Der Traum eines Balles

Bild von Anita Zöhrer
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Wer will denn schon sein Leben lang getreten werden?

„Ich bestimmt nicht!“, dachte sich der kleine Ball Charlie eines Tages. Er hatte keine Lust mehr, behandelt zu werden wie ein seelenloser Gegenstand – ohne Respekt und ohne Mitgefühl. Was konnte er denn dafür, dass er ein Ball war? Und selbst wenn – hatte denn nicht auch er Dankbarkeit dafür verdient, dass er den Menschen so viel Freude bereitete?

Als er wieder einmal auf dem Fußballfeld zum Einsatz kam, nützte er seine Chance, seine Träume zu verwirklichen. Ein kräftiger Tritt eines Jungen katapultierte ihn in luftige Höhen. Ein heftiger Windstoß erfasste ihn und trug ihn fort – hinweg über alle Menschen, die ihn schlecht behandelt hatten.

Endlich war er frei. Der Ball konnte es kaum glauben, dass sich sein Wunsch tatsächlich erfüllte. Kilometerweit flog er durch die Luft, bevor er an einem entlegenen Ort wieder auf dem Boden landete. Inmitten von anderen Bällen fand er sich wieder, die dasselbe ersehnt hatten wie er.

Eine alte Hexe kam aus dem kleinen Holzhaus und begrüßte den Ball mit einer Umarmung und einem Kuss. Wie die Bälle hatten die Menschen sie nie zu schätzen gewusst, sie höchstens nur ausgenutzt. Umso mehr war es ihr ein Anliegen, sich all jener anzunehmen, denen es ebenso erging wie es ihr ergangen war. Besonders die Bälle lagen ihr am Herzen, da sie die Einzige war, die deren Sprache verstand.

Nie wieder wurde von da an der Ball von jemanden getreten. Stattdessen erhielt er die Aufmerksamkeit und Zuwendung, die er sich gewünscht hatte.

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