Ein kleiner Junge

Bild von Anita Zöhrer
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Ein kleiner Junge – er weint.
Seine Mutter schlägt ihn, hasst ihr eigenes Fleisch und Blut.
Was hat er ihr denn nur getan, was verbrochen? Womit hat er das nur verdient?

Ein kleiner Junge – er lacht.
Seine Freunde ahnen nichts von den Grobheiten der Mutter. Seine Schlagspuren weiß er, hervorragend zu verstecken. Sieht sie doch jemand, so lügt er, behauptet, sie würden von Unfällen stammen.
Lieber nimmt er es in Kauf, dass seine Freunde sich über seine erfundene Tollpatschigkeit lustig machen, als dass er seiner Mutter Schwierigkeiten bereitet.

Ein kleiner Junge – er wird erwachsen.
Er hat seine Mutter stets geliebt – obwohl sie ihn misshandelte, weil sie ihn nicht wollte. Nie hätte er ihr etwas zuleide getan. Es niemals zugelassen, dass ihr etwas Böses widerfährt. Stattdessen hat er sie stets beschützt und was ist nun der Dank dafür?
Ihre Drogen jubelt sie ihm unter, bringt ihn ins Gefängnis für etwas, das sie verbrochen hat.

Ein kleiner Junge – ein verbitterter, erwachsener Mann.
Seine Kindheit hat Spuren in seiner Seele hinterlassen, die Jahre im Gefängnis waren geprägt von negativen Erfahrungen.
Er greift zum Alkohol. Er kann nicht mehr. Sein Leben wirft er weg, er hat nichts zu verlieren.

Ein kleiner Junge – er stirbt.
Nur wenige Jahrzehnte waren ihm auf Erden vergönnt. Sein Glück – es ist nur oberflächlich gewesen.
Was Liebe ist, er hat es nie erlebt. Wahre Freude ist ihm ein fremdes Wort geblieben.

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