Sternenstaub

Bild von Anita Zöhrer
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Sein Umhang hing auf einem Ast und flatterte im Sturm. Ich holte ihn herunter und legte ihn mir um, Tränen traten mir in die Augen. Was war nur mit ihm geschehen?

Der Umhang wärmte mich wie einst sein Besitzer, meine Sorge um ihn ließ mir keine Ruhe mehr. Ich suchte ihn, durchritt tiefste Wälder und verbrachte wegen ihm eine schlaflose Nacht nach der anderen. Sogar Tauben schickte ich los, um ihm Nachrichten zu überbringen. Nicht eine von ihnen kehrte zu mir zurück.

Ich ritt auf einen Hügel und ließ meinen Blick in die Ferne schweifen. Regungslos standen die Berge da, dafür wiesen die Wälder mir den Weg. Alle Baumspitzen zeigten im Wind in eine Richtung und deuteten mir an, wohin ich musste. Ich bedankte mich bei ihnen und setzte meine Reise fort.

In der Dunkelheit der Nacht lag er auf einem Teich und schimmerte im Glanz von Sternenstaub. Ich sprang ins Wasser und schwamm zu ihm, zog ihn ans Ufer und legte ihn ins Gras. Eine Wunde zierte seine Brust, ein Messer hatte sein Herz durchdrungen. Ich bedeckte ihn mit seinem Umhang und küsste ihn, bat die Sterne, ihn mir zurückzugeben. Nicht ehe er wieder bei mir weilte, wollte ich mich von hier weg rühren. Alles durften sie mir nehmen, doch nicht ihn.

Sternenstaub sank auf ihn nieder und tauchte ein in seinen Körper, nach und nach kam er zu sich, Tränen der Freude tropften auf ihn herab. Sein Leben hatte er zurück und ich war nicht mehr allein.

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