße, in der die Kehrmaschine steht, ist nicht zu sehen, hoffentlich steht die Kehrmaschine, sein Fortbewegungsmittel, noch da. Noch kräftiger zieht er an der Kippe und die Lunge pustet das Nikotin benebelt aus.

Lektor: Axel C. Englert

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