Mein Freund der Baum ist tot.....

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Das Lied von Alexandra aus dem Jahr 1968 summt in meinem Kopf. Es hat nichts an Aktualität verloren. Seit einer Woche muss ich hilflos vom Fenster aus zusehen, wie vor mir Baum um Baum gefällt wird. Zuerst begann der Bauer an einem idyllischen Bach am Uferrand Bäume um zu schneiden, die über Jahre den Vögeln Plätze zum Ausruhen und für ihre Nester boten, angeblich, weil diese ihm zu viel Schatten machen und er dadurch fünf bis sechs Ballen Heu weniger einfahren kann. Vor meinem Garten lagerte er die toten Bäume, die sogar jetzt noch von den Vögeln als Sitzplätze angeflogen wurden. Kahlschlag bietet sich nun meinen Augen dar statt grüner Baumkronen. Es vergingen zwei Wochen, als neuerlich das Geräusch von Motorsägen an meine Ohren drang, laut und unangenehm durchdringend. An unserer Siedlung entlang verläuft eine viel befahrene Landesstraße hinaus zu den Salzburger Seengebieten und nach Oberösterreich. Bis jetzt war der Blick der vorbeifahrenden Autos und zahlreicher LKWs verstellt durch schöne Bäume, die die Landesstraße säumten. Mir fehlten die Worte, als ich bemerkte, was da vor sich ging. Mitarbeiter der Landesbehörde hatten den Auftrag alle Bäume zu fällen. Hemmungslos wurde mit der Säge angesetzt, was bisher grün und gesund war, wurde erbarmungslos umgeschnitten, zurück bleiben hässliche Baumstümpfe und ein offener Blick auf die Straße. Nächtens leuchten nun die Scheinwerfer in mein Zimmer, die Luft ist erfüllt vom Feinstaub, der nicht mehr von den Laubkronen gefiltert wird. Wenn der Wind bläst, ist danach auf der Terrasse und am Balkon alles mit einer Staubschicht überzogen. Ich war tagelang wie betäubt, wollte nicht mehr aus dem Fenster sehen, von wo aus sich der Blick bislang ins Grüne und in die Berge weitete. Gerade in diesem Frühjahr ist mein Garten von Staren, Meisen, Amseln, Spatzen, Mönchsgrasmücken und auch von Spechten besucht, die sich an meinen Sträuchern und Büschen erfreuen. Fröhliches Zwitschern und Flattern erfreut mein Herz. Wo sollen von nun an die Vögel sitzen? So fasste ich einen Entschluss. Ich kaufte für meinen Balkon neun Hainbuchen, die in Trögen meinen Balkon zieren, und für den Garten Weißdorn, Sanddorn und eine Schlehe. Es hat nicht lange gedauert, schon stelle ich zu meiner großen Freude fest, wie nach kurzer Zeit meine gefiederten Freunde auf den jungen Trieben der Hainbuchen sitzen, ihre Schnäbel wetzen und sich auf den zarten Ästen schaukeln. Sie beäugen aufmerksam, welche Angebote es für sie auf meinem Balkon gibt. Manchmal scheint es mir, als würden sie ihre kleinen Köpfe zu mir wenden und mir mit ihrem Zwitschern Danke sagen.
"Vielleicht wird es ein Wunder geben", singt Alexandra, vielleicht wird die Erkenntnis bei den Verantwortlichen wachsen wie ein Baum, dass wir das Wunder Natur zum Leben brauchen. "Ich werde heimlich darauf warten!"

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Alexandra Song Mein Freund der Baum ist tot
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