Ich mochte dich

Bild von Anita Zöhrer
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Eine Amsel saß früh am Morgen vor meinem Fenster und weckte mich mit ihrem Gesang aus dem Schlaf. Traurigkeit empfand ich, als ich merkte, du lagst nicht neben mir. Nur ein schöner Traum war es gewesen: Du an meiner Seite.

Ich kochte mir eine heiße Milch und ging nach draußen. Vor dem Haus setzte mich auf eine Bank. Ein kühler Wind verschaffte mir Gänsehaut. Wo war deine Wärme, wenn ich sie brauchte?

Ich mochte dich. Doch wir waren Kameraden, nicht mehr. Dass wir in den letzten Wochen zusammenwachsen würden, überraschte nicht bei der vielen Zeit, die wir miteinander verbracht hatten. Aber dass ich mich in dich verlieben würde? Dabei war ich in festen Händen.

Schon einmal hatte ich mich von meinem Freund getrennt. Wieder hatte ich es mit ihm versucht. Was machte ich mir vor? Das, was ich suchte, würde ich bei ihm nie finden – ich nahm es hin. All das, was mich in unserer Beziehung verletzte, wollte ich geduldig ertragen. Erst du lehrtest mich, dass ich das nicht musste. Selbst ich hatte das Recht auf ein wenig Glück.

Tief hatte sich dein Name in meinem Herzen eingraviert. Dein Gesicht hatte ich stets vor mir. Auch ich war dir sympathisch. Wie eine junge Pflanze keimte meine Hoffnung auf deine Zärtlichkeit. Unaufhörlich wuchs meine Sehnsucht nach dir.

Wir verabredeten uns fürs Wochenende, wollten gemeinsam einen Spaziergang unternehmen. Ich freute mich auf dich. An einem einsamen Plätzchen am Ufer eines Flusses ließen wir uns nieder und entspannten uns in der selten gewordenen unangetasteten Natur. Sanft berührte der Wind meine Haut. Und deine Lippen die meinigen.

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