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Die Bienenkönigin

Bild von Anita Zöhrer
Bibliothek

Inmitten einem Wald steht ein Bienenstock, umringt von Tannen und Fichten. Die Bienen fühlen sich sehr wohl hier, nur eine ist unglücklich: Nämlich die Königin. Erst einige Wochen alt hält sie es in ihrem Volk schon nicht mehr aus, unerträglich wird ihr die Langeweile. Viel lieber würde sie die Welt entdecken, auf Reisen fliegen, doch ihr Hofstaat verbietet es ihr. Immerhin haben sie sich nicht die Mühe gegeben, sie heranzuzüchten, damit sie dann das Weite sucht. Nein. Sie hat Verantwortung ihrem Volk gegenüber und diese hat sie nicht zuletzt aus Dankbarkeit gefälligst zu erfüllen.

Die Bienenkönigin ist sauer. Sie hat es sich ja nicht ausgesucht, ausgerechnet eine Königin zu werden. Sie hatte es sich ja noch nicht einmal ausgesucht, eine Biene zu werden. Wenn sie die Wahl gehabt hätte, wäre sie viel lieber ein großer Vogel geworden, um durch die ganze Welt fliegen zu können. Nichts desto trotz will sie sich von ihrem großen Vorhaben nicht abbringen lassen und so ergreift sie eines Nachts die Flucht. Natürlich bleibt ihr Ausflug nicht unbemerkt – sogleich folgen ihr die ersten Bienen. Die Königin versucht, sie abzuwimmeln, und als es nicht funktioniert, sticht sie sie ab. Nur ungern wird sie zu Mörderin, doch da ihre Artgenossen sowieso nicht ein allzu langes Leben haben, kommt es auf die paar Tage mehr oder weniger auch schon nicht mehr an.

Immer wieder wird die Bienenkönigin auf ihrem Ausflug von Bienen belästigt, die sie gerne zu ihrer Königin hätten, doch die Königin bleibt stur. Sie will ihre Ruhe vor Bienen und ihr Leben frei und unabhängig verbringen und so geschehen noch weitere Morde, die nicht ungesühnt bleiben.

Schnell spricht sich die Grobheit der Königin gegenüber ihren Artgenossen herum, ihre unnatürliche Verhaltensweise stößt schnell auf Ablehnung. Aus Angst, andere Bienen und allem voran Königinnen könnten es ihr nachmachen, verschwören sich ein paar Völker gegen sie und wollen sie aus dem Verkehr ziehen, ehe sie noch mehr anrichtet. Sie planen einen Mord an sie, heimlich schleichen sich ein paar Sympathisantinnen der Bienenkönigin davon, um diese zu warnen.

Die Bienenkönigin macht sich auf das Schlimmste gefasst. Wie soll sie den wilden Horden denn nur entkommen? Sie braucht Verbündete, die sie beschützen, und dennoch will sie auf keinen Fall ihre Freiheit aufgeben. Nachdenklich versteckt sie sich im Loche eines Baumes, als sich plötzlich ein lautes Brummen nähert. Es ist eine Hornisse! Eine der größten Feinde der Bienen. Die Königin verkriecht sich noch weiter und bemüht sich, sich nicht zu bewegen, als ihr plötzlich die rettende Idee kommt …

Gemeinsam machen sich die verbündeten Bienenvölker auf den Weg, um der eigensinnigen Bienenkönigin den Garaus zu machen, im letzten Moment schafft es diese, sich in Sicherheit zu bringen. Die Bienenvölker fliegen wild durcheinander, beraten, was nun zu tun ist, dass ihre Rivalin sie so hinterhältig austricksen würde, damit haben sie nicht gerechnet. All ihren Mut hatte die eigensinnige Königin sich zusammengenommen und ein hübsches Hornissenmännchen bezirzt, ein ganzes Hornissenvolk hat sie dank diesem nun hinter sich.

Die Bienenvölker sind verärgert, doch bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen. Keine der Bienen will von den Hornissen gefressen werden, lieber riskieren sie es, dass noch weitere Bienen dem Vorbild der eigensinnigen Königin folgen und gegen ihre Natur ihren eigenen Kopf durchsetzen werden. Die Königin ist erleichtert und ihrem neuen Freund dermaßen dankbar, sodass sie ihm erlaubt, sie auf ihre Weltreise zu begleiten. So fliegen sie zu zweit quer durchs Land und schon bald entwickelt sich die notgedrungene Liebe der Königin zu ihrem Beschützer zu einer richtigen Liebe. Kinder folgen, eine neue Gattung entsteht. Von den Menschen als Wespen bezeichnet, erziehen die Hornisse und die Bienenkönigin auch diese zu natürlichen Feinden der Bienen. Nicht nur, dass die Königin nach wie vor um ihr eigenes Leben fürchtet und daher auf jeglichen Schutz angewiesen ist, sie fürchtet ebenso um das Leben ihrer Kinder. Umso mehr ist es der Königin und der Hornisse ein Anliegen, dass diese sich zu verteidigen wissen und den Bienen erst gar kein Vertrauen schenken.

Nicht lange dauert es, bis sich die Kunde über die eigenartige Beziehung der Hornisse und der Königin und deren Nachwuchs verbreitet hat, nicht lange, bis die Familie unter den Hornissen und Bienen weltbekannt ist. Nur dem Menschen bleibt diese Tatsache im Verborgenen, nie wird er den wahren Ursprung der Wespen erfahren.

Interne Verweise