Regentag

Bild von theowleman
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Ich blicke aus dem Fenster und Regen versperrt mir die Sicht. Schwere Tropfen stürzen aufgeregt zu Boden und dringen ihn in ein. Das Wasser will sich unter der Erde verstecken, so scheint es. Vor welchem Ungeheuer laufen wohl die vielen unzählbaren Tropfen davon? Gibt es einen uns unbekannten Grund, weshalb sich alles reinwaschen will? Wenn das Leben aus dem Wasser auf die Kontinente kam, warum ist dann kein Leben im Regen? Selbst die hohen Berge am Horizont scheinen wie verschwunden, dennoch lauern die Gipfel hinter grauen Schwaden aus Wasserdampf. Die Fichtenwälder glänzen im Schauer. Von den Wurzeln schäumt es seifig herab. Die Vögel wollen heute nicht fliegen. Der Regen lässt sie verstummen. Auch in mir wird es ganz leise, fühle ich die kalte Frische in der Luft. Überall gluckst und plätschert es. Eine Harmonie des Flüssigen. Ein Konzert der Wolken. Der Donner stellt den Bass. Es grollt am Firmament. Dumpf dröhnt die Erschütterung in meiner Magengrube weiter. Die Wege sind nun beweglich geworden. Alles formt sich. Der Regen gibt der Landschaft ein neues Gesicht. Der Künstler legt Hand an. Ein Blitz zuckt. Abertausende unterirdische Höhlen füllen sich mit Wasser. Auch wenn ich sie nicht sehen kann, kann ich sie wenigstens erahnen. Wohin soll das viele Nass sonst verschwinden? Als ob die Landschaft Proviant sammeln würde. Ich fürchte mich vor dem Sturm. Archaische Wildheit in ureigenster Form. Keine Zeit für Regenbögen. Wie aufregend ein Sommer doch ist.

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